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Ausnahmejahre 2020/21 im Online-Handel

Warum wir die Jahre 2020 und 2021 im Online Handel vergessen sollten!

Autor und Experte Jochen Krisch, Exciting Commerce

Der Online-Handel hat zwei Ausnahmejahre hinter sich. Doch so aufregend und so prägend sie auch waren, so wenig erkenntnisreich sind sie als Basis für das, was jetzt ansteht. Deshalb vergessen wir die Jahre 2020 und 2021 am besten und orientieren uns am Jahr 2019. Damit lässt sich sehr schnell herausfinden, wer heute wo steht und was jetzt zu tun ist.

Jochen Krisch

War 2020 für viele Onliner ein enormer Kraftakt, um dem Nachfrageschub und den Lieferengpässen gerecht zu werden, so wirkte 2021 im Vergleich dazu fast wie ein Selbstläufer. Dann kam 2022, und alles fühlt sich mühsam und zäh an. Da die gewohnten Umsatzsprünge und die entsprechenden Umsatzrekorde ausbleiben, fragen sich gerade viele: Wo stehen wir eigentlich gerade als Online-Händler? Sind wir gut oder schlecht unterwegs? Holen wir das Maximale heraus? Oder gäbe der Markt mehr her?

Ein komplett anderes Niveau als 2019

Das beste Referenzjahr, um das herauszufinden, ist das Jahr 2019, das letzte reguläre Jahr im E-Commerce. Im Vergleich mit den 2019er-Zahlen lässt sich wunderbar einschätzen, wer die Corona-Zeit wie gut genutzt hat. Denn auch wenn 2022 bisher eher ernüchternd wirkt, so befindet sich der Online-Handel 2022 auf einem komplett anderen Niveau als noch 2019: Amazon kann 2022 mit 60-70% mehr Umsatz rechnen als noch 2019 und ein Hellofresh sogar mit dem Vierfachen!

Doch wie lassen sich diese Zahlen einordnen? Wie immer hängt vieles von der Produktkategorie, von der Unternehmensgröße, der Wachstumsphase und weiteren Faktoren ab. Doch generell lässt sich festhalten: Wer 2022 – ganz unabhängig von den Entwicklungen der letzten beiden Jahre – 75% bis 100% mehr Umsatz macht als noch 2019, liegt mit einer Wachstumsrate von 20 bis 25% pro Jahr im grünen Bereich. Wer sich seitdem mehr als verdoppelt hat, hat einen super Job gemacht und den Corona-Effekt richtig gut genutzt. Nur wer seit 2019 im Online-Handel weniger als 50% gewachsen ist, sollte sich ernsthafte Gedanken machen, was schiefgelaufen ist.

Wer zählt zu den Gewinnern?

Im Grunde gibt es drei Gruppen von Online-Händlern, die die Corona-Zeit mehr oder minder gut gemeistert haben:

  • Die einen haben die Gunst der Stunde genutzt, trotz Corona richtig Gas gegeben und ihre Teams zu Höchstleistungen angespornt. Das sind die, die den Handel von morgen gestalten werden.
  • Für die zweite Gruppe war die Zeit nicht minder (nerven)aufreibend. Doch waren sie operativ so gefordert, dass sie schon froh waren, die zusätzlichen Aufträge so einigermaßen abwickeln zu können. Auch das eine Riesenleistung.
  • Die dritte Gruppe hingegen dachte, der Rückenwind durch Corona wäre ihr eigenes Verdienst, wähnte sich auf einem guten Weg und sieht sich nun im Hintertreff. Diese müssen sich jetzt reinhängen, um den Anschluss nicht zu verpassen.

Nicht vergessen sollten wir außerdem diejenigen, denen Corona das Genick gebrochen hat. Darunter fallen Navabi und andere, die Corona am falschen Fuß getroffen hat.


Die Frage, die sich der Online-Handel also gerade stellen sollte ist: Was lernen wir aus dem Umsatzsprung seit 2019 und was bedeutet das für die Strategie und das weitere Wachstum für 2025 und darüber hinaus?


Was den Online-Handel jetzt stark macht

Da 2022 nicht so läuft wie zunächst erwartet, sind gerade viele am Nachjustieren. Doch trotz so mancher Fehleinschätzungen, was das weitere Wachstum angeht, und trotz so mancher Überkapazitäten, die gerade auf die Kosten drücken, sollte sich der Online-Handel seiner Stärken bewusst sein.

Denn die Jahre 2020 und 2021 haben nicht nur gezeigt, wie gut der Online-Handel auf externe Schocks reagieren kann, wie besonders die oft so belächelten Plattformen Produktengpässe und Nachfrageschwankungen ausgleichen konnten.

Zugleich hat sich der Online-Handel weiter professionalisiert und ist jetzt vor allem operativ nochmal weitaus besser aufgestellt als zuvor. Außerdem weiß er, was es braucht, um künftig flexibler auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu können.

Die Frage, die sich der Online-Handel also gerade stellen sollte, ist nicht, wo stehen wir im Vergleich zu den Ausnahmejahren 2020 und 2021 (sprich: warum sind wir so schwach?), sondern im Gegenteil: Was lernen wir aus dem Umsatzsprung seit 2019 und was bedeutet das für die Strategie und das weitere Wachstum für 2025 und darüber hinaus?

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Autor und Experte Jochen Krisch, Exciting Commerce
Dieser Beitrag erschien zuerst unter:
https://excitingcommerce.de/2022/05/19/warum-wir-die-jahre-2020-und-2021-besser-vergessen-sollten/

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