Zahlungsverhalten im Netz: Priorität auf Sicherheit und Kostenkontrolle

Bezahlverfahren, die Online-Shopping und Offline-Bezahlen in Einklang bringen, können dem zunehmenden Vertrauensverlust im E-Commerce entgegen wirken. Chirag Patel leitet bei Paysafe den Bereich Digital Wallets. Er beschreibt eine Möglichkeit, die auch lokalen Händlern Vorteile bietet.

Betrugsversuche im Online-Handel haben seit Beginn der Corona-Pandemie zugenommen. Vor diesem Hintergrund machen sich Verbraucher zu Recht zunehmend Sorgen, beim Shopping im Netz finanzielle Verluste zu erleiden, und legen deshalb Wert auf sichere Bezahlmethoden. Das ergab die Studie „Lost in Transaction“ von Paysafe, einer führenden spezialisierten Zahlungsplattform, in Zusammenarbeit mit Sapio Research. Laut der Studie priorisieren die Befragten Sicherheit bei Online-Zahlungen insgesamt höher als Bequemlichkeit. Die Online-Bezahlung mit Bargeld, zum Beispiel eine Finanztransaktion online durchzuführen und dann in einem Geschäft in der Nähe bar zu bezahlen, bringt beide Anforderungen in Einklang. Sie öffnet Online-Shopping zudem für Menschen, die kein Bankkonto und keine Kreditkarte haben.

Für die Studie „Lost in Transaction“ hat Sapio Research im Auftrag von Paysafe 11.000 Verbraucher in Deutschland, Österreich, Großbritannien, Italien, Bulgarien, den USA, Kanada, Peru, Chile und Brasilien zu ihrem aktuellen Einkaufs- und Bezahlverhalten befragt. Fast die Hälfte (46 Prozent) der deutschen Befragten haben darin angegeben, mehr Bedenken hinsichtlich eines möglichen Betrugs bei Online-Zahlungen zu haben als noch vor einem Jahr. Dementsprechend hat Sicherheit (45 Prozent) für mehr Kunden bei Online-Einkäufen höchste Priorität als Bequemlichkeit (20 Prozent). 55 Prozent der Befragten haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie ihre Finanzdaten im Internet angeben, sicher fühlen sich dabei nur 16 Prozent. Dennoch sind nur 19 Prozent bereit, maximale Sicherheitsmaßnahmen beim Online-Kauf zu durchlaufen, wenn dieser dadurch unbequemer wird. Ist der Bezahlprozess jedoch zu einfach, sehen Konsumenten dies ebenfalls kritisch, etwa wenn wichtige Sicherheitsmaßnahmen wie die Eingabe eines Passwortes fehlen (58 Prozent). Für 46 Prozent ist die Balance mit einer Zweifaktorauthentifizierung aktuell optimal gegeben.

Inflation ändert Bezahlverhalten – Kostenkontrolle als Faktor

Auch die steigenden Lebenshaltungskosten beeinflussen das Bezahlverhalten im Internet. Von denjenigen Studienteilnehmern, die es aufgrund der Inflation geändert haben, nutzen 52 Prozent die EC-Karte öfter als zuvor. 39 Prozent der Befragten zahlen häufiger mit ihrer Kreditkarte als zuvor. Ebenfalls stärker gefragt sind die traditionelle Zahlung per Rechnung mit 42 Prozent und die Direktüberweisung mit 38 Prozent. Bei Mobile Wallets wie Apple Pay und Google Pay scheiden sich die Geister: 41 Prozent meiden diese Zahlungsmöglichkeiten; im Zuge der pandemiebedingten Digitalisierung bevorzugen 39 Prozent der Befragten jedoch seitdem grundsätzlich kontaktlose Bezahlmöglichkeiten und Mobile Wallets.


Das Unternehmen bietet Verbrauchern die Möglichkeit, online zu bestellen und offline zu bezahlen – im Geschäft und natürlich mit Upsell-Möglichkeiten.

Ebenso gespalten sind die Verbraucher bei der Barzahlung: Einerseits ist seit Ausbruch von Covid-19 ein Rückgang der Barzahlungen bei 49 Prozent zu verzeichnen. Die Relevanz von Bargeld ist gleichzeitig sehr hoch: für 66 Prozent der Befragten ist Bargeld die vertrauenswürdigste Zahlungsform, und 74 Prozent würden sich ernsthaft sorgen, wenn Scheine und Münzen nicht mehr als Zahlungsmittel zur Verfügung stünden. 41 Prozent der Befragten würden online lieber in bar bezahlen, wenn es einfach umzusetzen wäre, weitere 37 Prozent würden dann sogar öfter online kaufen.

