Unternehmenssteuerung und KI

Ansgar Eickeler von Board International erläutert im Gespräch mit der Redaktion, wie Unternehmen mit KI und schlauen Algorithmen ihr Risikomanagement stärken und dadurch agiler und resilienter im Kontext Ihrer Unternehmenssteuerung werden.

Herr Eickeler, wie können Unternehmen heute unterstützt werden, um mehr Agilität für ihre Unternehmenssteuerung zu generieren?

Unternehmen müssen zuverlässige Daten und Informationen nutzen, um agil Entscheidungen zu treffen. COVID-19 hat gezeigt, wie schnell sich die Dinge ändern können. Ein schnellerer, proaktiver Entscheidungsansatz ist unerlässlich, um in der aktuellen Situation wettbewerbsfähig zu bleiben. Unternehmen sollten deshalb Plattformen nutzen, die Business Intelligence, Planung und Predictive Analytics integrieren. So können Sie maximalen Benefit aus ihren Daten ziehen, da die Ergebnisse aus den Analysen direkt wieder in die Planung einfließen können.

Hinzu kommen moderne Funktionen wie „Vorausschauende Modellierung“ und „Was-wäre-wenn-Szenarien-Bildung“. Diese helfen dabei, zu erkennen, wie sich Marktveränderungen und unterschiedliche Geschäftsstrategien auf das Geschäftsergebnis auswirken. Diese Funktionen verdeutlichen, wie das Unternehmen seine übergreifenden strategischen Ziele erreichen kann und bieten großen Mehrwert für die Arbeit der operativen Teams.

Welche Rolle spielen dabei Automatisierung, intelligente Algorithmen und die neuen Technologien rund um KI?

Wir gehen davon aus, dass die Automatisierung in allen Geschäftsfunktionen weiter zunehmen wird, um die Zeiteffizienz, den Personaleinsatz und die Datenanalyse zu verbessern. Betrachtet man beispielsweise das Finanzwesen, so können Finanzteams Planung und Controlling, Management Reporting, Finanzabschluss, Konsolidierung und Offenlegung in großem Maße automatisieren. Das bedeutet, dass den Mitarbeitern mehr Zeit zur Verfügung steht, um die Daten, mit denen sie arbeiten, zu analysieren und zu verstehen, anstatt viel Zeit damit zu verbringen, sie zu sammeln und für Reports zu organisieren.

„Gerade in schwierigen Zeiten ist es entscheidend, rechtzeitig relevante Indikatoren zu erkennen, um dann kurzfristig umsteuern zu können.“

Ansgar Eickeler

Die gleichen Prinzipien sind auch in anderen Abteilungen und Geschäftsbereichen zu beobachten: Eine Fülle von Prozessen, bis hin zu grundlegenden Aufgaben, wird automatisiert, damit sich die Mitarbeiter an anderer Stelle auf zeitintensivere und hochwertigere Tätigkeiten konzentrieren können.

Die aktuelle Board-Version bietet z. B. eine Integration von R, der freien Programmiersprache für statistische Berechnungen und Grafiken. Damit lassen sich Algorithmen zu Künstlicher Intelligenz und Machine Learning, die in R erstellt wurden, direkt und nahtlos zur Analyse der Daten nutzen, um den Anwendern Ergebnisse in Echtzeit zur Verfügung stellen.

Wie ermöglichen datenbasierte Entscheidungen eine zukunftsfähige Unternehmenssteuerung?

Ziel eines Unternehmens muss es sein, Gegenwart und Zukunft möglichst nah zusammenzubringen, da die wirtschaftlichen Zyklen sich immer schneller abwechseln und immer heftiger ausschlagen. Datenbasierte Unternehmensführung ermöglicht regelmäßige Zwischenprognosen. Dadurch erhält das Management immer wieder Rückmeldung, wo das Unternehmen aktuell steht. Dazu nutzen Unternehmen in der Regel die Methode des Predictive Plannings, das die Möglichkeit bietet, sich mit Hilfe geeigneter Software ständig eine Prognose auf die nächste Zeitperiode generieren zu lassen. Es entsteht ein sogenannter rollierender Forecast, der zwar in der Regel weniger Details bietet als eine Jahresplanung, der aber den Verantwortlichen immer einen aktuellen Überblick verschafft.

Bei Predictive Planning nutzen Unternehmen Modellierungen und Simulationen, und bekommen so eine Sicht auf zukünftige Entwicklungen. Das bringt die notwendige Flexibilität, um bestehende Planungs- und Forecasting-Prozesse schnell und verlässlich an dynamische Entwicklungen anpassen zu können. Insofern empfehlen wir, eine Planung tendenziell eher weniger detailliert, dafür aber öfter durchzuführen. Die Planung bekommt dadurch eine höhere Sicherheit und hilft dem Unternehmen, die Zukunft einfacher beherrschbar zu machen.

