Neue Perspektiven für KI

Die Redaktion sprach mit Prof. Dr. Volker Gruhn, Vorstandsvorsitzender der adesso AG, über die Planung und Implementierung neuer Technologien.

Herr Prof. Gruhn, wie unterscheiden sich KI-Projekte von anderen IT-Projekten?
Ziel KI-basierter Anwendungen ist es, Zusammenhänge in Daten zu erkennen oder große Datenmengen automatisch zu klassifizieren. Hier geht es um Anomalien, Muster oder Cluster: Die eine Kreditkartentransaktion unter 100 000, die ein Betrug ist. Die fünf Sensormessungen in Terabytes von Datenströmen, die zusammen auf einen Maschinenausfall hindeuten. Bei diesen datengetriebenen Systemen gibt es häufig keine klaren Anforderungen, die das Projektteam zu Beginn formulieren könnte. Deswegen kommt der Datenbasis im Vergleich zu klassischen Softwareentwicklungsprojekten eine größere Bedeutung zu. Verfügbarkeit, Qualität, Herkunft, Konsistenz, aber auch die rechtlichen Rahmenbedingungen der Nutzung sind entscheidende Themen.

Wie finden Unternehmen am besten heraus, ob und wie ihnen die neuen KI-Technologien Wettbewerbsvorteile verschaffen?
Dieses Finden der passenden KI-Anwendungsfälle – passend zu den eigenen Kunden, Prozessen und Mitarbeitern – ist eine der entscheidenden Managementaufgaben. Es mangelt nicht an Einsatzmöglichkeiten. Das Gegenteil ist der Fall: Das Zuviel an Auswahl ist das Problem. Eine Kunst, sich hier nicht zu verzetteln. Dagegen hilft nur etwas ganz Altmodisches: miteinander reden. Der Datenanalyst und der Sachbearbeiter, der Machine-Learning-Experte und der Kampagnen-Manager, der Software Engineer und der Endkunde. Nur wenn KI-Know-how und Fachwissen von Anfang an zusammenkommen und zusammenarbeiten, entsteht etwas Sinnvolles. Das klingt einigermaßen trivial, ist aber in der Praxis häufig der Punkt, der über Erfolg und Misserfolg entscheidet.

Welche Vorgehensmodelle oder wel­che Projektwerkzeuge helfen den Ent­scheidern in Unternehmen bei diesen Kommunikationsthemen weiter?
„Building AI-based Systems“ ist unsere Antwort auf diese Besonderheiten des KI-Entwicklungsprozesses. Dahinter ver­birgt sich ein Vorgehensmodell mit Rollen, Phasen und Verantwortlichkeiten. Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Beteiligten frühzeitig wissen, ob KI-An­wendungen überhaupt geeignet sind. Er strukturiert den gesamten Prozess und unterstützt das Team dabei, KI-Sys­teme in den Kontext klassischer Informations- oder cyberphysikalischer Systeme einzubinden. Im Rahmen von Building AI-based Systems arbeiten wir mit speziellen Rollenprofilen: Domain Expert, Data Scientist, Software Engineer und Data Domain Expert. Jeder dieser Experten bringt unterschiedliches Know-how über Daten, Technologien, Prozesse, Domänen und das eigene Unternehmen ein. Durch die Kombination dieser Fertigkeiten entsteht ein Projektteam, das alle KI-Anforderungen abdeckt, nicht nur die technischen. Der zweite Ansatz, auf den wir bei KI-Themen setzen, ist der sogenannte „Interaction Room“ (IR). Der IR gibt Kommunikationsprozessen in Pro­jekten eine Struktur und einen Rahmen. Eigentlich ist er nicht speziell für KI-Projekte gedacht, passt aber genau zu den oben beschriebenen Anforderungen. Beim IR handelt es sich um einen echten, begehbaren Raum mit vier Wän­den. Sie dienen zur Visualisierung von Prozessen und zur Darstellung von Projektdetails. Im IR arbeitet ein interdisziplinäres Team aus Fach- und IT- bzw. KI-Experten unter der Anleitung eines Moderators zusammen. Gemeinsam ermitteln sie in Abstimmungsrun­den Lösungen für die zen­tralen Themen und Fragestellungen des Projektes.

„Building AI-based Systems ist unsere Antwort auf die Besonderheiten des KI-Entwicklungsprozesses.“

Prof. Volker Gruhn

Wie und wie schnell werden die neuen Technologien rund um KI, Blockchain und IoT Prozesse verändern?
Wo die Reise mit KI und anderen Technologien hingeht, kann heute niemand seriös beantworten. Wer hätte 2009 vorhersagen können, wie Smartphones und Apps unser Leben ver­ändern? Vielleicht setzen wir in fünf Jahren Blockchain-Anwendungen so selbstverständlich ein wie heute die EC-Karte an der Supermarktkasse. Oder die Technologie reiht sich ein in die Reihe der überzogenen Hypes. Die genauen Entwicklungspfade vorherzusagen, ist unmöglich. Aber Tendenzen zeichnen sich ab: Sprache wird in der Interaktion mit Systemen immer be­deutender. Mit der Konsequenz, dass Technologie für Anwender unsichtbar wird. Die Autonomie von Anwendungen nimmt zu. Häufiger treffen sie Ent­scheidungen, ohne einen Menschen mit ins Boot zu holen. Dies führt in vielen Bereichen, vom Einkauf über die Produktion bis hin zur Logistik, zu anderen, deutlich enger getakte­ten Prozessen. Aber auch zu anderen Konstellationen in der Zusammenarbeit zwischen Menschen und Systemen.

Weitere Informationen unter:
www.adesso.de

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