Wie die Pandemie den Alltag verändert

In Europa und den USA blieb bisher kaum jemand von den teils drastischen Auswirkungen der COVID-19-Krise auf den Alltag verschont. Eine Analyse fasst anhand von Online-Trends zusammen, wie sich der Lebensstil mitunter nachhaltig wandelt. Unternehmen müssen sich auf neue Bedürfnisse der Konsumenten einstellen und Veränderungen genau beobachten, die durch die aktuellen Lockerungen und den Neustart des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens entstehen.

Der kontinuierlich aktualisierte COVID-19-Report von Reply untersucht die Effekte der Pandemie auf verschiedene Bereiche der Wirtschaft in den betroffenen Ländern. Diese Ausgabe beleuchtet die Auswirkungen auf den Alltag auf Basis von fünf Personengruppen (Personas): Eltern, Risikogruppen wie Ältere, Schüler und Studenten, systemrelevante sowie nicht-systemrelevante Arbeitnehmer. Hierfür werden Daten und Umfragen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien sowie den USA analysiert.

Eltern: Fokus auf Familie und Zukunft

Die Persona der Eltern setzt sich aus Vätern, Müttern und Betreuern von Kindern unter 16 Jahren zusammen, die während der Ausgangsbeschränkungen Kinderbetreuung, Erziehung und Arbeit in Einklang bringen mussten. Kurzfristig waren sie stark von den Anti-Corona-Maßnahmen betroffen; das Corona-Risiko und die langfristige Beeinflussung sind jedoch eher gering.

Insgesamt ist für Eltern die Zeit zuhause mit den Kindern weniger mit familiärer Romantik als mit Sorgen und zusätzlicher Arbeit verbunden. So geben einer aktuellen Gallup-Umfrage zufolge 42 Prozent der befragten Eltern an, angesichts von Corona Sorgen um die zukünftige Bildung und mentale Gesundheit ihrer Kinder zu haben. Für Haushaltsarbeiten müssen Frauen im Durchschnitt pro Woche 15 Stunden mehr aufwenden als noch vor der Pandemie.

Risikogruppen: Weniger Krankenhausaufenthalte bereiten Sorgen

Zu den Risikogruppen zählen ältere Menschen sowie Menschen mit Vorerkrankungen, die im Falle einer Corona-Infektion ein erhöhtes Risiko tragen. Das Infektionsrisiko sowie ihre kurz- und langfristige Beeinflussung wegen der ergriffenen Maßnahmen im Rahmen des Infektionsschutzes sind hoch.

Risikogruppen waren bereits vor der Pandemie in ihrer Mobilität und ihren sozialen Kontakten häufig eingeschränkt. Sie könnten noch stärker als andere Personengruppen unter den Folgen der Lockdowns für Psyche und Gesundheit leiden. Einer Studie der Privaten Fachhochschule (PFH) Göttingen zufolge haben fünfmal mehr Deutsche während der Lockdowns bestätigt, depressive Symptome zu haben. In einer amerikanischen YouGov-Umfrage gaben 49 Prozent der Befragten an, während der Pandemie depressive Symptome zu zeigen. Das ist ein Anstieg um 12 Prozent im Vergleich zur Situation vor COVID-19.

Schwerwiegend ist auch der Rückgang an Krankenhausaufenthalten aufgrund der Ansteckungsgefahr. Eine Studie aus Spanien ermittelte, dass die Anzahl der Herzkatheterisierungen während des Lockdowns um 40 Prozent unter das Normalniveau gefallen ist. Eine amerikanische Studie gibt einen ähnlichen Rückgang von 35 Prozent an.

Für Optimismus sorgt der deutliche Zuwachs an Interesse für Nachbarschaftshilfe-Apps, die oft genutzt werden, um sich gegenseitig zu unterstützen. Gegenüber 2019 sind die Google-Suchen nach solchen Apps um 24 Prozent gestiegen.

Schüler und Studenten: Sehnsucht nach sozialen Kontakten, finanzielle Engpässe

Die Persona der Schüler und Studenten besteht aus Abiturienten und Hochschulstudenten zwischen dem späten Teenageralter und Anfang zwanzig, die während der Schließung von Bildungseinrichtungen auf Fernunterricht umsteigen mussten. Ihr Infektionsrisiko war bislang gering, die aktuelle und langfristige Beeinflussung durch die Lockdowns moderat.