Welche Instrumente benötigen heute Führungskräfte, um den agilen Planungs- und Analyseprozess im Kontext aller Fachabteilungen medienbruchfrei untereinander zu verzahnen?

Ansgar Eickeler

Um die Herausforderungen der modernen Planung zu bewältigen, ist ein vernetzter Ansatz erforderlich. Über alle Bereiche hinweg werden die Daten an einem zentralem Punkt zusammengefahren und gespeichert. Dieser Single Point of Truth (SPoT) beseitigt die Silos im Planungsprozess und verbessert Abstimmung und Transparenz. Jeder am Planungsprozess beteiligte Mitarbeiter sieht, welchen Einfluss seine Planung auf das Gesamtergebnis hat. Dies führt gleichzeitig zu einem erhöhten Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen und ist die Basis für eine spürbare Steigerung der Geschäftsergebnisse im Unternehmen, sowie eine operative Entlastung im Planungsprozess selbst.

Diese sogenannte Integrierte Business-Planung (IBP) wird als Best-Practice-Prozess immer mehr zum neuen Standard für moderne Planungsaktivitäten. Mit IBP wird z. B. ein abgestimmter Go-To-Market-Plan erstellt, mit dem Input aller Abteilungen und unter Berücksichtigung der eigenen Ziele, verfügbaren Fähigkeiten, Ressourcen und Produktionskapazitäten. Das macht es möglich, das Erfolgspotenzial optimal auszuschöpfen. Auch hier kommt der rollierende Forecast-Ansatz häufig zum Tragen. Laufende Überprüfung und Anpassung erlauben es, auch unterjährig schnell datenbasierend zu reagieren und die Planung anzupassen.

Welche Bedeutung hat heute ein Frühwarnsystem für die Finanzabteilung und wie gestalten sich in diesem Kontext Ihre Dashboards für Entscheider?

Frühwarnsysteme sind ein wirksames Instrument für die Unternehmenssteuerung und essenzieller Bestandteil des Risikomanagements. Sie geben den Unternehmen mehr Zeit, Korrekturmaßnahmen zu ergreifen, bevor ein Problem zur handfesten Krise wird. Grundlage ist ein möglichst aktueller rollierender Forecast mit Hilfe von Predictive Planning. Alle Abteilungen sind verpflichtet, Plan-/Ist-Abweichungen ab einer zuvor festgelegten Größenordnung sofort zu melden, damit diese dann in den aktuellen Forecast des Unternehmens einfließen.

So erkennt das Management sofort, wenn fest eingeplante Projekte plötzlich auf der Kippe stehen, geplante Vertriebserlöse wegfallen oder auch Vorprodukte in der Lieferkette nicht in gewünschtem Maße zur Verfügung stehen. Moderne Entscheidungsfindungsplattformen liefern dabei sofort Warnhinweise auf mögliche Probleme.

Aus den Forecast-Zahlen erstellt der Finanzbereich dann „Guided Dashboards“ und „Realtime Reporting“, um das Management zeitnah zu informieren. Die Unternehmensleitung sieht sofort, wohin sich die Märkte entwickeln und welche Faktoren besondere Auswirkungen auf das zukünftige Geschäft haben. Denn gerade in schwierigen Zeiten ist es entscheidend, rechtzeitig relevante Indikatoren zu erkennen, um dann kurzfristig umsteuern zu können.

In welchem Verhältnis steht die digitale Unternehmenskultur wenn es um die Entwicklung neuer Innovationen im Unternehmen geht?

In der heutigen, wettbewerbsintensiven Zeit, mit schnelllebigen Märkten und der Notwendigkeit ständiger Innovationen, wird der Zeitdruck für den Entscheidungsprozess immer größer. Deshalb benötigt das Management Zugang zu Echtzeit-Informationen aus dem gesamten Unternehmen, um die Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Der Self-Service-Charakter moderner Reporting Tools ist so angelegt, dass es den Wandel in der Entscheidungsfindung vorantreibt. Das Management kann sich von statischen Berichten verabschieden und stattdessen interaktive Dashboards, Präsentationen und Reportings nutzen. Diese basieren auf aggregierten Echtzeitdaten aus dem gesamten Unternehmen. Das heißt, sie bieten eine genaue und aktuelle Grundlage für Geschäftsentscheidungen und beseitigen die Unklarheiten, die durch unterschiedliche Datenquellen entstehen. Die Verantwortlichen können sofort zwischen strategischen und operativen Daten umzuschalten – mit der Möglichkeit, Daten aufzuschlüsseln und zu durchforsten, um die Ursachen für die Zahlen zu ergründen.

Sie können fortschrittliche Analysen und prädiktive Technologien nutzen, um zukünftige Trends zu simulieren, die Ihnen helfen, Entscheidungen auf der Grundlage solider Erkenntnisse zu treffen. Das bietet Möglichkeiten für Innovation, Wachstum, Effizienzsteigerung und Performance-Verbesserung.

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Bild von Holger Schué auf Pixabay

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