Nachhaltig verpacken! – messbar und effizient

Gastbeitrag von Carolina E. Schweig

„Nachhaltig“ ist das aktuelle Trendwort. Egal, ob Lebensmittel, Kosmetik oder sogar Autos – überall erfahren wir, wie gut ein Produkt für Klima, Mensch und Umwelt sein soll. Klimawandel und die Verschmutzung der Weltmeere werden zu den treibenden Kräften in Wirtschaft und Handel. Allerdings mehren sich auch verärgerte Reaktionen von Konsumenten, Medienberichte zu Nachhaltigkeitsfakes und die allgemeine Verunsicherung, was denn nun wirklich nachhaltig ist.

Nachhaltige Verpackungen – zwischen Wunsch & Wirklichkeit

Das am 1.1.2019 in Kraft getretene Verpackungsgesetz fordert bei der Gestaltung von Verpackungen zur Vermeidung, Verminderung und Wiederverwendung von Packmitteln und Packstoffen auf. Zukünftig sollen die Entsorgungsunternehmen gut recycelbare Verpackungen bei den Entsorgungskosten begünstigen, so dass Unternehmen für „schlechte Verpackungen“ draufzahlen. Bisher greift diese „gut gemeinte Idee“ allerdings noch nicht so richtig, da es bei der finanziellen Umsetzung Klärungsbedarf gibt. Dennoch wird in Zukunft die richtig praktizierte Nachhaltigkeitsstrategie Einfluss auf die Unternehmensbewertung und -werte haben. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Nachhaltigkeit wird daher für die zukünftige Geschäftsfähigkeit von Unternehmen immer wichtiger.

Im Augenblick sind es vorwiegend die Verpackungen, über die der öffentlichkeitswirksame „Nachhaltigkeits-Trend“ ausgetragen wird. Und das leider nicht professionell. Ökologische Mythen vom „bösen Plastik“ sorgen für dafür, dass uns vermehrt Verpackungen aus Papier begegnen. Dass viele dieser Papiere ihren Ursprung in Südamerika haben, wird öffentlich nicht thematisiert. Und auch nicht inwieweit die vermeintlich nachhaltige Verpackungsalternative, die teils schwerer und größer ist und dabei weniger schützt, dann tatsächlich besser abschneidet hinsichtlich ihres Umweltimpakts (Materialeinsatz, Logistik, CO2-Emissionen, etc.). Wer Nachhaltigkeitsziele ernsthaft verfolgt, geht anders vor.

Der Startpunkt für alle Entscheidungen – die Nachhaltigkeitsstrategie

„Das Thema Nachhaltigkeit beginnt im Kopf“, wie gerne zitiert wird. Wir – ein Verpackungsingenieurbüro mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit – meinen das jedoch etwas anders: Nachhaltigkeit in unserer Definition ist kein Bauchgefühl, sie besteht aus klar definierten Zielen, die messbar, bewertbar und berechenbar sind. Ein wichtiger Aspekt in der meist sehr emotional geführten Diskussion von Nachhaltigkeit. Mit dem Kopf beginnt auch Nachhaltigkeit in jedem Unternehmen. Denn ohne Nachhaltigkeitsstrategie mit konkreten messbaren Zielen, die durch die Geschäftsführung getragen werden, geht es nicht. Mit den klar definierten, mit Messgrößen ausgestatteten Nachhaltigkeitszielen werden dann Bewertungstools für Verpackungen und Verpackungsleitlinien entwickelt. Übrigens können auch bei Verpackungen Nachhaltigkeitsziele aus der Kategorie Gesellschaft und Soziales stammen. Außerdem gelten die definierten Bewertungskriterien nicht nur für Packmittel und Packstoffe, sondern auch für die Logistik und Produktion.

Technische Unterstützung für die Bewertung von alternativen Verpackungsmaterialien

Wesentlich für die praktische Anwendung ist, dass die Bewertungen der Verpackungen einfach, am besten automatisiert ablaufen. Bei vielen großen Unternehmen mit IT-gestützten Innovations- und Entwicklungsprozessen wird die Übereinstimmung der Verpackungslösung mit den Nachhaltigkeitszielen in den einzelnen Gates gemessen und sorgt dort für Überarbeitung bzw. Verwerfen von Packmittel- und Packstoffkonzepten, sollten sie den vorgegebenen Standards nicht entsprechen. Das ist auch sinnvoll, da Nachhaltigkeit kein Selbstzweck ist. Zum einen ist die Definition der Nachhaltigkeit sehr individuell, also marken- und unternehmenszentriert, zum anderen macht es keinen Sinn Nachhaltigkeitsfeatures, die weder den Konsumenten einsichtig, noch in ihrer Wirksamkeit bewiesen sind, durch den gesamten Innovations- und Entwicklungsprozess zu schleusen. Denn zu Nachhaltigkeit gehört eben auch die wirtschaftliche Komponente. Die eigene wirtschaftliche Grundlage darf nicht durch fehlgeleitete Nachhaltigkeitsideen im Verpackungsbereich gefährdet werden.

Daten & Fakten für nachhaltig messbaren Erfolg

Die Verfolgung von messbaren, belegbaren Nachhaltigkeitszielen hat auch gegenüber der Öffentlichkeit und den NGOs eine wichtige Bedeutung. Sie bewahrt vor Greenwashing-Verpackungen und damit vor Imageverlust und sie gibt Daten und Fakten für eine sachliche Auseinandersetzung mit NGOs und interessierten Kunden an die Hand.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass gerade im heiß umkämpften Verpackungsmarkt, in dem das Thema Nachhaltigkeit besonders emotional diskutiert wird, eine klar definierte Nachhaltigkeitsstrategie mit daraus abgeleiteten Bewertungswerkzeugen für Verpackungen samt Inhaltsstoffen und Herstellungsprozess der einzige Weg ist, mittelfristig sauber und effizient Firmenwerte und Image zu erhalten.

Über Carolina Schweig

Carolina Schweig ist Dipl.-Ing. Verfahrenstechnik Papier- und Kunststoffverarbeitung mit mehr als 25 Jahren Erfahrung in der Verpackungsbranche. Ihre 1997 gegründete Verpackungsberatung C.E.Schweig arbeitet nach dem Prinzip: „Wir machen Nachhaltigkeit messbar und effizient“. In ihrer täglichen Arbeit, vor allem für Unternehmen der FMCG-Branche und der Medizintechnik, unterstützt und begleitet sie ihre Kunden bei der Entwicklung und Einführung neuer, nachhaltiger Verpackungslösungen. Durch ihre beruflichen Stationen, unter anderem bei Beiersdorf, Colgate Palmolive und Unilever in Europa und Übersee, kennt und schätzt Carolina Schweig den Facettenreichtum der Verpackungstechnik – zwischen Technik, Wirtschaft und Vermarktung.

Weiterführende Informationen finden Sie unter:
https://www.verpackungsberatung-ces.de/

Aufmacherbild / Quelle / Lizenz
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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