„Vorgesetzte sollten den Umgang mit Technologie vorleben“

Wie arbeitet eigentlich ein „Digital Native“-Unternehmen wie Zoho? Dazu sprachen wir mit Sridhar Iyengar, Managing Director von Zoho Europe.

Wie beurteilen Sie den Dreiklang aus Unternehmenskultur, „Technologie als Assistent am Arbeitsplatz“ und Akzeptanz?
Die Unternehmenskultur ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg einer Firma. Dazu gehören auch die Bereitstellung von Technologie am Arbeitsplatz und entsprechende Nutzerschulungen. Die Digitalisierung hat neue Arbeitsmodelle hervorgebracht, die aber nur funktionieren können, wenn Mitarbeiter die richtigen Kommunikations-, Kollaborations- und Produktivitätstools nutzen, um ihre Ziele zu erreichen.
Das Vertrauen darin, dass Mitarbeiter mit den neuen Features ihre Arbeit einfacher und effizienter erledigen können, muss von der oberen Führungsebene vermittelt werden. Nur so wird die Einführung neuer Tools erfolgreich sein.
Führungskräfte sollten immer ein offenes Ohr für ihre Mitarbeiter haben, damit diese bereit sind, ein ehrliches Feedback zu den Tools zu geben. So können IT-Verantwortliche Hindernisse bei der Implementierung beseitigen, bevor sie zu Problemen führen. Die richtige Unternehmenskultur ermöglicht es den Mitarbeitern, offen mit dem Management umzugehen und in echter Kooperation zu arbeiten, während die neuen Arbeitsmodelle weiter Gestalt annehmen.

In vielen Unternehmen arbeiten mittlerweile drei Generationen von Mitarbeitenden. Sozusagen: Telefon, E-Mail, Instant Messaging. Bei aller Digitalisierung: Wie kann das in der Zusammenarbeit in der Technologie Einklang finden?
Mehr als je zuvor erwarten Arbeitnehmer, dass ihnen Arbeitgeber digitale Tools zur Verfügung stellen, die ihre Arbeitserfahrung verbessern – sei es im Büro, im Homeoffice oder beim zunehmend bevorzugten hybriden Arbeitsmodell.
Harmonie entsteht nur, wenn Mitarbeiter die Vorteile und Best-Practice-Anwendungsfälle für alle Arten von Technologie verstehen. Die Koexistenz von Telefon, E-Mail und Instant Messaging ist nach wie vor sinnvoll, aber die Anwendungsfälle sind unterschiedlich. Um sicherzustellen, dass Mitarbeiter die passenden Tools für jede Aufgaben verwenden, können Unternehmen deren Wissen bewerten und etwaige Lücken durch Schulungen schließen. Auch Vorgesetzte sollten den richtigen Umgang vorleben.
Mitarbeiter erwarten von ihrem Unternehmen eine benutzerfreundliche Arbeitsumgebung, in der sie tägliche Aufgaben mit einem Mausklick erledigen können, ohne mit mehreren Systemen jonglieren zu müssen. Je effizienter und effektiver die Tools sind, desto mehr werden sie auf die richtige Art und Weise und in Harmonie miteinander eingesetzt.

Sridhar Iyengar ist Managing Director von Zoho Europe. „Harmonie entsteht nur, wenn Mitarbeiter die Vorteile und Best-Practice-Anwendungsfälle für alle Arten von Technologie verstehen.“ (Quelle: Zoho)

Ihr Unternehmen ist ein „Digital Native“. Wie findet die Collaboration bei Ihnen statt?
Zoho nutzt Zoho, das heißt, dass wir mit unserer eigenen, nativ aufgebauten Cloud-Plattform und den Anwendungen für die gesamte Business-Suite arbeiten, um unser Unternehmen erfolgreich zu führen.
Unsere Kultur ist extrem kollaborativ. Eine lockere Hierarchie und Teamgeist durchdringen alle Ebenen. Dies ist in einem globalen Unternehmen mit mehr als 12.000 Mitarbeitern jedoch nur durch eine Reihe von Collaboration-Tools möglich.
Für die interne Zusammenarbeit nutzen wir unser soziales Netzwerk Connect, unser Instant-Messaging-Tool Cliq, das auch Audio- und Videoanrufe ermöglicht, die Videokonferenzanwendung Meeting, das Projektmanagement-Tool Projects und unsere Office-Suite, die eine gemeinsame Dokumentenerstellung ermöglicht, einschließlich Instant Messaging in der gleichen Benutzeroberfläche.
Für die Zusammenarbeit mit unseren Partnern und Zulieferern können wir einen externen Zugriff auf relevante Dokumente und Informationen in Connect und Cliq aktivieren. So garantieren wir, dass wir direkt und sicher mit ihnen zusammenarbeiten.
WorkDrive ist unser Dokumentenmanagementsystem, auf das wir nach eigenem Ermessen internen und externen Stakeholdern Zugriff erlauben, um relevante Materialien zu sichten.
Alle oben genannten Funktionen können auch über mobile Geräte genutzt werden, um die Zusammenarbeit einfach und effektiv zu gestalten, ganz gleich wo sich die Nutzer gerade befinden.

