Neue Ideen für das Innovationsmanagement

Dave Hengartner, Co-Founder von rready, spricht mit unserer Redaktion über Innovationsprozesse, digitale Innovationskultur und seinen Lean-Startup-Ansatz.

Herr Hengartner, welche Aufgaben und Ziele hat heute das moderne Innovationsmanagement?

Innovationsmanagement ist eigentlich die falsche Terminologie. Im Gegensatz zu anderen Disziplinen in Unternehmen lässt sich ‚Innovation‘ nicht gleichermaßen managen. Schließlich ist es unmöglich den ROI einer ‚early stage Idee‘ zu berechnen oder ‚Kreativität‘ zu erzwingen. Deshalb sollte es beim ‚modernen Innovationsmanagement‘ darum gehen, kontrollierte Freiräume zu schaffen und datenbasierte Entscheidungsgrundlagen zu erarbeiten. Überzeugend ist die Kombination des klassischen top-down Innovationsansatzes mit einem bottom-up Programm: Der Ideenbriefkasten ist veraltet – es geht dabei nicht um die bloße Sammlung von Ideen, sondern um die weiterbildende Exekution. Die Mitarbeiter werden befähigt, innovativ zu sein, indem sichergestellt wird, dass ihre Beiträge wertgeschätzt und von ihnen selbst umgesetzt respektive auf ihr Potential validiert werden. Dies erhöht die Motivation, bildet die Mitarbeiter aus und ermutigt Mitarbeiter, Projekte zu starten, die ihre Fähigkeiten optimal nutzen.

Dave Hengartner

Wie in der Startup-Welt üblich, müssen viele Ideen getestet (und verworfen) werden. Durch ein hohes Maß an Automation kann dabei Skalierbarkeit erzielt werden; viele Mitarbeiter validieren ihre eigenen Ideen innerhalb des gegebenen Freiraums. So kann nicht nur eine kulturelle Transformation gefördert werden, sondern es wird sichergestellt, dass nicht rohe-, sondern validierte Ideen vom Management beurteilt werden.

Abschließend lässt sich also festhalten, dass modernes Innovationsmanagement einen motivierenden und skalierbaren Innovationsansatz wählen muss, um die Kosten (und somit den ROI) unter Kontrolle zu halten, Mitarbeiter zu motivieren und neue Cases zu schaffen.

Welche Wettbewerbsvorteile können durch den Einsatz einer digitalen Innovationsmanagement-Lösung generiert werden?

Ziele wie ‚Finanzieller Erfolg‘ oder ‚Kulturelle Transformation‘ bedingen ein Mengenspiel; es müssen viele Ideen getestet werden, um die vielversprechendsten Ideen (resp. Innovatoren) zu finden. Durch die Software kann die Effektivität eines Innovationsprogrammes massiv gesteigert werden. Innovation wird in der gesamten Unternehmung ortsunabhängig betrieben und damit sichtbar gemacht. Einzelne Projekte werden sichtbar gemacht, Innovatoren werden automatisiert unterstützt und interne Experten / Sponsoren können aktiv eingebunden werden. Großunternehmen haben extrem viel Wissen und Erfahrung, welches dadurch nutzbar wird. Ein weiterer Vorteil ist: in dem Bereich können Open Innovation – Projekte firmenübergreifend geteilt werden, um Kollaboration zu ermöglichen. Die Software erlaubt externen Dienstleistern den Zugang zu Software-Anwendungen, welche den Innovationsprozess effektiv unterstützen.

Für welche Unternehmen ist Ihre Lösung geeignet und wie skaliert diese?

