Erfolgsfaktoren im Balzverhalten um die premium Kandidaten

Dies ist ein Gastbeitrag von Sabine Hentschel, HR Excellence

Keine neue Erkenntnis, dass sich Unternehmen heute richtig ins Zeug legen müssen, um die premium Kandidaten abzufischen und ihnen auch langfristig gerecht zu werden. Recruiting und Employer Branding ist kein Job mehr für nebenbei. Der Blick links und rechts auf das Geschehen beim Mitbewerber ist durchaus sinnvoll. Aber wer immer nur in andere Fußstapfen tritt, wird nie überholen können. Heute ist Kreativität und aufwändiges Balzverhalten im Kampf um die Talente gefragt.

Die Gesellschaftliche Struktur hat sich verändert und damit auch die Herausforderung der Arbeitgeber. Die Modellvariante „Aschenputtel“ stirbt aus. Die powervolle Karrierefrau ist kein bedauernswerter Prototyp mehr. Lieschen Müller und die gesamte Generation Y und Z sind anspruchsvoller als ihre Vorgänger. Nicht nur Gehalt und Karrierechancen zählen. Die Young Generation will vom Unternehmen überzeugt und begeistert werden. Hier punkten Argumente wie Nachhaltigkeit, Soziales Engagement, Work Life Balance oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf der Unternehmen.

Auf das Credo des Unternehmens kommt es an

Im Grunde ist es ein wenig wie bei der Partnersuche. Sind Stellenportale nicht auch eine Art Dating- und Flirtbörsen für Unternehmen und Bewerber? Im beruflichen Bereich ist das Balzverhalten ein ebenso schwieriges Terrain wie privat. Nur eines ist sicher: Je ausgefeilter die Pirschmethoden, desto höher die Erfolgswahrscheinlichkeit. Aber am Ende muss der Wurm immer dem Fisch schmecken.

Es ist dieses besondere Credo, diese unsichtbare Macht, die Aura, die dem Unternehmen seine besondere Gestalt, seine soziale Identität verleiht. Wir müssen Begeisterung bei Bewerbern und Mitarbeitern entfachen. Dann, nur dann, wirken Unternehmen wie starke Magneten und ziehen Talente an.

Mitarbeiterbindung durch Führungskultur

Kompetente Mitarbeiter wollen in einem modernen, gut geführten Unternehmen beschäftigt sein. Sie sind nicht nur anspruchsvoll gegenüber der Reputation ihres Unternehmens, sondern auch bezüglich der Führung. Führung ist zum Markenzeichen geworden. Aus Sicht der modernen Führungskraft wird der Mitarbeiter zunehmend zum Partner und ist aktiver in die Unternehmensentwicklung und kreative Gestaltung eingebunden. Der Mitarbeiter wird zum Mitunternehmer. Er bekommt mehr Freiraum und mehr Verantwortung, kann selbständiger arbeiten. Die digital aufgewachsene Generation Y und Z sucht Freiraum in Form von flexiblen Arbeitszeitmodellen, mobilem Arbeiten und neuen, agilen Arbeitsformen wie Scrum & Co oder Design Thinking. Auch die Wirkung der Kommunikation als fortschrittliches, wirkungsvolles Mitarbeiterbindungselement wird leider noch immer unterschätzt. Transparenz und regelmäßige Infoveranstaltungen der Geschäftsführung sind angesagt, z.B. in Form von monatlichen „All Hands“ Meetings für alle Mitarbeiter im Unternehmen, die per Livestream an alle Standorte global übertragen werden.

Das „Du“ als Ausdruck der Kultur

Es geht schon lange nicht mehr nur um die Attraktivität der Gehaltsstruktur. Mitarbeiter-Benefits wie Firmenwagen, betriebliche Altersvorsorge, Fitnessangebote und die kostenfreien Getränke im Büro sind längst zum Standard geworden. Der Trend geht in Richtung immaterielle Werte. Unternehmen werden mehr und mehr zur Familie. Der kultural Fit und gemeinsame Freizeitgestaltung stehen zunehmend im Vordergrund. Das „Du“ ist zum Ausdruck der Kultur und Symbol für Transformation geworden. Es steht für eine angenehmere Arbeitsatmosphäre, einen krawattenfreien Dresscode, eine einfache, direkte Kommunikation und es schafft eine gewisse Vertrautheit.

