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Welche Payment Trends auf Handel und Kunden 2023 zukommen

In 2023 wird es einige Änderungen in der Payment-Landschaft geben, die für Ladenbesitzer und den E-Commerce gleichermaßen wichtig sind. Aber auch Kunden sind davon betroffen, so wird etwa die Zahlungsmöglichkeit mit der beliebten girocard im Ausland bald wegfallen. Die Payment-Beratung CMSPI beleuchtet die wichtigsten Anpassungen und Trends sowie deren Folgen für die Branche im gerade begonnenen Jahr.

Digital Wallets auf dem Vormarsch

Die Bedeutung von Digital Wallets für den Zahlungsverkehr nimmt immer mehr zu. Prognosen zufolge wird der Umsatz mit mobilen Geldbörsen von 220 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf 970 Milliarden Dollar im Jahr 2030 anwachsen.

In den letzten Jahren haben sich Digital Wallets aufgrund des steigenden Bedarfs an CBDC (Central Bank Digital Currency) und papierlosen, kartenlosen und sicheren Zahlungen rasant weiterentwickelt. Angetrieben wird diese Entwicklung zudem durch technische Innovationen wie NFC (Near Field Communication), immer schnellere und sicherere Telekommunikationsnetze sowie die fortschreitende Digitalisierung von Banken und Fintech-Firmen.

Eine aktuelle Studie untersuchte in 11 Ländern weltweit den Einsatz von Digital Wallets im Zahlungsverkehr. Dabei präsentierte sich Deutschland, wo rund 81 Prozent der Verbraucher ein Smartphone besitzen, am fortschrittlichsten: Dort kommen schon heute bei 44 Prozent aller inländischen Online-Transaktionen digitale Geldbörsen zum Einsatz. Für 37 Prozent dieser Transaktionen wird der Zahlungsdienstleister PayPal verwendet.

Zum Vergleich: Unter den europäischen Ländern hat nur Italien mit 42,1 % eine ähnlich große Affinität zu Digital Wallets beim Online-Einkauf, in Frankreich kommen diese nur bei 19 Prozent  der Online-Transaktionen zum Einsatz.


“Prognosen zufolge wird der Umsatz mit mobilen Geldbörsen von 220 Milliarden Dollar im Jahr 2021 auf 970 Milliarden Dollar im Jahr 2030 anwachsen.”


Einschränkungen bei der girocard

Spätestens ab der Jahresmitte 2023 werden laut Mastercard in vielen europäischen Ländern keine neuen Maestro-Karten mehr ausgegeben. Wettbewerber VISA plant für V-Pay vergleichbares. Bislang sind Maestro und V-Pay die sogenannten Co-Badge-Schemes der girocard. Dadurch war bislang der Auslandseinsatz der eigentlich “nationalen”  girocard möglich. Bei neu vergebenen Karten wird diese Option ab Juli 2023 nicht mehr verfügbar sein.

Wer jedoch eine Karte besitzt, die erst nach diesem Datum abläuft, kann sie noch bis zum Ablaufdatum auch im Ausland eingesetz werden. Spätestens im Dezember  2027 ist jedoch endgültig Schluss. Allerdings arbeiten die Kreditinstitute schon jetzt an einem Nachfolger. So will die Sparkasse laut Finanzexperten eine girocard mit Co-Badge Visa Debit einführen. Andere Geldhäuser werden sicher folgen.

Händler sehen diese Entwicklung mit Sorge – sie befürchten höhere Kosten beim Bezahlen. Statistiken der Payment-Beratung CMSPI bestätigen das. Demnach ist das Bezahlen mit Visa oder Mastercard Debit für Händler meist deutlich teurer und die Gebühren dafür sind in den letzten Jahren stetig gestiegen. Angenommen der Marktanteil der girocard ginge um 10 Prozent zurück, stiegen die Kosten der Händler für die Kartenakzeptanz um über 33 Millionen Euro jährlich, schätzt CMSPI. Sollte die girocard komplett vom Markt verschwinden (Marktanteil derzeit: 61 %), müssten Händler mit  jährlichen Zusatzkosten von rund 200 Mio. Euro rechnen.

