Keine Modernisierung ohne Containerisierung

Von Daniel Braunsdorf

Die Containerisierung von Anwendungen ebnet Unternehmen den Weg in die Cloud. Gerade in Deutschland schalten einige an diesem Punkt wahrscheinlich schon ab, weil sie bei Cloud reflexhaft an Public Cloud und Hyperscaler denken. Doch auch für sie bieten Container handfeste Vorteile, weil sie beispielsweise neue Anwendungen schneller bereitstellen und bestehende Anwendungen leichter pflegen können. Ob diese nun in der Public Cloud, einer privaten Cloud innerhalb der eigenen Infrastruktur oder einer hybriden Umgebung laufen, ist dabei unerheblich.

Steht also die Modernisierung von Anwendungen an, sollten Unternehmen die Gelegenheit nutzen, diese mithilfe von Containern Cloud-ready zu machen. In der Regel bedeutet das, die Anwendung in Microservices aufzusplitten und diese in Container zu verpacken – im Prinzip lassen sich aber auch Anwendungen via Lift & Shift nahezu unverändert in Container übernehmen.

Dieses Vorgehen eignet sich für Anwendungen, deren Migration nicht lohnt oder die für die Cloud fit gemacht und später richtig modernisiert werden sollen. Auf diese Weise können Unternehmen ihre Infrastrukturen schneller vereinheitlichen und die Infrastrukturverwaltung sowie den Anwendungsbetrieb zeitnah vereinfachen.

Um die Containerisierung im Unternehmen einzuleiten und voranzutreiben, ist die Aufteilung von Anwendungen in Microservice-Module allerdings besser geeignet als Lift & Shift. Denn nur bei einer echten Migration zu Cloud-nativen Apps lassen sich die Vorteile von Containern vollumfänglich nutzen. Der modulare Anwendungsaufbau erleichtert es Entwicklern nämlich, Anpassungen vorzunehmen, Fehler zu beheben und neue Features nachzurüsten. Gleichzeitig können sie viele Prozesse der Qualitätssicherung und der Anwendungsbereitstellung automatisieren, sehr flexibel auf sich verändernde Performance-Anforderungen reagieren und Ausfälle besser abfangen.

Weniger Konflikte zwischen IT- und Fachabteilungen

Container tragen zu einer effizienteren Anwendungsentwicklung und einer agileren IT bei – letztlich helfen sie sogar, IT-Teams und Fachabteilungen näher zusammenzubringen, denen oft das Verständnis füreinander fehlt. Während Fachabteilungen regelmäßig nach neuen Funktionen und Anwendungen verlangen, die ihr Business voranbringen, hat für IT-Abteilungen zumeist die Pflege und Verbesserung der Infrastruktur höchste Priorität. Mit den Projekten zur Anwendungsmodernisierung verknüpfen Unternehmen diese beiden Interessen geschickt: Die Modernisierung einzelner Anwendungen mithilfe von Containern führt zu einer schrittweisen Aktualisierung der Infrastruktur, ohne ein riesiges Modernisierungsprojekt anzustoßen, dass enorme Kosten verursacht und die IT-Teams lange blockiert. Über die Zeit entsteht so eine Cloud-native, Container-basierte Anwendungslandschaft, in der Wünsche von Fachabteilungen schneller als bisher umgesetzt werden können. Zudem verteilen sich die Kosten der Modernisierung gut auf viele Einzelprojekte.

Die große Kunst besteht darin, die richtigen Anwendungen für die ersten Modernisierungsprojekte auszuwählen. Nicht zu einfach, damit der Lerneffekt nicht ausbleibt, aber auch nicht zu komplex, damit man sich nicht verhebt, lautet die Devise. Natürlich fängt man nicht mit der wichtigsten Unternehmensanwendung an, aber es sollte schon eine sein, die eine gewisse Bedeutung hat, um den Mehrwert der Container-Technologien einer relevanten Nutzerschaft aufzuzeigen. Denn die Anwender in den Fachabteilungen dienen dann auch als Multiplikator, die Begeisterung für die neuen Technologien im Unternehmen wecken und andere Mitarbeiter motivieren.

Veränderungsprozesse brauchen Zeit

Überhaupt sind Mitarbeiter und die Firmenkultur der Schlüssel für eine erfolgreiche Modernisierung der Anwendungslandschaft mit Container. Die wenigsten Projekte scheitern an der Technologie – die bekommen Unternehmen dank Container-Plattformen wie Red Hat OpenShift, die eine einfache Orchestrierung verschiedenster Arten von Containern erlauben, meist gut in den Griff. Eher ist die Kultur der Stolperstein, denn die neuen Technologien sind prädestiniert für eine agile Zusammenarbeit von Entwicklern, UX-Designern, Sicherheitsspezialisten, Experten für Qualitätsmanagement, IT-Betriebsteams und Anwendern aus den Fachbereichen.

Diese Zusammenarbeit entsteht nicht über Nacht und verursacht in der Anfangszeit oft Reibungspunkte, beispielsweise bei neuen Abstimmungsprozessen oder im Umgang mit Fehlern. In kleineren Projekten lässt sich der Wandel in der Firmenkultur erfahrungsgemäß behutsamer und besser einleiten als in großen, kritischen Projekten.

Meist ist aber ein Blick von außen hilfreich, weil langjährige Mitarbeiter ein wenig betriebsblind sind und von außen vorgebrachte Veränderungsvorschläge häufig offener aufgenommen werden. Ein externer Partner, der die ersten Projekte begleitet, kann daher extrem wertvoll sein, indem er nicht nur Technologie- und Lösungskenntnisse und umfangreiche Praxiserfahrung einbringt, sondern als Coach für Veränderungsprozesse den Kulturwandel begleitet.

Über den Autor:

Daniel Braunsdorf, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von Viada

https://www.viada.de

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