Unsere Lösung eignet sich vor allem für größere Unternehmen. Die Möglichkeiten können vielfältig sein: Sei es die Herausforderung innerhalb der nächsten Jahre neue Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln oder die besten Talente zu finden und innerhalb der Organisation weiterzuentwickeln. Solche Unternehmen haben vielleicht schon andere Ansätze ausprobiert, wie Innovationsberater oder eine „Innovationswoche“. Sie entscheiden sich dann oft für die Kickbox-Methode und bleiben dabei. Das hat verschiedene Gründe. Unter anderem ist die Methode dezentralisiert und bezieht jeden einzelnen Mitarbeiter ein, was unglaublich motivierend für die Belegschaft ist und das Potential in den Mitarbeitern aktiviert, welches in jedem Unternehmen schlummert. Das System ist darüber hinaus ausfallsicher und ermöglicht eine gesunde Kultur des Scheiterns. Darüber hinaus ist es skalierbar: Die Methode funktioniert umso besser, je mehr Menschen sich beteiligen. Es gibt einen Multiplikator Effekt, und eine SaaS-Lösung, die die Prozesse automatisiert. Darüber hinaus kann die Kickbox-Methode relativ schnell umgesetzt werden. Sie kann innerhalb weniger Monate zu messbaren Ergebnissen führen, die sich tendenziell verbessern, je länger die Methode konsequent angewendet wird. Durch die Software kann ein Innovationsprogramm effizient innerhalb des Unternehmens skaliert werden.

Welche Beziehungen machen Sie im Kontext zu Ihrem Kickbox-Ansatz und der digitalen Unternehmenskultur aus?

Der Kickbox-Ansatz in Kombination mit der KICKBOX Software hat einen starken Einfluss auf die digitale Unternehmenskultur. Kickbox legt großen Wert auf schnelle, günstige und datengetriebene Validierung von Ideen am Markt mit potentiellen Kunden, um iterativ eine Lösung zu entwickeln. Dieses „Lean Startup“ Vorgehen wurde von Startups und digitalen Unternehmen entwickelt und kann durch KICKBOX in traditionelle Unternehmen gebracht werden. Zudem können alle Mitarbeiter an eigenen Ideen arbeiten und über die Software auf Experten innerhalb der Organisation zugreifen – unabhängig von der Hierarchie – auch dies hilft, eine digitale Unternehmenskultur zu entwickeln.

Was ist das besondere an Ihrer Lösung „KICKBOX“ und wie können Unternehmen diese nutzen?

Mit KICKBOX kann ein Intrapreneurship-Programm in kurzer Zeit gestartet werden, um Geschäftsideen von Mitarbeitern zu finden und zu fördern. Die Methode stammt von Adobe und wurde von dem Silicon Valley-Unternehmer Mark Randall, ehemalig Chief Strategist und VP of Creativity bei Adobe, entwickelt. Er ist bei rready aktiv als Mentor involviert. Mit KICKBOX bieten wir ein Innovationsprodukt an, das „out of the box“ funktioniert und als SaaS-Lösung erhältlich ist, um das Programm in der gesamten Organisation einzuführen. Da jedes Unternehmen einen anderen Innovationsreifegrad besitzt, bieten wir einen modularen Ansatz an, um immer die passenden Instrumente anbieten zu können. Dies umfasst physische Innovations-Toolboxen, Checklisten und Vorlagen zum Betreiben des Programms oder Merchandising, um das Programm innerhalb der Organisation bekannt zu machen. Zudem erhalten unsere Kunden Zugang zum rready Ökosystem mit zertifizierten Coaches und Experten wie Anwälten, Entwicklern oder Designern, welche die verschiedenen Projekte unterstützen. Diese Experten unterstützen mit Know-how zum Beispiel bei der Entwicklung eines Prototyps oder einer Marketingstrategie. Und unsere Community fördert die firmenübergreifende Kollaboration zwischen den Unternehmen. Dafür gibt es bereits erste Beispiele, wie etwa Siemens Energy, die über unsere Software mit Universitäten kollaborieren oder SBB und Schweiz Tourismus, die gemeinsam an nachhaltigen Themen arbeiten. Diese Kombination ist so am Markt einmalig.


„Wir bringen mit unserer Lösung eine ‚Lean-Startup-Methode‘ in die Unternehmen.“

Dave Hengartner

Was bedeutet für Sie „Digitalisierung und Automatisierung von Innovationsprozessen“?