Die schrumpfende Bedeutung der girocard stärkt die Zahlungsdienstleister Visa und Mastercard. Diese können dann ihre Transaktionskosten weiter anheben.


“Sollte die girocard komplett vom Markt verschwinden (Marktanteil derzeit: 61 %), müssten Händler mit  jährlichen Zusatzkosten von rund 200 Mio. Euro rechnen.”


SEPA-LV wird wieder beliebter

SEPA-LV ist als eine der wichtigsten Methoden des bargeldlosen Zahlungsverkehrs bei Händlern und Kunden hierzulande zwar ins Hintertreffen geraten, doch könnten Weiterentwicklungen der Lösung ihre Beliebtheit steigern.

Im Rahmen der SEPA-Lastschriftverordnung 4.3, die kürzlich in Deutschland in Kraft getreten ist, wird die Unterschrift beim Anbieter oder Händler gespeichert und kann dann über einen längeren Zeitraum genutzt werden. Dieses Verfahren ermöglicht das so genannte “Tap & Go”, d.h. eine besonders schnelle Abwicklung mit integrierter Zahlungsgarantie durch die Lieferanten für die Transaktionen.

EU verschärft die Richtlinien zur Kreditvergabe bei BNPL

Experten sehen für BNPL-Zahlungsvorgänge in den kommenden Jahren großes Wachstumspotenzial. So soll sich der weltweite Markt für Buy now, pay later bis 2026 auf 995 Milliarden US-Dollar vervierfachen. Doch so beliebt das spätere Bezahlen ist, es verleitet auch zu Käufen, die Kunden sich eigentlich gar nicht leisten können. Die Schufa-Daten dazu sind alarmierend: Insbesondere bei jungen Menschen nimmt die Verschuldung durch BNPL-Zahlungen zu.

Deshalb will die Europäische Union die Richtlinien zur Kreditvergabe via BNPL in Kürze verschärfen. Wie das Europäische Parlament in einer Pressemitteilung vom 2. Dezember bekannt gab, sollen Kreditgeber in der EU künftig die Kreditwürdigkeit von BNPL-Kunden gründlicher prüfen. So sollen unverantwortliche Kreditvergaben an bereits überschuldete Kunden unterbunden werden. Bislang war bei Kleinkrediten bis zu 200 Euro keine Bonitätsprüfungen notwendig.

Neu ist BNPL in Deutschland indes nicht. Bereits in den 1960er Jahren kam der Kauf „auf Rechnung“ hierzulande erstmals zum Einsatz. In den letzten Jahren bürgerte sich dafür aber zunehmend der internationale Begriff BNPL ein. In den internationalen Märkten ist vor allem der BNPL-Ratenkauf beliebt, während deutsche Kunden den geschuldeten Betrag bei einem BNPL-Kauf nach der Zahlpause gerne komplett zurückzahlen.

Trotz zunehmender Verbreitung, für Händler sind BNPL-Transfers relativ kostspielig. Der BNPL-Anbieter übernimmt zwar das Zahlungsausfallrisiko und die Bonitätsprüfung, allerdings müssen Händler dafür zwischen 3 und 6 Prozent des Transaktionsbetrages an den Dienstleister bezahlen. Das ist sicher mit ein Grund dafür, dass die Zahl der BNPL-Ratenkäufe in Deutschland nur langsam wächst. CMSPI-Prognosen zeigen aber, dass sich BNPL insbesondere im E-Commerce mehr und mehr durchsetzen dürfte.

Über den Autor

Maximilian Fuchs ist bei CMSPI, der weltweit führenden, unabhängigen Payment-Beratung, als Strategic Payment Consultant für die DACH-Region zuständig. Hier unterstützt er Händler mit Insights und Expertise dabei, den Wert ihrer Zahlungskette zu steigern und Risiken zu minimieren.

https://www.cmspi.de/