Die Zukunft der Banken? Mehr als Banking!

Gastbeitrag:
Wie Kreditinstitute von digitalen Ökosystemen regionaler Prägung profitieren können, berichtet Martin Beyer, Vorstandssprecher der Fiducia & GAD IT AG

„Banking is necessary, banks are not“ – das klingt wie eine Kampfansage. Und so ist diese viel zitierte These von Bill Gates wohl letztlich auch gemeint: Internationale Hightech-Unternehmen machen den traditionellen Banken zum Beispiel mit mobilen Zahlungsdiensten längst schon Konkurrenz. Ihr großes Plus sind ihr innovatives User Interface und die Customer Experience, mit denen sie ihre Kunden in vielen Lebenssituationen digital begleiten und sie damit sozusagen in ein individuelles Serviceuniversum einhüllen.

Allerdings haben auch etablierte Banken gegenüber der globalen Hightech-Konkurrenz entscheidende Vorzüge – vor allem ihre regionale Präsenz, über Jahre hinweg gewachsene Kundenbeziehungen und daraus resultierendes Vertrauen sowie nicht zuletzt die Fähigkeit, den Datenschutz glaubwürdig zu garantieren. Denn anders als Apple, Google oder Amazon unterliegen deutsche Kreditinstitute ausschließlich nationalem und europäischem Datenschutzrecht.

Doch zahlen sich solche Vorteile auch im Wettbewerb an der digitalen Kundenschnittstelle aus? Ja. Aber dazu ist einiges an Veränderungsbereitschaft und -willen notwendig und es funktioniert nur im engen Schulterschluss zwischen IT-Dienstleister, den Kreditinstituten und mit einem konsequenten Blick auf den Bankkunden und seine Bedürfnisse. Dazu gehört auch, dass Kreditinstitute die digitale Kundenschnittstelle technologisch wie auch in der Interaktion mit dem Kunden modernisieren und sie als Schiene für einen umfassenden Service nutzen, der weit über bisherige Banking-Angebote hinausgeht. Bei einer Baufinanzierung etwa könnte die Hausbank beispielsweise auch Leistungen regionaler Spezialfirmen für nachhaltiges und klimafreundliches Bauen vermitteln – inklusive passender KFW-Förderanträge. Wie schnell sich übrigens ein Förderantrag in das digitale Banking integrieren lässt, demonstrierte die Fiducia & GAD gleich zu Beginn der Covid-19-Pandemie: Nach nur zwei Wochen Entwicklungszeit konnten Volks- und Raiffeisenbanken ihre Firmenkunden mit Onlineanträgen für staatliche Corona-Hilfen unterstützen.

Plattformökonomie und Omnikanal

Sowohl die schnelle Integration neuer Banking Services als auch der Zugriff auf banknahe oder -fremde Mehrwertdienstleistungen erfordern eine technologisch offene Omnikanal-Plattform: Offen in dem Sinne, dass die Plattform in der Lage ist, das Portfolio von Banken mit einem ergänzenden Leistungsangebot von Partnern flexibel zu vernetzen. Auf dieser Basis lassen sich dann maßgeschneiderte Angebote bündeln und über die digitale Kundenschnittstelle situationsgerecht bereitstellen. Wie das Beispiel der ortsnah verfügbaren Bauleistungen im Zuge einer Immobilienfinanzierung zeigt, generiert insbesondere die Vernetzung mit Unternehmen aus der Region einen greifbaren Mehrwert für Kunden. Als Regionalbanken sind deutsche Genossenschaftsinstitute naturgemäß in besonderer Weise prädestiniert für den Aufbau digitaler Ökosysteme regionaler Prägung. Gerade ihnen bietet eine offene Digitalplattform demnach die einzigartige Chance, ihre traditionellen Stärken auch im digitalen Zeitalter in einen direkten Wettbewerbsvorteil zu übersetzen und somit die Kundenbindung zu erhöhen.