Wir haben die KICKBOX Software ursprünglich für uns entwickelt, als wir das Kickbox Programm bei Swisscom, dem führenden Schweizer IT- und Telekommunikations-Unternehmen ,skaliert haben. Uns war wichtig, dass 10x mehr Kickbox Projekte nicht zu 10x mehr Ressourceneinsatz führt und haben uns auf die Automatisierung der wiederkehrenden Prozessschritte fokussiert: entsprechende Beispiele sind hier das automatisierte Email Coaching, die Verknüpfung von internen Experten mit Projekten oder der Zugang zu externen Dienstleistern. Als wir angefangen haben, die Software anderen Unternehmen anzubieten, haben wir festgestellt, dass wir alle dieselben Herausforderungen und Grundansätze in Bezug auf Innovation haben. Die von uns entwickelten Automatisierungen für Innovationsprozesse funktionieren auch in anderen Unternehmen. Bei der Weiterentwicklung der Software legen wir großen Wert auf die Automatisierung, um den nötigen Ressourcenaufwand für die Betreibung vom Innovationsprogramm minimal ist.

Welche und wie viele Unternehmen arbeiten bereits mit Ihrem Tool?

Wie zuvor erwähnt, haben wir KICKBOX als Team bei Swisscom entwickelt und festgestellt, dass die Software auch anderen Unternehmen einen Mehrwert liefern kann. Da KICKBOX nicht Kerngeschäft von Swisscom ist, haben wir uns als selbstständiges Startup am Markt etabliert. Mittlerweile wird unsere softwareunterstützte Lösung von über 20 Unternehmen eingesetzt, wie beispielsweise Siemens Energy, Roche, Post Luxembourg, Implenia, LGT, Baloise, SBB oder Schweiz Tourismus.

Wie unterstützt Ihre Lösung Unternehmen im Kontext der digitalen Transformation und im Hinblick auf die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle?

Die Digitalisierung betrifft jedes Unternehmen. Mit dem Kickbox-Ansatz können sich die Mitarbeiter in diesem Bereich selbstständig weiterbilden, indem „Lean Startup“-Methoden am eigenen Projekt angewandt werden. Die Mitarbeiter lernen in einer digitalen Welt zu arbeiten und mit neuen Methoden und Herangehensweisen umzugehen – eine zentrale Herausforderung in der digitalen Transformation. Durch diesen Ansatz können neue Geschäftsmodelle durch alle Mitarbeiter mitentwickelt und effizient am Markt validiert werden. Wir sind stolz auf mehrere neue Geschäftsmodelle blicken zu dürfen, die mithilfe des Kickbox Programmes entstanden sind: diese reichen von voll-automatisierten Kamerasystemen im Breitensport, über IoT-Sensoren im B2B-Kontext bis zu Blockchain-Applikationen.

Kann auch der „Open-Innovation-Ansatz“ mit Ihrer Lösung abgedeckt und umgesetzt werden?

Ich bin überzeugt, dass wir in Zukunft stärker firmenübergreifend arbeiten werden und dass die Grenzen zwischen den Organisationen verschwimmen werden. Unsere Produkte sind so aufgebaut, dass Projekte zwischen Unternehmen geteilt werden können, um Kollaboration zu ermöglichen. So können neue Ideen und Geschäftsmodelle von außerhalb der Organisation entstehen. So arbeiten beispielsweise SBB und Schweiz Tourismus gemeinsam an Ideen im Bereich Nachhaltigkeit. Siemens Energy geht hier einen Schritt weiter und sucht aktiv Ideen zu Problemstellungen an Universitäten über die KICKBOX Software. Unsere Software wird weiter in diese Richtung entwickelt, um „Open Innovation“ zu ermöglichen. Unsere Kunden sprechen alle dieselbe Innovationssprache, nutzen dieselbe Software und sind Teil einer vertrauten Community – diese drei Elemente sind eine gute Grundlage für Open Innovation.

