Ungenutzte Technologie rettet Unternehmen in der Krise

Von Hans Roth*

Überlebensmodus „on“ heißt es derzeit für viele Unternehmen. Die Versorgungsketten leiden unter dem Druck der Inflation und dem Fachkräftemangel, steigende Lebenshaltungskosten lassen die Konsumlust der Verbraucher sinken. Zudem passiert der Klimawandel vor der eigenen Haustür. Und wäre das nicht schon genug, versetzen auch noch geopolitische Machenschaften wie Russlands Krieg in der Ukraine die Märkte in Angst und Schrecken. Wir leben in unsicheren und unberechenbaren Zeiten.

Führungskräfte könnten in Versuchung geraten, die Schotten dicht zu machen, um den Sturm zu überstehen. Das heißt, Wachstumspläne auf bessere Zeiten verschieben und das vorhandene Geschäft absichern. Es ist verständlich, dass Unternehmen jetzt größere Investitionen als riskant einstufen. Aber im Geschäftsleben geht es darum, ständig Fortschritte zu machen. Stillstand bedeutet Rückschritt, von dem sich Firmen möglicherweise nie wieder erholen.

Es gibt einen Mittelweg, bei dem sich Unternehmen weder aus der Gefahr herauskaufen, noch stehen bleiben müssen: indem sie sich ansehen, was sie haben. Dann erkennen sie, was sie brauchen.

Das Maximale aus vorhandener Technik herausholen

Ein optimaler Start ist die Bestandsaufnahme von Technologie und Software. In guten Zeiten holen wir nicht das Maximale aus unserer Technik heraus. Wir kaufen Geräte und setzen sie ein, um eine Aufgabe zu erfüllen, während andere Fähigkeiten ungenutzt bleiben. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem Firmen bereits Bezahltes in vollem Umfang nutzen können.  

Wenn Sie SaaS nutzen oder ein Abo für Open-Source-Software haben: Wissen Sie, welche anderen Funktionen mit der Subskription verbunden sind? Technischer Support, Sicherheitsupdates, Unternehmensberatung, Aus- und Weiterbildung, Networking, Analysen und die Mitwirkung an der Produktplanung des Anbieters könnten – oder sollten – einige der Funktionen des Abos sein.

Allzu leicht betrachten Unternehmen diese Leistungen als schmückendes Beiwerk und vergessen sie dann. Dabei könnten sie die Antwort auf die Frage sein, wie Firmen ihre technische Ausstattung optimieren und die IT kosteneffizienter betreiben können. Ein IDC-Bericht über den Wert der Red Hat Subscriptions zeigt, wie wichtig es ist, die Investitionen einer Subskription voll auszuschöpfen: Unternehmen mit einem Abo von Red Hat konnten ihre Betriebskosten über einen Zeitraum von drei Jahren um 35 Prozent senken, gaben an, dass ihre IT-Infrastrukturteams um 38 Prozent effizienter und ihre Entwicklungsteams um 21 Prozent produktiver waren.


Hans Roth, SVP und General Manager EMEA, Red Hat: „Die Unternehmen, die in Open-Source-Technologie und die damit verbundene Kultur investiert haben, waren besser auf die schwierigen Zeiten vorbereitet, die wir gerade erlebt haben.“ (Quelle: Red Hat)

Talente bei Mitarbeitenden entdecken

Danach folgt die Bestandsaufnahme bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Unternehmen sind oft zu sehr von Berufsbezeichnungen besessen. Dabei verraten diese nur einen Teil der Geschichte ­– nämlich was eine Person tut, nicht was sie tun könnte. Oft ist es einfacher und erfolgreicher, offene Positionen mit Angestellten aus den eigenen Reihen zu besetzen, als die Stelle auszuschreiben. Meiner Erfahrung nach kommen dabei immer wieder Talente zum Vorschein, von denen Firmen nicht einmal wussten, dass die Mitarbeiter sie haben. Sie qualifizieren sich dadurch auf einmal für Aufgaben, die heute wichtig sind.

Auch ein Netzwerk und Beziehungen sind in Krisenzeiten wichtig.  Kunden, Lieferanten, Agenturen, Technologiepartner – sie alle spüren wahrscheinlich den gleichen Druck wie Sie. Eine offene Kommunikation über die eigenen Herausforderungen lädt zu einem Dialog mit anderen ein. Durch den Austausch ergeben sich vielleicht Vorteile wie günstigere Vertragsbedingungen, ein Beitrag zur Produktentwicklung oder einfach eine zweite Meinung zu den Problemen, die Sie gerade meistern müssen. Durch Zusammenarbeit entsteht oft Erstaunliches.

Gemeinschaften sind hoch organisierte Ökosysteme

Dieser Austausch ist leichter, wenn Organisationen eine offene Kultur haben und Open-Source-Technologien einsetzen. Ein Open-Source-System ist anpassungsfähig und ermöglicht den schnellen Wechsel zwischen verschiedenen Infrastrukturumgebungen und das Erproben neuer Verknüpfungen zwischen interoperabler Software. In einer offenen Kultur sind Veränderung und Zusammenarbeit alltägliche Werte. Gemeinschaften sind kein ätherisches Konzept, sondern hoch organisierte Ökosysteme mit definierten Prozessen für die Zusammenarbeit.

Im Gegensatz dazu stehen Unternehmen, die auf einer starren, proprietären Technologie aufbauen, deren erster Instinkt die Geheimhaltung ist und in denen Veränderungen von Entscheidungen der Führungsebene abhängen. Das eine Modell gleicht dem Wenden eines Öltankers in einem Sturm, das andere einem Schwimmer, der in einem ruhigen Gewässer die Richtung ändert.

Die Unternehmen, die in Open-Source-Technologie und die damit verbundene Kultur investiert haben, waren besser auf die schwierigen Zeiten vorbereitet, die wir gerade erlebt haben: 92 Prozent der IT-Leiter sind der Meinung, dass Open-Source-Lösungen für Unternehmen wichtig waren, um die Probleme während der Pandemie zu bewältigen.

Die Herausforderungen, mit denen Unternehmen konfrontiert sind, sind vielfältig und komplex. Es ist noch gar nicht so lange her, dass Firmen mit der schwersten globalen Finanzkrise seit der Großen Depression der 1930er Jahre konfrontiert waren. Vor kurzem tauchte Covid-19 aus dem Nichts auf und brachte unser Leben völlig durcheinander. Hinzu kommen lokale Krisen – der Sturz von Regierungen, der Zusammenbruch von Währungen, Überschwemmungen und Waldbrände. Die Lektion lautet, dass Unternehmen immer mit dem Unerwarteten rechnen müssen. Bereiten Sie sich jetzt also auf die Flexibilität vor, die Sie unweigerlich brauchen werden.

* Hans Roth ist SVP und General Manager EMEA, Red Hat


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