Wie hoch die Fiducia & GAD das Potenzial der vernetzten Plattformökonomie für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der Volks- und Raiffeisenbanken einschätzt, lässt sich nicht zuletzt daraus ablesen, dass sie im Zuge ihrer strategischen Neuorientierung eigens ein neues Vorstandsressort für den Bereich digitale Lösungen geschaffen hat: Wenn es gelingt, die großen Vorzüge der Genossenschaft auch in der digitalen Welt mit Leben zu erfüllen, führt zum Beispiel das Filialsterben infolge demografischer Veränderungen nicht zwangsläufig zu einem Verlust an regionaler Präsenz. Im Gegenteil, denn durch die nahtlose Verzahnung von digitalen, persönlichen und digital-persönlichen Kontaktkanälen in einem übergreifenden Omnikanal nimmt die Bedeutung der Genossenschaftsbanken im Lebensalltag ihrer Kunden sogar noch weiter zu. Nicht umsonst steht der Omnikanal im Zentrum der gemeinsamen Digitalisierungsstrategie der genossenschaftlichen FinanzGruppe.

Dies verschafft Banken die Fähigkeit, ganzheitliche Angebote zum richtigen Zeitpunkt über den richtigen Kontaktkanal punktgenau beim Kunden zu platzieren. Damit verändert sich die Rolle der bisherigen Hausbank fundamental: Sie wird zum proaktiven Partner und omnipräsenten Begleiter, der den momentanen Bedarf der Kunden antizipiert und je nach Situation mit personalisiertem Service darauf antwortet. Dazu aber ist es notwendig, das Thema Smart Data Analytics noch stärker in die IT und in das Mindset der Banken zu bringen. Erst damit entsteht dann das erwähnte Serviceuniversum, das somit eben kein Alleinstellungsmerkmal der großen Hightech-Player bleibt.

Doch egal, ob groß oder klein – für die Fiducia & GAD stehen unbeschadet der partiellen Konkurrenz ganz klar die Chancen der Kooperation mit der Non- und Near-Bank-Welt im Vordergrund: Gerade, weil die digitale Kundenschnittstelle per Omnikanal optimiert und die Portfolioerweiterung via Ökosystem auf bestem Wege sind, brauchen Genossenschaftsbanken heute keinerlei Berührungsängste vor FinTechs & Co. mehr zu haben. Stattdessen können sie von vielen der dort initiierten Innovationen zum Vorteil ihrer Kunden profitieren, indem sie die eigene Digitalisierung zum Beispiel durch vernetzte Sourcing-Modelle beschleunigen. Kein Wunder also, dass Partnerschaften mit FinTechs, BigTechs und in die Start-up-Szene ebenfalls Bestandteil der grunderneuerten Unternehmensstrategie der Fiducia & GAD sind.

www.fiduciagad.de

Offenen Plattform

Lesen Sie im Interview mit Herrn Martin Beyer, wie dank technologischer Offenheit in neuen Plattformarchitekturen der Weg frei für neuartige Serviceideen und Geschäftsmodelle gemacht wird: https://www.trendreport.de/offene-plattformen/

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  1. […] Auch nach Corona und im „New Normal“ werden digitale Geschäftsmodelle und die digitale Transformation für deutsche Unternehmen und Institute immer wichtiger. Die Einsicht, das eigene Unternehmen und Geschäftsmodell zu transformieren, hat sicherlich durch die Pandemie noch zugenommen und geht schneller vonstatten. Wie die digitale Transformation gemeistert werden kann, zeigt sich gut am Beispiel der deutschen Volks- und Raiffeisenbanken. Internationale Hightech-Unternehmen machen den traditionellen Banken mit mobilen Zahlungsdiensten längst schon Konkurrenz und die tradierten Geschäftsmodelle der Branche ziehen nicht mehr. Um neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen, wur­den bis Ende 2019 alle rund 400 Banken, die bisher mit der Lösung „bank21“ gearbeitet haben, auf die neue Lösung „agree21“ umgestellt und migriert. Die Umstellung auf agree21 ist somit das größte Migrationsprojekt in der Geschichte der Genossenschaftsbanken. Mehr als 450 Anwendungsentwickler setzen ihr ganzes Know-how ein, damit die Umstellung fristgerecht und zuverlässig läuft. Martin Beyer, Vorstandssprecher der Fiducia & GAD IT AG, der als IT-Dienstleister das Migrationsprojekt verantwortet, erklärte uns dazu: „Sowohl die schnelle Integration neuer Banking-Services als auch der Zugriff auf banknahe oder -fr… […]

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