Bisher sind Online-Einkäufe häufig nur mit einer Debit- oder Kreditkarte möglich beziehungsweise einer digitalen Wallet, die wiederum mit einem Bankkonto oder einer Karte verbunden ist. Für Menschen, die darüber nicht verfügen, ist ein Online-Einkauf daher bei vielen Anbietern nicht durchführbar. Online-Händler, die eine Online-Barzahlung konsequent anbieten, erschließen sich damit demnach neue Kundengruppen und generieren mit bestehenden mehr Umsatz – auch global: Laut einer Umfrage von Morning Consult aus dem Jahr 2021 nehmen 34 Prozent der US-Amerikaner keine oder nur wenige Bankdienstleistungen in Anspruch und sind daher bei Zahlungen auf Bargeld angewiesen.

Online sicher und bequem mit Bargeld bezahlen – so funktionieren E-Cash-Zahlungsmittel

Konsumenten, die ein E-Cash-Zahlungsmittel nutzen, müssen keine Konto- oder Kreditkartendaten preisgeben. Das erhöht die Sicherheit von Online-Zahlungen und kommt den 64 Prozent der Befragten entgegen, die es vorziehen, wenn sie beim Online-Shopping ihre Finanzdaten nicht an den Anbieter oder den Payment-Provider übermitteln müssen. Kunden erhalten beim Online-Checkout einen Barcode, mit dem sie dann ihren Online-Einkauf mit Bargeld in Supermärkten, Tankstellen und anderen lokalen Geschäften begleichen können.

Darüber hinaus sprechen Online-Händler mit E-Cash-Zahlungsmitteln außerdem diejenigen Verbraucher an, die aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten eine bessere Kontrolle über ihre Ausgaben haben möchten. Denn 33 Prozent der Befragten in Deutschland haben deshalb ihre Online-Zahlungsgewohnheiten geändert, wobei 30 Prozent auf Zahlungsmethoden umsteigen möchten, bei denen sie ihre Ausgaben genauer verfolgen können. 16 Prozent vermeiden es, auf Kredit zu kaufen.

E-Cash-Zahlungsmittel sind eine Alternative für diese Kunden, denn die Studie zeigt auch, dass die Konsumenten in Deutschland Online-Barzahlung als Budgetierungsinstrument verwenden: 31 Prozent derjenigen, die ihre Online-Zahlungsgewohnheiten geändert haben, um ihre Ausgaben besser zu kontrollieren, zahlen online häufiger in bar. Dies entspricht dem Offline-Verhalten, bei dem die Konsumenten ebenfalls Bargeld zur besseren Kostenkontrolle nutzen.

Fazit:

So wichtig Kunden die Sicherheit ihrer Daten auch ist, auf einen einfachen Bezahlvorgang möchten sie dafür nicht verzichten. Deshalb sollten Händlerinnen und Händler abwägen, wie viele Hürden ihre Kunden zu nehmen bereit sind, um ihre Finanzdaten zu schützen. Händler können zusätzlich den Kauf mit E-Cash-Zahlungsmitteln anbieten, um damit Kundengruppen zu erschließen, die kein Bankkonto und keine Kreditkarte besitzen oder diese aus Sicherheitsgründen nicht für Zahlungen im Internet verwenden möchten. Auch Käufern, die ihre Ausgaben genau im Auge behalten wollen, kommt diese Bezahlmethode entgegen.

Über den Autor:

Chirag Patel leitet bei Paysafe den Bereich Digital Wallets. Er hat über 20 Jahre Erfahrung im internationalen Finanzwesen und war in verschiedenen Funktionen bei renommierten, globalen Unternehmen tätig. Im Laufe seiner Karriere hat er mehrere Verfahren für Zahlungen von Konsumenten und zwischen Unternehmen eingeführt und weiterentwickelt. Darunter sind alternative Zahlungsmethoden, Prepaid- und Kartenzahlungen sowie Überweisungen. Dabei hat er Bilanzen mit einem Jahresumsatz von bis zu 5 Milliarden Euro verwaltet und sich stark auf das Kundenerlebnis konzentriert. Entscheidungen trifft er auf der Grundlage von Daten und einer starken strategischen Vision.