Unternehmenskultur – der Weg zur organisationalen Resilienz

Dies ist ein Gastbeitrag von Giovanna Contino, IT-Consultant bei der adesso SE 

Giovanna Contino zeigt auf, das „VUCA“ auch die Chance bietet, sich im Wettbewerb zu behaupten.

Für den künftigen Erfolg sollte sich jedes Unternehmen mit dem VUCA-Phänomen auseinandersetzen. Tägliche Veränderungen, steigende Dynamik, neue technische Möglichkeiten sowie Anforderungen von Markt und Mitarbeitenden stellen Unternehmen vor neuen Herausforderungen. Die Auseinandersetzung mit VUCA (Volatility, Uncertainty, Complexity und Ambiguity) ist ein wichtiger Teil des Lösungsraums und spätestens seit Beginn der anhaltenden Corona-Pandemie auf der To-Do-Liste jedes Unternehmens.

Schnelle Reaktionsgeschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit und Vertrauen sind heute wichtige Faktoren für Unternehmen. Die IT-Branche im Besonderen ist wie keine andere von technologischem Wandel, großer Dynamik und hoher Flexibilität geprägt. Aufgrund der steigenden Anforderungen der Bewerberinnen und Bewerber, setzen Unternehmen neue Formen der Zusammenarbeit um, beschäftigen sich mit der Gestaltung der Personalarbeit und ergreifen Maßnahmen für ein attraktives Arbeitsumfeld. Gegenüber anderen Branchen positioniert sich der IT-Sektor dabei als Vorreiter im Markt. Dieses Beispiel zeigt, dass eine verstärkte Auseinandersetzung mit dem Thema Unternehmenskultur und der VUCA-Welt durchaus sinnvoll und erfolgsversprechend ist.

Bedeutung einer zeitgemäßen Unternehmenskultur für den Unternehmenserfolg

Eine zeitgemäße Unternehmenskultur nimmt im Zuge des „War for Talents“, also die Gewinnung, Bindung und Zufriedenheit von Mitarbeitenden, eine entscheidende Rolle ein. Überdurchschnittliche Löhne reichen nicht mehr aus, um Talente zu gewinnen oder zu halten. Mitarbeitende schätzen besonders eine gute Arbeitsatmosphäre, Freiräume und Sinnhaftigkeit. Eine entsprechende Kultur verhilft zur Positionierung als attraktiver Arbeitgeber (Employer Branding). Aber auch in Krisensituationen gibt die Unternehmenskultur einen Richtwert an und zeigt auf, wofür ein Unternehmen steht. Sie verhilft dabei resilient zu sein und proaktiv zu agieren, statt lediglich zu reagieren. Es zeigt sich, dass eine VUCA-gerechte Unternehmenskultur zwei Kernaufgaben eines Unternehmens unterstützt: Zum einen auf die Anforderungen von externen Veränderungen im Markt und Wettbewerb zu reagieren und zum anderen den internen Zusammenhalt sicherzustellen. Letztlich zahlt Unternehmenskultur indirekt über die Zufriedenheit der Mitarbeitenden auf den Unternehmenserfolg ein, da ein solches Umfeld zur Motivation und somit stärkeren Perfomance anregt.

Was macht eine VUCA-gerechte Unternehmenskultur aus?

Viele Menschen stellen Unternehmenskultur den Unternehmenswerten gleich, doch sie umfasst deutlich mehr Komponenten. Die Abbildung zeigt, welche Komponenten zu einer VUCA-gerechten Unternehmenskultur zählen.

Abbildung: Konzept einer VUCA-gerechten Unternehmenskultur in der IT-Branche (Quelle: adesso SE)

Unternehmenswerte stellen gemeinsame Grundsätze und Prinzipien dar, die das Verhalten und Handeln leiten. Sie zeigen auf, wie in einem Unternehmen gearbeitet wird. Unternehmen sollten bei der Definition darauf achten, nicht zu viele Werte zu definieren, da sonst ihre Wichtigkeit untergeht. Es empfiehlt sich inhaltlich eng beieinander liegende Werte in einem Oberbegriff zusammenzufassen.

Allgemein gilt Vertrauen als der wichtigste Wert einer VUCA-gerechten Unternehmenskultur. Eine gute Vertrauensbasis stellt sowohl intern als auch extern gegenüber allen Stakeholdern eine entscheidende Rolle dar. Ehrlichkeit, Transparenz, Verantwortung übertragen – also Empowerment – und Freiräume schaffen spielen beim Aufbau von Vertrauen eine wichtige Rolle. Agile Strukturen werden benötigt, denn sie ermöglichen Kundennähe und befähigen Teams Entscheidungen zu treffen. Damit geht der Abbau von Hierarchien und die Schaffung von kurzen Entscheidungswegen einher. Es wird deutlich, dass sich die Rolle der Führungskraft stark verändert hat.

Neben Vertrauen sind Innovation, Kundenfokus, Gleichberechtigung und Authentizität prägende Werte einer zeitgemäßen Unternehmenskultur in der IT-Branche. Es zeigt sich, dass heterogene Teams aufgrund der diversen Perspektiven und Meinungen deutlich bessere Ergebnisse erzielen als homogene Teams. Dies stellt einen Vorteil in einer globalisierten Welt dar. Zudem rückt das Thema „Sustainability“ verstärkt in den Fokus von Unternehmen.

