Revolution unseres Finanzsystems oder Wildwuchs? Die Zahlungsmittel im Metaverse

Adrian Fritz ist Research Associate bei 21Shares, ein in der Schweiz ansässiger Emittent für Krypto-ETPs. Im nachfolgenden Gastbeitrag zeigt er Perspektiven auf für auf Kryptowährungen basierenden Zahlungsmitteln bzw. dem Zahlungsverkehr im Metaverse.

Große Marken streben in das Metaverse, die neuen virtuellen Marktplätze des aufstrebenden dezentral aufgebauten Internets. Mithilfe der Blockchain entstehen dort zahlreiche Anwendungen rund um den E-Commerce, Spiele, Medien, Musik, Mode oder Kunst. Genauso vielfältig wie die Anwendungen sind allerdings auch die dort im Umlauf befindlichen Währungen. Könnten sie unser gewohntes, zentrales Währungssystem revolutionieren?

Metaverse – für dieses Wort gibt es keine festgelegte Definition. Dennoch weckt es sofort Assoziationen von virtuellen, videospielähnlichen Welten, in denen sich Nutzer treffen, austauschen, miteinander handeln und sogar gemeinsam arbeiten. Große Unternehmen wie Meta (vormals Facebook) versuchen, diese Idee mit ihren eigenen Projekten für sich zu vereinnahmen, und doch ist die Dezentralität für viele eine der wichtigsten Bestandteile der Metaverse-Vision: Schließlich sind es Anwendungen auf Basis dezentraler Blockchain-Technologie wie Decentraland und Sandbox, die den Aufbau und die Innovationsdynamik vieler verschiedener Metaverse-Projekte oder „Metaverses“ wesentlich prägen – und eben diese Technologie ist auch der Grundpfeiler für die dort stattfindenden Zahlungen für eine Vielzahl von Produkten und Dienstleistungen – zum Beispiel virtuelle Grundstücke, Kunstwerke oder Musikstücke, oftmals in Form von Non-Fungible Token (NFTs).

Kurz gesagt: Es geht um die Monetarisierung von digitalen Inhalten. Zugleich bieten Metaverse-Projekte auch ein vielversprechendes Werbepotenzial, von dem etablierte und aufstrebende Unternehmen profitieren können: Durch eine Metaverse-Präsenz erhalten sie die Möglichkeit, Kunden ihre Produkte und Dienstleistungen auf immersive und interaktive Weise zu präsentieren – so wie die Sportartikelhersteller Adidas und Nike, die 2021 ihre ersten virtuellen Sneaker im Metaverse verkauften.

Adrian Fritz von 21Shares beurteilt im Artikel die Vor- und Nachteile von Kryptowährungen als Bezahlverfahren.

Bis zu 800 Milliarden Dollar könnte die Wirtschaft des Metaverse Schätzungen zufolge 2024 wert sein. Neben den großen Namen wie Axie Infinity, Decentraland oder NFT Worlds gibt es hunderte weitere Unternehmen, die an eigenen Metaverse-Projekten arbeiten. Die Transaktionen, die dort stattfinden, werden in vielen Fällen mit den „hauseigenen“ Währungen durchgeführt: In dem im Februar 2020 eröffneten Decentraland wird mit MANA bezahlt, einem auf der Ethereum-Blockchain* basierenden Krypto-Token. Die virtuelle Blockchain-Plattform The Sandbox – 2021 vom Unternehmen Animoca Brands ins Leben gerufen – setzt auf SAND, das ebenfalls auf Ethereum aufbaut. Als auf Ethereum basierende Token unterstützen sie den sogenannten ERC20-Standard und sind damit „interoperabel“ – sie können also mit allen anderen ERC20-Token getauscht und auf allen Plattformen gehandelt werden, die denselben Standard unterstützen. Von den rund 20.000 Kryptowährungsprojekten, die weltweit existieren, sind das rund 950. Neben Kryptowährungen können auch NFTs selbst ein Zahlungsmittel darstellen, in dem sie mit anderen getauscht werden.

Peer-to-Peer-Natur reduziert Transaktionskosten

Zahlungen in Form dieser Assets mögen gegenüber konventionellen Transaktionen mit einigen Hürden aufwarten – so muss erst über eine Kryptobörse von Fiatwährung in Krypto umgetauscht werden, bevor eine Zahlung getätigt werden kann. Die Kryptoassets selbst unterliegen oft größeren Kursschwankungen, was dazu veranlassen kann, beim Umtausch auf einen „günstigen Moment“ zu warten. Zugleich bieten sie jedoch Vorteile: Zum einen sind Krypto-Zahlungen global und über Ländergrenzen hinweg in Echtzeit durchführbar und aufgrund der Peer-to-Peer-Natur der Blockchain werden keine Transaktionsgebühren von Banken erhoben, wenngleich Gebühren in Form der sogenannten „gas fees“ anfallen. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch ihre hohe Sicherheit und Anonymität aus, die durch die hohe kryptografische Absicherung, dezentrale Struktur und der Verifizierbarkeit auf der öffentlich einsehbaren Blockchain, die Transaktionen aber keine zugehörigen Namen speichert, zustande kommt.

Mit seinen virtuellen, oft spielerisch anmutenden Welten mag das Metaverse-Konzept in der öffentlichen Wahrnehmung unterschiedlich aufgenommen werden. Die in den verschiedenen Metaverse-Projekten stattfindenden Transaktionen für virtuelle Grundstücke, Tickets für virtuelle Events oder virtuelle Kunst sind Grundpfeiler einer im Entstehen befindlichen Wirtschaft, in der profitorientierte Händler und technikbegeisterte „Early Adopter“ erste Schritte hin zu einer auf Teilnahme und Mitgestaltung basierenden Wirtschaft mit dezentraler Transaktionsstruktur wagen. Hierbei entstehen hunderte Metaverse-Projekte mit tausenden von Kryptowährungen, von denen sich nicht alle etablieren werden. Klar ist jedoch eines: Die technologische Infrastruktur und Innovationen, die rund um das Konzept entstehen, könnten Vorbote für die Anwendung von sicheren, transparenten und dezentralen Transaktionslösungen im „realen“ Leben darstellen.

* Ethereum selbst stellt das weltweit zweitgrößte Kryptoasset dar.


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