Wie und mit welchen Partnern haben Sie Ihre Lösung entwickelt?

Wir leben was wir predigen. Wir haben das Kickbox Intrapreneurship-Programm bei Swisscom aus dem nichts heraus etabliert. Vorher gab es kein vergleichbares Angebot für die Mitarbeiter, um eigene Ideen zu validieren. Ziel war es, die Innovationskraft der Mitarbeiter zu fördern und Prozesse zu strukturieren. Dank unserer „KICKBOX“-Lösung wurden in den letzten Jahren über 700 Mitarbeiterideen bei Swisscom entwickelt, 80 pilotiert und über 20 auch umgesetzt. Darunter „Help2Type„, womit sich Tasten auf dem Touchscreen selbst von Blinden fühlen lassen, Asport zur automatisierten Videoproduktion für Amateursport oder der Swisscom Drone Spotter, zur Abwehr von Bedrohungen durch Drohnen während Events oder für kritische Infrastrukturen. Die Software wurde initial mit einem Software Partner in Holland entwickelt – mittlerweile haben wir ein internationales Entwicklerteam.

Welche Investoren konnten Sie für Ihre Idee begeistern und wie gestaltet sich Ihre Aktionärsstruktur?

Die Finanzierungsrunde wurde von dem kalifornisch-schweizerischen Venture-Capitalist FYRFLY Venture Partners geführt. Beteiligt waren die beiden institutionellen Investoren Equity Pitcher und Verve Ventures sowie die Unternehmer und Business Angels Felix R. Ehrat, Bernd Schopp, Jürg Stucker und Roland Schönholzer, die alle über eine langjährige Management-Erfahrung in Führungspositionen in diversen Branchen verfügen. Und natürlich war Swisscom daran beteiligt. Das Unternehmen bleibt über Swisscom Ventures als Minderheitsaktionär mit rready verbunden.

Wieviel und welches Know-How bringt Ihr Management-Team mit?

Das Gründerteam arbeitet seit vier Jahren gemeinsam an Kickbox – erst innerhalb der Swisscom, danach in der Kommerzialisierung des Programmes und jetzt als Gründerteam von rready. Alle bringen mehrjährige Startup Erfahrung mit – Dave hat bereits zweimal gegründet und viele Jahre in Startups gearbeitet – unter anderem bei DeinDeal, dem damals schnellst wachsenden Startup der Schweiz. Reto und Ralph haben zuvor gemeinsam gegründet, wo sich Ralph bereits stark mit der Etablierung einer Marke, Sales Prozessen und Business Model Innovation befasst hat. Reto hat sich zuvor selbst als Intrapreneur bei einer internationalen Firma bewiesen und ein Projekt von der Idee bis zur Umsetzung getrieben, bevor er sich im Rahmen seiner akademischen Ausbildung vertieft mit Innovationsmethoden befasst hat. Alle drei bringen einen Master der Universität St. Gallen (HSG) mit. Vinz wiederrum hat seinen Background im Bereich Product Design und zuvor eine eigene Design Agentur gegründet. Seinen akademischen Abschluss hat er an der Stanford Universität und an der Hochschule Luzern erlangt. Das Gründerteam wurde durch Hywel als VP of Finance ergänzt, welcher viel Erfahrung mit dem Aufbau von Finanzabteilungen bei B2B SaaS Startups mitbringt.

Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Unsere Vision ist es, mit rready eine Innovations-Plattform aufzubauen und zum Category Leader für Corporate Innovation zu werden. Wir glauben, dass rready in Zukunft als Enabler agieren wird, um stärker firmen- und industrieübergreifend zu arbeiten. Die Kunden nutzen dieselbe Software, sprechen dieselbe Innovations-Sprache und sind Teil einer Community. Das schafft gegenseitiges Vertrauen und ist Grundlage für ein globales Innovations-Ökosystem.

www.rready.com

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