Feelgood-Managerin – Die Geheimwaffe der Startups

Zwischenzeitlich gibt es eine eigene Ausbildung zum Feelgood-Manager oder Chief Happiness Officer, wie er / sie auch genannt wird. Auf den Punkt gebracht, ist es ihr Job, den Arbeitsalltag der Kollegen so angenehm als möglich zu machen. Aber was sind die typischen Aufgaben dieser Spaßmanagerin? Wir sprechen vom morgendlichen Smoothie oder dem liebevoll gekochten Lunch für das gesamte Team, dem Afterwork Event wie Picknick am See, Grillfeste, Mitarbeiter Partys oder Weinverköstigungen, aber auch von Behördengängen für einzelne Kollegen bis hin zur Auswahl und Besorgung von neuen Outfits für die Shoppingmuffel unter den Kollegen. Die Feelgood-Managerin gilt derzeit als die Geheimwaffe für kleine Unternehmen und Startups, die im Haifischbecken des Arbeitsmarktes wenig Chancen haben. Emotionale Bindung entsteht durch gemeinsame Erlebnisse und Erfolge. Es geht darum, immaterielle Bindungselemente zu schaffen. – „Able to go, but happy to stay“

Dem Unternehmen eine eigene Duftmarke verpassen

Im Vertrieb gehört das längst zum Standard. Hier beauftragt wir Marketingagenturen, inszenieren beeindruckende Messeauftritte und kreieren aufwändige Kampagnen, um das Produkt bestmöglich auf dem Markt zu positionieren. Warum tun wir nicht auch mehr für das kulturelle Branding des Unternehmens? Auch Bewerber und Mitarbeiter brauchen eine Duft Spur, um sich zu orientieren und für sich herauszufinden, welcher Arbeitgeber der Richtige für sie ist. Viele Unternehmen sind in ihrer Kultur so austauschbar. Zu viel Perfektionismus führt häufig auch zur Einfalt. Eine eigene Identität zu entwickeln, bedeutet neue Wege zu gehen. Das ist nun mal kein Billy-Regal mit Aufbauanleitung. Kunstwerke werden aufgrund ihrer Einzigartigkeit begehrt.

Laut dem Engagement Index des Beratungsunternehmens Gallup sind nur 16 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland mit Herzblut bei der Arbeit. 68 Prozent schieben dagegen Dienst nach Vorschrift und die restlichen 16 Prozent haben innerlich sogar schon gekündigt. Eine hohe emotionale Bindung führt zu hoher Leistungsbereitschaft. Arbeitnehmer mit einer hohen Bindung weisen weniger Fehlzeit auf als Beschäftigte ohne emotionale Bindung und bleiben dem Unternehmen länger treu. Zudem werden sie als Markenbotschafter die Dienstleistungen und Produkte des Arbeitgebers eher weiterempfehlen. Viele Unternehmen betreiben einen unglaublichen Aufwand, um die heiß begehrten Talente an Board zu holen, lassen Sie dann aber im Unternehmen verkümmern. Talentmanagement heißt Talente zu rekrutieren, sie zu entwickeln und vorallem im Unternehmen zu halten. Der Brand muss nach innen halten, was er nach außen verspricht!

Wo geht die Reise hin?

Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie sind bereits viele Unternehmen akut von dem Mangel an Fachkräften betroffen: Mehr als 50 Prozent der Unternehmen sehen darin die größte Gefahr für ihre Geschäftsentwicklung. Der Fachkräftemangel als Entwicklungshemmnis ist aus Sicht der Unternehmen merklich angestiegen – 2010 waren es noch 16 Prozent, die den Fachkräftemangel als Geschäftsrisiko einstuften. Heute stellt dieser Mangel das größte Hemmnis dar. Zwar gibt es keinen flächendeckenden Fachkräftemangel über alle Berufe und Regionen hinweg, jedoch haben sich die Fachkräfteengpässe in einigen Berufen verfestigt und betreffen inzwischen das ganze Bundesgebiet. Laut aktuellen Vorausberechnungen wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, also Personen zwischen 20 und unter 65 Jahren, bereits im Jahr 2030 um 3,9 Millionen auf einen Bestand von 45,9 Millionen Menschen sinken. Im Jahr 2060 sind dann schon 10,2 Millionen weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter. – Der War for Talents geht also in die nächste Runde.

Über die Autorin

Sabine Hentschel ist seit 2001 selbständig als HR Consultant mit Sitz in München, jedoch weltweit für global Player tätig. Ihr Schwerpunt liegt im Talentmanagement, mit einem starken Fokus auf Performance Verbesserung von Inhouse Recruiting, Employer Branding und der Steuerung von Veränderungsprojekten. Als Beraterin und Interim Managerin realisiert sie mit leistungsfähigen Strategien und „Let’s-do-it“ Attitude in kürzester Zeit einen echten Mehrwert für Ihre Auftraggeber.

Weitere Informationen unter:
www.sabine-hentschel.de

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