New Work: Hausaufgaben

Arbeiten in Zeiten der Pandemie: Wie der Corona- Virus die Digitalisierung beschleunigt und worauf es danach ankommt

Die Corona-Krise hat die Art und Weise unserer Zusammenarbeit quasi über Nacht verändert. Was in vielen Unternehmen vorher allenfalls Kür war, um gefragten Fachkräften einen Bonus zu bieten, wurde nun zur unausweichlichen Pflicht – das Homeoffice. Arbeitsminister Hubertus Heil, der sich schon vor der Krise für ein Recht auf Homeoffice stark machte, aber damit kaum über eine Tickermeldung hinauskam, bekam nun seinen ersehnten Warhol-Moment. „Ich arbeite an einem neuen Gesetz für ein Recht auf Homeoffice, das ich bis Herbst vorlegen werde. Jeder, der möchte und bei dem es der Arbeitsplatz zulässt, soll im Homeoffice arbeiten können – auch wenn die Corona-Pandemie wieder vorbei ist“, sagte er in einem viel zitierten Interview. Zuspruch erhielt er dabei nicht nur aus den Reihen der eigenen Partei – „Die vergangenen Wochen haben gezeigt, wie viel im Homeoffice möglich ist – das ist eine echte Errungenschaft, hinter die wir nicht mehr zurückfallen sollten“ (Finanzminister Olaf Scholz) –, sondern auch von der Grünenfraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt: „Es ist längst an der Zeit, dass aus dem Privileg, das bisher nur für wenige gilt, ein Anspruch auf Homeoffice für viele wird.“

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Reibungslos gestaltete sich der Umbruch indes nicht. „Unternehmen in Deutschland sind gerade massiv und auf breiter Front dabei, agiles Arbeiten, Transparenz, Eigenverantwortung und allgemein verteiltes Arbeiten zu lernen und zu üben. Aber bei weitem nicht alle sind sich dessen bewusst, da bin ich mir ganz sicher“, beschreibt Andreas Ollmann, Inhaber der Ministry Group die Situation. Als New Work Evangelist wird er oft um Rat und Coachings zum Thema Führung gebeten. Dabei ginge es nicht darum, welches Chatprogramm cooler sei, vielmehr sei eine Kultur für Homeoffice oft noch gar nicht ausgebildet. Typische Fragestellungen lauten daher: „Wie führe ich denn jemanden, den ich nur per Telefon erreiche? Und wie halten Teams zusammen, wenn man sich nicht regelmäßig an der Kaffeemaschine trifft?“

„Mehrere Jahre digitaler Transformation wurden in wenige Wochen zusammengeschoben“, pflichtet André Christ, CEO der LeanIX GmbH, ihm bei. Zoom, Microsoft Teams oder Slack sind plötzlich in aller Munde. Doch für ein produktives Remote-Arbeiten in Teams braucht es mehr als Kollaborationstools. Unternehmen müssen Lösungen etablieren, die nicht auf das Büro beschränkt sind und von einer Vielzahl an Mitarbeitern genutzt werden können. Dabei ist es wichtig, allen Mitarbeitern einen Überblick über die Software-Landschaft und die Verantwortlichkeiten in einer einfachen Form bereitzustellen. „Wenn ich zu Hause arbeite, möchte ich wissen, welche Lösungen mein Unternehmen anbietet, um produktiver zu sein, aber auch wer dafür verantwortlich ist, wen ich fragen kann“, so Christ. „Das heißt, allen Mitarbeitern sollte ein Ausschnitt der Architektur zur Verfügung stehen.“


Pro­duktives Remote-Ar­bei­ten braucht mehr als Kollaborations­tools.


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Transparenz ist dabei nicht nur in diesem Zusammenhang eine der größten Herausforderungen bei der Arbeit mit virtuellen Teams. Schließlich bedeutet managen auch die Pflicht, Mitarbeiter vor Überlastung zu schützen, was sich ohne direkte Einsicht schwierig gestaltet.

Die Plattform von Workfront kann hier Abhilfe schaffen. Sie informiert jeden Mitarbeiter aktuell, welche seine Aufgaben sind, wann diese fertig gestellt sein müssen und welchen Beitrag diese zum Gesamten leisten. „Die automatische Benachrichtigung, das Status-Update, evtl. das Time- und Budget-Logging bei Fertigstellung einer Aufgabe führt zu einem massiven Zeitgewinn für jeden einzelnen Mitarbeiter“, ergänzt Günter Sand­mann, Head of Central Europe and Nordics des Work-Management-Experten. „Automatische Projekt-Updates an das Team sowie das Management schaffen Transparenz und Vertrauen.“


Deutschland geht ins Homeoffice

Am 16. März, nur wenige Tage bevor Corona-Regeln den Bürobetrieb nahezu stilllegten, führte der Bundesverband Digitale Wirtschaft unter mehr als 1 000 Angestellten eine Umfrage durch.