Wie fließen Learnings Ihrerseits in Ihre Plattform ein?
Durch unseren Lernprozess passen wir Plattform und Anwendungen kontinuierlich an. Bei neuen Produkten sind wir in der glücklichen Lage, die Programme gründlich testen zu können, indem wir sie zusammen mit unseren bestehenden Lösungen verwenden. So sehen wir, wie sie zusammen funktionieren. Da wir die Plattform entwickelt haben, auf der alle unsere Anwendungen aufbauen, sind sie von vornherein integriert und profitieren zudem von vielen Diensten, zum Beispiel eingebetteter KI. Auf diese Weise können wir sicherstellen, dass unsere Produkte vor der Markteinführung wirklich „marktreif“ sind.
Intern arbeiten unsere Forschungs- und Entwicklungsteams unermüdlich daran, dass immer die neuesten Technologien auf die richtige Weise in unsere Produktpalette einfließen. Manchmal tüfteln sie jahrelang bevor ein Feature auf den Markt kommt. Die Produktteams lernen voneinander, insbesondere von denjenigen, die schon lange für Zoho arbeiten.
Dann gibt es eine frühe Release-Phase, in der wir bestimmten Kunden und Partnern Zugang gewähren, um Feedback einzuholen und festzustellen, ob wir Produkte ändern müssen, bevor wir sie auf den Markt bringen.
Wir organisieren jedes Jahr eine Kundenkonferenz sowie zahlreiche Treffen von Benutzergruppen, bei denen wir das Feedback zu unseren Produkten sehr fördern, um die Lösungen kontinuierlich zu verbessern. Außerdem haben wir für weitere Feedback-Gruppen in unserem sozialen Netzwerk eingerichtet.
Und schließlich beobachten wir ständig den Markt, um sicherzustellen, dass wir an jede mögliche Lösung und jedes mögliche Szenario denken, mit der unsere Produktreihe den Kunden helfen kann, erfolgreicher zu sein.
Der Markt ist unbeständiger als je zuvor. Agilität, Flexibilität und die Bereitschaft, sich schnell an die Marktkräfte und -anforderungen anzupassen, sind entscheidend, um auf dem SaaS-Markt weltweit wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wie gelingt es Ihnen, neue Trends und Technologien zu adaptieren?
Wir haben ein sehr großes Forschungs- und Entwicklungsteam, da wir wissen, wie wichtig es in dieser Branche ist, der Zeit voraus zu sein und sich ständig weiterzuentwickeln. Die Mitarbeitenden prüfen ständig neue technologische Entwicklungen, um zu sehen, welchen Vorteil sie für unsere Produktpalette und letztendlich für unsere Kunden haben können.
In unserer Unternehmenskultur werden Ideen und Experimente unserer Teams in hohem Maße gefördert. Manchmal führt dies zu neuen Produkten oder Produktverbesserungen, und manchmal legen wir Dinge beiseite, weil wir das Gefühl haben, dass sie keinen Mehrwert bringen oder der Zeitpunkt für eine Markteinführung noch nicht gekommen ist.
Ein Beispiel dafür, wie wir Marktveränderungen und -anforderungen antizipiert haben, ist die Kundenerlebnisplattform CRM Plus. Wir haben erkannt, dass sich CRM weiterentwickeln muss, um ein besseres Kundenerlebnis zu bieten, und die Lösung dementsprechend erweitert.
Weil wir wissen, dass Innovationen mit KI-Anwendungen den Unternehmenserfolg fördern, haben wir KI-Technologien in verschiedene Bereiche unserer Produkte eingebettet, zum Beispiel die Stimmungsanalyse in Zoho Desk für den Kundenservice, die Umsatzprognose in Zoho CRM und das Hinzufügen von Dialogfunktionen in verschiedenen anderen Produkte.

Die Cloud ist sicher die Infrastruktur der digitalen Transformation. Die Cloud hat wesentliche aktuelle Treiber wie KI und (I)IoT überhaupt erst ermöglicht – etwa durch Leistung und Skalierung. Diese Technologien beschleunigen sich nun gegenseitig. Wo geht die Reise Ihrer Meinung nach hin?
Die Cloud ermöglicht nicht nur das Hosting dieser innovativen Technologien, sondern bietet auch eine Plattform für eine nahtlose Integration von Diensten und Anbietern. Dies kann zu einem reichhaltigen Ökosystem von Technologien und Produkten führen, das zur Entwicklung einzigartiger, innovativer Lösungen genutzt werden kann – ohne großen Integrationsaufwand für die Endnutzer. Wenn Experten die Anforderungen und Anwendungsfälle gut verstehen, können sie damit auch maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Geschäftsanforderungen entwickeln. Dazu sind Fach- und Branchenspezialisten erforderlich, die sich mit bestimmten Bereichen, zum Beispiel Bankwesen, Logistik oder E-Commerce und den zugrunde liegenden Technologien auskennen, damit sie die richtige Lösung für diese spezifischen Anforderungen entwickeln können.


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