Während der Zeit des Shutdowns mussten Schüler und Studenten größtenteils auf Treffen mit Freunden verzichten. Verglichen mit dem Vorjahr wurde zu 61 Prozent häufiger nach den Begriffen “Ich vermisse meine Freunde” und „Ich vermisse Schule” gegoogelt. Gleichzeitig stiegen die Suchen nach Lösungen für virtuelle Zusammenkünfte um das 24-fache an. Der positive Trend bleibt weiterhin bestehen. Auch die Suchanfragen nach Online-Studentenjobs (plus 57 %) und Online-Lerninhalten (plus 44 %) wuchsen im Vergleich zu 2019 deutlich.

Als Folge des Wegfalls zahlreicher Teilzeitjobs ist das Interesse der Studenten für finanzielle Kompensation in Form von Darlehen und Krediten – verglichen mit dem Vorjahr – um 18 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wuchs das Interesse für Online-Studentenjobs um 57 Prozent.

Systemrelevante Arbeitnehmer: Sorgen nicht nur um eigene Gesundheit

Zur Persona der systemrelevanten Arbeitnehmer zählen Berufstätige im Gesundheitswesen oder anderen Berufen, die für die Gesellschaft von entscheidender Bedeutung sind. Systemrelevante Arbeitnehmer haben ein hohes Infektionsrisiko. Von den kurz- und langfristigen Infektionsschutzmaßnahmen sind sie moderat beeinflusst.

Eine britische Umfrage zeigte auf, dass sich mit rund achtzig Prozent die Mehrheit der Berufstätigen im Gesundheitswesen um ihre eigene Gesundheit sowie der Menschen in ihrem Umfeld sorgen. Systemrelevante Berufstätige hoffen daher auf Respekt für ihre Arbeit und Wertschätzung seitens der Gesellschaft auch nach der Pandemie. In der Anfangszeit der europäischen Ausgangssperren gab es ein stark gestiegenes Online-Interesse für solidarische Aktionen wie „Clap for Heroes”, das in den letzten Wochen jedoch nachgelassen hat.

Viele Firmen bieten systemrelevanten Arbeitnehmern exklusive Angebote wie Bikesharing an. Im Vergleich zu 2019 konnte bei Google-Suchen nach Bikesharing-Themen ein Zuwachs von beachtlichen 144 Prozent beobachten werden, mit weiterhin positiver Tendenz.

Nicht-systemrelevante Arbeitnehmer: bleibende Trends

Die Persona der nicht-systemrelevanten Arbeitnehmer umfasst alle Arbeitnehmer, die während der Ausgangssperren und zum Teil auch weiterhin von Zuhause aus arbeiten. Daher gibt es ein neu entdecktes und unverändert hohes Interesse an Kochen, Backen sowie Lebensmittelboxen. Auch beim Interesse für Heimwerken, Kleingärtnerei und Wohnungsprojekte konnte gegenüber dem Vorjahr ein starkes Plus von 41 Prozent beobachtet werden.

Nennenswert ist der Anstieg von 54 Prozent an Interesse für alle Themen, die die Eigenverantwortung betreffen, darunter mentale Ausgeglichenheit und Work-Life-Balance. Auch hier deutet der Kurvenverlauf auf einen anhaltenden Trend an.

Digitales Leben auf dem Vormarsch

Insgesamt betrachtet, beschleunigt COVID-19 die Digitalisierung von Unternehmen, Bildung und Alltag. Ältere Menschen, die nicht mit der digitalen Welt vertraut waren, nutzen digitale Medien, um den Kontakt zu Freunden und Familie halten zu können. Der selbstverständliche Umgang mit Online-Tools wird nachhaltig bleiben.

Der Weg von Schulen und Hochschulen in die Online-Welt bringt Vorteile und Herausforderungen mit sich. Viele benötigen zusätzliche Unterstützung – auch außerhalb digitaler Vorträge. Eine Mischung von Online- und Präsenzunterricht könnte dazu beitragen, das Bildungswesen in die Zukunft zu führen.

Marken werden den veränderten Bedürfnissen Rechnung tragen, so wie sich die Prioritäten der Menschen in Zeiten der Pandemie ausrichten. Auch langfristig wird ein langsamerer Lebensrhythmus sowie der stärkere Fokus auf Familie, Eigenverantwortung, Beziehungen über Social Media/Online und Selbstversorgung an Bedeutung gewinnen.

Weitere Informationen unter:
https://www.reply.com/de/one-day-in-the-life-during-covid-19

Bildquelle / Lizenz Aufmacher: Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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