ESG-Strategien für ein nachhaltiges Asset Management

Maren Schmitz, Partnerin und Leiterin des Asset Management Beratungsgeschäfts von KPMG in Deutschland im Interview mit der Redaktion

Frau Schmitz,in welchem Verhältnis steht der „Aktionsplan Finanzierung nachhaltiges Wachstum“ der EU im Kontext der Gesamtstrategie Klimaneutralität 2050?

Maren Schmitz, Partnerin und Leiterin des Asset Management Beratungsgeschäfts von KPMG

Mit dem Aktionsplan macht die EU aus meiner Sicht einen großen Schritt in Richtung langfristiger Klimaneutralität, indem sie den Kapitalbedarf nachhaltiger Unternehmen und Start-ups durch die gezielte Lenkung von Finanzströmen decken will. Mithilfe des Aktionsplans soll die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien langfristig als fester Bestandteil des Risikomanagements etabliert werden – sowohl in der Risikobetrachtung als auch in der Bewertung von Investitionen, und das bei gleichzeitiger Erhöhung der Transparenz von nachhaltigen Assets für Investoren und den Kapitalmarkt. Damit zahlt der Aktionsplan über mannigfache Regulierungen auf die Gesamtstrategie zur Klimaneutralität ein und setzt sich zugleich zur Aufgabe, auch weitere Themen wie die Sustainable Development Goals zu adressieren.  

Wie helfen Sie Asset Managern den Weg hin zu einer nachhaltigen Finanzwirtschaft zu meistern?

Wir unterstützen unsere Kunden auf ihrem Weg mit einem ganzheitlichen Ansatz. Dabei steht zu Beginn immer eine individuelle Betroffenheitsanalyse der vielfätligen Regularien sowie derer Interdependenzen entlang aller relevanten Dimensionen – von Produkten über Daten, Systeme und Prozesse bis hin zu Kompetenzen. Im nächsten Schritt gehen wir gemeinsam in die Auf- und Umsetzung übergreifender ESG-Projekte, erarbeiten gemeinsam eine ESG-Strategie, analysieren die vorhandenen Daten, optimieren Prozesse und unterstützen die Umsetzung der regulatorischen Compliance-Anforderungen. Wir unterstützen Asset Manager auf diese Weise nicht nur dabei, ihre Produkte und Assetklassen nachhaltig auszurichten, sondern auch einen auf die ESG-Kriterien hin ausgerichteten Risikomanagement-Ansatz und einen effizienten ESG-Datenhaushalt aufzusetzen.

Welche Rolle spielen Start-ups und nachhaltige Technologien, um die Nachhaltigkeitsziele der EU zu erreichen?

Start-ups bzw. Technologieunternehmen werden eine wesentliche Rolle in der Erfindung und Entwicklung neuer Technologien und Bewirtschaftsungsformen spielen. Insbesondere sogenannte „Green Deep Tech“-Firmen können einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, die gemeinsamen Klimaziele zu erreichen. Denn sie bringen zum Beispiel mit innovativen Fortschritten in den Bereichen Kohlenstoffbindung, alternative Fleisch- und Agrarwirtschaft oder mit „Clean“-Technologien im Bereich der KI-gestützten Strom- und Kühlungstechniken den technologischen Wandel bedeutend voran. Dabei sind die meist jungen Unternehmen auf größere und vor allem langfristige Finanzierungen angewiesen, die aktuell noch nicht ausreichend durch die gängigen Finanzierungsformen wie Venture Capital oder Private Equity gedeckt werden können. Hier muss eine gemeinschaftliche Lösung gefunden werden: Ein gemeinsames Finanzierungsmodell aus öffentlichem, privatem und Finanzsektor, zum Beispiel in Form von „Blended Funds“, um Unternehmen stärker zu fördern, die mit ihren innovativen Produkten einen essenziellen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft leisten werden. 

Welche Alleinstellungsmerkmale sollten sich Asset Manager im Kontext der ESG-Investmentstrategien aneignen? Entstehen und, wenn ja, wo entstehen neue Risikopotenziale?

Asset Manager werden sich zukünftig vor allem durch ihre nachhaltigen Produkte und die Performance ihrer Investments voneinander abheben. Innovative Produkte, die einen Impact kreieren und auf langfristige Ziele einzahlen, dürften hier eine besondere Rolle spielen. Doch dabei dürfen Asset Manager die stetig steigenden Anforderungen an die Transparenz ihrer Investments keinesfalls vernachlässigen. Denn nur, wer das Thema Nachhaltigkeit durchgängig und glaubwürdig besetzen kann, hat auch etwaigen Greenwashing-Vorwürfen etwas entgegenzusetzen. Eine positive Reputation wird bei den verschiedenen ESG-Investmentstrategien das höchste Gut. Darüber hinaus werden aus meiner Sicht inbesondere Rohdaten zu einem immer entscheidenderen Wettbewerbsfaktor. Wer es mittels eigener Analysen schafft, die ihm vorliegenden Daten für sich zu nutzen und Entscheidungen auf Basis einer fundierten Logik zu treffen, kann sich von der breiten Masse, die sich auf einheitliche Datensätze konzentriert, abheben.

Wie kann Ihrer Meinung nach eine nachhaltige Entwicklung von Fonds transparent dargestellt werden?

Für eine bestmögliche Transparenz bei der Entwicklung von Fonds braucht es meines Erachtens drei wesentliche Elemente:

  1. Ein detailliertes Reporting, das klar darstellt, welche Investments welche Risiken in Bezug auf Nachhaltigkeit beinhalten, aber auch, welche positven Effekte hieraus entstehen können.
  2. Einen sehr klaren und nachvollziehbaren Investmentansatz, der dem Portfoliomanager Raum für Entscheidungen lässt, aber gleichzeitig transparent zeigt, warum bestimmte Investments nicht getätigt werden.
  3. Transparenz darüber, welche Firmen und Industriezweige nicht gekauft werden, oder, falls doch, welche Ziele hiermit verfolgt werden und auf welche Weise etwaige Risiken mitigiert werden können.

Inwieweit können Automatisierung und KI in Zukunft Asset Managern helfen, um Offenlegungsverordnungen und weitere Regularien effizient zu managen?

Auf Dauer wird die Nutzung von Daten und Informationen für Asset Manager immer wichtiger, insbesondere, um den Anforderungen an verlässliche Reportings zu entsprechen. Durch eine bestmögliche Automatisierung und den Einsatz von KI können Daten nicht nur effizient beschafft und analysiert, sondern auch eine bestmögliche Qualität und Vollständigkeit der notwendigen Informationen erzielt werden. Allein die enorme Anzahl an Datensätzen wird dazu führen, dass diese hoch automatisiert und effizient bearbeitet werden müssen, um in einer qualitätsgeischerten „Golden Source“ vorzuliegen. Nur auf diese Weise können die Daten über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg einheitlich genutzt und Entscheidungen auf derselben Grundlage getroffen werden – vom Portfoliomanagement über den Risikomanager bis zur Reporting-Einheit.

Gastbeitrag von Maren Schmitz

In Ihrem Gastbeitrag erfahren Sie, warum Offenlegungs- und Taxonomie-Verordnung nur ein erster Schritt zu einer nachhaltigen Transformation auf ökologischer und sozialer Ebene sind. Lesen Sie: https://www.trendreport.de/transparenz-taxonomie-und-pragmatismus

http://kpmg.de/sustainablefinance

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