Transformation bedingt einen Kulturwandel

Folge I: Widerstand

Von Carsten Rust, Digital Transformation Director EMEA, Pegasystems

Zu den vier Fundamentalkräften der Physik gesellt sich eine weitere Universalkraft: Widerstand. Ihre Wirkung besteht darin, Dinge so zu belassen, wie sie sind, um jegliches Handeln, Kreativität und Fortschritt zu verhindern – so eloquent hat sie zumindest der Schriftsteller Steven Pressfield beschrieben. Ihr Wirkungskreis ist ganz besonders bei Transformationsvorhaben verbreitet; gerade dort kann diese Universalkraft ganz erheblichen Schaden anrichten.

Carsten Rust, Digital Transformation Director EMEA, Pegasystems

Wir entwickeln uns hin zu einer hyperdigitalisierten Gesellschaft, und Unternehmen haben gar keine andere Wahl, als sich zu transformieren. Die Erkenntnis ist mittlerweile auch in den Führungsetagen angekommen, und so entstehen unter ihrer Anordnung zahlreiche Taskforces, Thinktanks und Innovations-Labs. Digitalisierungsteams in stillgelegten Fabrikhallen und leeren Garagen beauftragen externe Transformationsberater in der Hoffnung, die zündende Idee oder das magische Rezept geliefert zu bekommen. Der anfänglichen Begeisterung folgt im Transformationsentwicklungsszyklus oft die Resignation, weil Maßnahmen ins Stocken geraten und die wirklichen Erfolge ausbleiben, und immer häufiger stellt sich Innovationsmüdigkeit quer durch die Organisationen ein. Das Phänomen hat der auf Innovation spezialisierte Professor Alf Rehn treffend beschrieben, und in die gleiche Kerbe schlägt auch Stanford-Professor Steve Blank, wenn er vom Innovationstheater der Unternehmen spricht. Irgendetwas läuft also grundlegend schief.

Machen sich Unternehmen etwas vor? Betreiben sie Aktionismus, lediglich der Sache Willen? Haben Sie die Digitale Transformation möglicherweise gar nicht begriffen, weil sie zu komplex ist oder zu viele Faktoren sie beeinflussen? Immer wieder postulieren Experten jedenfalls, Leadership sei der wichtigste Erfolgsfaktor für die Digitalisierung, aber das Thema ist ja längst in den Vorstandsetagen angekommen.

Allein: Die Führungsqualität reicht nicht aus, wenn sie auf klassischen Managementmethoden und der Business-as-usual-Maxime beruht. Denn Digitalisierung erfordert einen radikal neuen Ansatz, schließlich revolutioniert sie Unternehmen und Organisationen, Supply-Chains, Märkte und sogar das Verhalten von Zielgruppen.

Leader müssen sich dieser rapiden Entwicklung anpassen und, besser noch, sie antizipieren. Sie müssen neue Wege finden, wie die anstehende Transformation motiviert und umgesetzt wird – sonst kommt es zum Widerstand der Mitarbeiter. Viele möchten die Dinge so belassen, wie sie sind, haben Zweifel oder sogar Angst vor der Veränderung. Die Reaktion ist oft, Zynismus und neues Handeln wird verhindert, so dass Kreativität und Innovation auf der Strecke bleiben. Der Preis dafür ist hoch in einem globalen Wettbewerb mit aggressiven Playern und hungrigen Start-ups, die alles dafür geben, um die Märkte zu ihren Gunsten zu verwandeln.

Am Ende bleibt Leadern nichts anderes übrig, als sich mit dem instinktiven Widerstand auseinanderzusetzen und zu ergründen, warum an Altem festgehalten wird – trotz aller gewichtigen Argumente, die dagegensprechen. Sie müssen lernen, mit der neuen Realität umzugehen, und das heißt eben nicht, Transformation einfach nur par ordre du mufti anzuordnen, wie sie es in der Vergangenheit getan haben. Sie werden sich überwinden müssen, ihren Mindset zu verändern, ihren bisherigen Führungsstil über Bord zu werfen und lernen, Potenziale zu erkennen und Mitarbeiter zu inspirieren. Auf der Agenda stehen zahlreiche Punkte, die eine tiefgreifende Modifikation ihres Verhaltens verlangen. Dazu gehört auch, etablierte und erfolgreiche Geschäftsmodelle infrage zu stellen; Kritik ihrer Mitarbeiter anzunehmen; den Blick auf künftige Kunden zu schärfen; Profitdenken gegenüber einer besseren Werteorientierung abzuwägen; und Probleme mit neuen Methoden zu lösen.

In Anlehnung an Michelangelo bezeichnen wir einen solchen Führungsstil als Artisan Leadership. Wie ein Kunsthandwerker formen Führungskräfte die Innovationskultur als hoch qualitatives Werkstück mit viel Liebe fürs Detail. Kreativität spielt dabei eine unverzichtbare Rolle, und sie muss tief in die Unternehmensprozesse integriert werden.

So wird den Chefetagen ein grundlegender Kulturwandel abverlangt, um den Paradigmenwechsel der Digitalisierung erfolgreich zu gestalten und den Widerstand im Unternehmen zu überwinden.


Dieser Beitrag ist Teil einer Serie. Die weiteren Teile sind:

Wir werden diese in den nächsten Tagen veröffentlichen und natürlich hier verlinken.

Weitere Informationen unter:
www.pega.com/de

2 Kommentare

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  1. […] Transformation bedingt einen Kulturwandel […]

  2. […] und Führungskräfte müssen bereit sein, dafür ihre inhärenten Widerstände aufzugeben (siehe Folge I dieser Kommentarserie). Einfach ist das nicht immer, aber vielleicht hilft ja auch hier die erhöhte Interaktion beider […]

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