Unternehmen sollten darüber hinaus eine klare Vision und Mission definieren, von der die Mitarbeitenden überzeugt sind und mit der sie sich identifizieren können. Auch ein klarer „Purpose“, welcher als fundamentales Ziel eines Unternehmens angesehen wird und dessen Existenzberechtigung reflektiert, ist wichtig. Unternehmen müssen sich Klarheit über die Begrifflichkeiten verschaffen und entsprechende Statements definieren.[1] Bei der Formulierung ist darauf zu achten, dass sie einfach und inspirierend sind. Dazu gehören eine verständliche, triviale Sprache und eine inhaltliche Abstimmung zwischen den definierten Komponenten.

Des Weiteren ist es wichtig den Arbeitsalltag VUCA-gerecht und gemäß den Anforderungen der Mitarbeitenden zu gestalten. Es lassen sich elementare unternehmenskulturelle Maßnahmen und integrierte kulturelle Maßnahmen im Arbeitsalltag definieren. Zu den elementaren Maßnahmen gehört die Schaffung einer angenehmen Arbeitsatmosphäre und die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls. Diese ergeben sich durch den Aufbau von Vertrauen und integrierten kulturellen Maßnahmen im Arbeitsalltag. Mitarbeitende erwarten neben einer fairen Bezahlung, eine kollegiale angenehme Arbeitsatmosphäre, Wertschätzung und Freiräume, um die eigenen Potenziale zu entfalten, Ideen zu entwickeln und flexibel zu sein.

Des Weiteren spielen Offenheit und Transparenz in der Kommunikation eine entscheidende Rolle. Als besonders wichtig haben sich integrierte Events ­– zum Beispiel Weihnachtsfeiern, Teammeetings, aber auch virtuelle Events und Initiativen in Bereichen Diversity oder Mindfulness – im Arbeitsalltag erwiesen. Experten[2] sind sich einig, dass diese nicht nur der Bespaßung dienen, sondern das Gemeinschaftsgefühl stärken und der Aufrechterhaltung beziehungsweise Etablierung einer VUCA-gerechten Kultur dienen.

Um die Entwicklung hin zu einer VUCA-gerechten Unternehmenskultur beurteilen zu können, empfiehlt es sich, entsprechende Erfolgsfaktoren (KPIs) zu etablieren und regelmäßig zu überprüfen. So lässt sich der gewünschte Erfolg kontinuierlich messen. Außerdem sind die dauerhafte Pflege der Kultur und Mitarbeiterzufriedenheit wichtig, denn sie geben einen Hinweis zum Stand der Kultur und liefern Anhaltspunkte für notwendige Veränderungen. Beispielsweise ist es sinnvoll, mehrmals im Jahr eine Mitarbeiterbefragung durchzuführen, um auf deren Bedürfnisse schnell reagieren zu können. Als KPIs haben sich die Fluktuationsrate, die Mitarbeiterzufriedenheit, der Net Promoter Score[3], der Krankenstand, die Leitungsspanne und Leitungstiefe sowie die Frauenquote beziehungsweise Diversität[4] ergeben.

Unternehmenskultur als das Fundament eines Unternehmens

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Unternehmenskultur branchenunabhängig an Bedeutung gewinnt, jedoch insbesondere für IT-Unternehmen relevant ist. Denn sie sorgen auf ihre eigene Art und Weise durch neue Technologien und Ansätze für viel Veränderung im Markt. Dennoch lohnt es sich für Unternehmen aller Branchen, eine VUCA-gerechte Unternehmenskultur zu etablieren, da sie mitsamt ihren Komponenten der Schlüsselfaktor für organisationale Resilienz und langfristigen Unternehmenserfolg darstellt.

Über die Autorin

Giovanna Contino ist IT-Consultant bei der adesso SE und berät in erster Linie Unternehmen bei der Prozessoptimierung. Sie ist begeisterte Expertin in den Themengebieten Unternehmenskultur, Digitale Transformation, Agilität und Change-Management. Giovanna schloss ihr Studium in Business Consulting & Digital Management mit dem Master of Science ab. Im Rahmen ihrer Masterthesis beschäftigte sie sich mit Unternehmenskultur und entsprechenden Etablierungsmöglichkeiten.

Weitere Informationen unter:
www.adesso.de


Quellen:

[1]Vgl. Kienbaum Purpose Studie 2020, S. 12f.; https://www.aespire.com/blog/communications/the-difference-between-your-purpose-and-mission

[2]Im Rahmen einer qualitativen Forschung wurden neun Personen, u.a. Führungskräfte und HR-Mitarbeiter, renommierter IT-Unternehmen zum Thema Unternehmenskultur und VUCA befragt.

[3]Zeigt die Bereitschaft der Kunden/Mitarbeiter, das Produkt oder die Dienstleistung bzw. das Unternehmen an Familie oder Freunde weiterzuempfehlen. Durch den NPS kann die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit bzw. deren Loyalität gemessen werden.

[4]Geschlechts-, Bildungs- und Diversität in der Herkunft

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