Zukunft der Ernährung: Pilze können mehr

Über die spannende Zukunft der Ernährung – insbesondere vor dem Hintergrund von mehr Nachhaltigkeit – sprachen wir mit der Vice President of Product von Mushlabs, Cathy Hutz.

Frau Hutz, was ist die Vision hinter Mushlabs?
Unsere Vision ist es, dass jeder Mensch, unabhängig von geographischen, politischen oder sozio-ökonomischen Umständen Zugang zu gesunden, vollwertigen und nachhaltigen Lebensmitteln hat. Wir wollen dies durch die Fermentation von Speisepilzen erreichen. Dafür kultivieren wir das Myzel, das unterirdisch wachsende Wurzelgeflecht der Pilze, in einer Nährlösung in Fermentern. Sobald das Myzel nach wenigen Tagen zur Ernte bereit ist, verwenden wir es anschließend als Hauptzutat in unseren Lebensmitteln, derzeit handelt es sich dabei vor allem um Fleischalternativprodukte. Dieser Ansatz bringt viele Vorteile mit sich: Ein Fermenter arbeitet unabhängig von den herrschenden Umwelteinflüssen und kann daher überall aufgestellt werden. Unser Pilzmyzel können wir mit lokalen Nebenerzeugnissen aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie füttern. All das ermöglicht den Aufbau einer dezentralen und lokal ausgerichteten Produktion. Dadurch wollen wir unsere Produkte nicht nur nachhaltiger produzieren, indem wir bspw. Transportstrecken so gering wie möglich halten, sondern auch zu möglichst erschwinglichen Preisen anbieten. Zudem können wir so robuste Produktionsprozesse schaffen und die lokale Versorgungssicherheit verbessern.

Cathy Hutz, Co-founder von Mushlabs sieht die Fermentation von Myzel für Fleisch und Fleischersatz für den industriellen Maßstab geeignet.

Insbesondere Fleisch und Fleischersatz hat einen hohen CO2-Fußabdruck. Wie gestaltet sich das bei Ihrer Methode und in welchen Mengen kann skaliert werden?
Fermentation, insbesondere mit Verwendung von Nebenerzeugnissen aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie, ist weltweit eines der nachhaltigsten und effizientesten Verfahren zur Lebensmittelherstellung. Wir können alle Ressourcen mit maximaler Effizienz nutzen und so Zeit, Energie, Wasser und CO2 sparen. Für uns ist es aber auch wichtig, Nachhaltigkeit über CO2 hinaus zu betrachten. Wir brauchen in unserem Produktionsprozess wenig Flächennutzung und setzen keinerlei Pestizide oder Düngemittel ein. Damit geben wir vor allem Raum für mehr Artenvielfalt, welche für das Gleichgewicht unseres Planetens essentiell ist und in eine problematische Schieflage geraten ist.
Konkrete Zahlen zu unserem CO2 Fußabdruck können wir geben, sobald sich das Produkt auf dem Markt befindet und der gesamte Prozess auf industriellem Level etabliert ist. Unseren Produktionsprozess haben wir bereits auf industriellem Maßstab in diversen Testläufen bewiesen, die Umsetzbarkeit ist demnach sicher.

Die weltweite Ernährung insbesondere in Entwicklungs- und Schwellenländern wird zunehmend zur Herausforderung. Welchen Beitrag könnten Sie dazu in Zukunft leisten?
Wie bereits beschrieben kann unsere Produktionstechnologie unabhängig von Umwelteinflüssen überall auf der Welt eingesetzt werden. Zudem können lokale Nebenerzeugnisse aufgewertet und für die Kultivierung von Myzel in Fermentern vor Ort genutzt werden. All das kann unser derzeitiges Lebensmittelsystem positiv beeinflussen und es fairer, effizienter, nachhaltiger und sicherer machen.

Wie sehr waren diese Faktoren aus Ihrer Sicht entscheidend für den Einstieg des EIC-Accelerator?
Entscheidende Kriterien für die Auswahl für die EIC Förderung sind die Bereitstellung einer innovativen und strategisch relevanten Technologie für Europa, ein hervorragendes Scale-up-Potential, eine gut durchdachte Kommerzialisierung-Strategie und ein Beitrag für die Erreichung der Sustainable Development Goals. Wirtschaftlichkeit, Innovativität und Nachhaltigkeit müssen Hand in Hand gehen.

Bitte geben Sie uns einen kurzen Ausblick, wie sich Ihr Unternehmen weiterentwickeln könnte, gerade in dieser herausfordernden Zeit.
Aktuell befinden wir uns in der Kommerzialisierungsphase. Wir sind dabei, das Upscaling unserer Produktionsprozesse auf ein industrielles Level abzuschließen, Partnerschaften mit großen Unternehmen in Europa, den USA und Asien zu vereinbaren und die Markteinführung unseres ersten Produkts vorzubereiten. Die Herausforderungen an die Agrar- und Lebensmittelindustrie waren selten höher: steigende Energiekosten, Verknappung von Ressourcen, klimatische Veränderungen. Wir können dabei helfen, auf all das eine Antwort zu finden. Daher halten wir unsere Arbeit für wichtiger denn je.
Zudem wollen wir unser Team weiterhin so stark wachsen lassen wie bisher. Für nahezu jeden Bereich in unserem Unternehmen suchen wir weitere versierte Experten aus aller Welt. Aktuell arbeiten bei Mushlabs 50 Mitarbeiter aus über 20 Ländern.


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