Sicherheit im Homeoffice

Auch wenn die Arbeit an verstreuten geografischen Orten virtuell genannt wird, wird sie immer noch von echten Menschen getätigt. Und Menschen machen Fehler. Gerade im Remote-Work-Betrieb lassen sich diese schwieriger identifizieren und stellen insbesondere die IT-Security vor eine große Herausforderung. Allzu oft mangelt es dabei nicht nur an der notwendigen Sensibilisierung der Mitarbeiter, sondern es fehlen hier insbesondere im Zuge der Ad-hoc-Bereitstellung von Heimarbeitsplätzen oft auch die richtigen Soft- und Hardwarelösungen. Verantwortliche der IT-Sicherheit sind mit einer plötzlichen und massiven Veränderung konfrontiert, die sich kaum optimal bewerkstelligen lässt. Sie sollen die Nahtstellen flicken, die im Zuge dieser Änderungen auftreten, und sich um Probleme kümmern, die es in dieser Form noch nie gab.

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Zwar zeigt sich gerade jetzt, wie praktisch die Cloud für die Zusammenarbeit über verteilte Standorte ist, doch müssen Unternehmen dafür sorgen, dass die Nutzung möglichst bequem und gleichzeitig sicher ist. „Diese Kriterien erhält man zum Beispiel durch Mobilgeräte-basierte Multi-Faktor-Aut­hentifizierung, passwortlose ‚Single Sign-on‘-Authentifizierung und Cloud-Security-Lösungen, die sich in vielgenutzten Diensten wie Office 365 einfach integrieren lassen“, erläutert Peter Ma­chat, Vice President Central EMEA beim Experten für Cloud- und Endgerätesicherheit MobileIron. Hauptursache für Datenschutzverletzungen sind immer noch gehackte Passwörter. Um das Risiko eines Datenverlusts durch moderne Endgeräte, Apps und Cloud-Dienste zu senken, empfiehlt er eine „nahtlose, intelligente, kontextabhängige Sicherheit, die in mehreren Stufen Mobilgeräte und Netzwerke vor ausgeklügelten Angriffen schützt. Zusätzlich brauchen Unternehmen durchgängigen Einblick und vollständige Kontrolle, um all die Mobilgeräte zu sichern, zu verwalten und zu monitoren, mit denen Mitarbeiter auf Unternehmensinformationen zugreifen.“

So können selbst auf globalem Level interne und externe Regularien durchgesetzt werden, lassen sich so installieren sowie verwalten und auch der Zugriff auf kritische Unternehmensdaten kann sicher umgesetzt werden.

Die Zeit danach

Jetzt, wo Homeoffice zum festen Bestandteil des „New Normal“ vieler geworden ist, öffnen sich langsam wieder die Büroräume und die Mitarbeiter kehren zurück. Dass das Thema Home­office durch die Krise einen enormen Aufschub erhalten hat, ist dabei unbestritten. Wie nachhaltig die Auswirkun­gen sind, wird die Zukunft dabei zeigen.
Das wichtigste HR-Thema der Vergangenheit ist allerdings durch die Corona-Krise aus dem Fokus geraten, worauf Wieland Volkert, Country General Manager DACH bei PeopleDoc, hinweist – der Fachkräftemangel. Dabei ist der War for Talents durch die Pandemie nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Nach der Krise wird er noch intensiver geführt werden. So erwarten Marktforscher, dass in den nächsten zehn Jahren die Nachfrage nach Fachkräften das Angebot bei Weitem übersteigen wird. Das US-ameri­kanische Korn Ferry Institute prognostiziert bis 2030 einen weltweiten Fachkräftemangel von mehr als 85,2 Millionen Menschen.

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Unternehmen müssen folglich noch härter arbeiten, um qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen und vorhandene zu halten. „Das führt zu einer wachsenden Bedeutung der Personalabteilung. Sie ist verantwortlich für die Suche, Gewinnung und Förderung von Fachkräften und damit von höchster strategischer Bedeutung“, ist sich Volkert sicher. Damit diese ihrer strategischen Aufgaben nachkommen kann, empfiehlt er unter anderem, sich wiederholende administrative Aufgaben zu automatisieren. Vor allem aber appelliert er an HR-Verantwortliche, sich Gehör zu verschaffen: „HR ist nicht nur ein Kostenverursacher, es ist eine Investition in die Zukunft Ihres Unternehmens.“ Es gilt, Führungskräfte dazu zu bringen, die HR-Abteilung als Profit-Center zu betrachten.

Das Homeoffice ist dabei durchaus auch für das „wichtigste HR-Thema“ von Bedeutung. Insbesondere die jüngere Generation der digital Natives kommt mit der aktuellen Situation hervorragend zurecht und kann von spezifischen Vorteilen, wie beispielweise dem Wegfall des Pendelns zum Arbeitsplatz, profitieren. Nicht zuletzt um diese Fachkräfte zu binden sollten sich Unternehmen schnell darüber klar werden, wie die eigene Position und Zielsetzung zu ‚New Work‘ aussieht – Mitarbeiter erwarten hier klare und zeitnahe Aussagen. Am besten noch bevor Arbeitsminister Hubertus Heil sein Vorhaben durch alle Instanzen der Gesetzgebung gebracht hat.

von Andreas Fuhrich
a.fuhrich@trendreport.de

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