Ressource Wasser

Dürre und extreme Hitze bedrohen Mensch und Natur weltweit. Höchste Zeit für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem lebenswichtigen Element.

Im Juni kommt es jedes Jahr in Kambodscha zu einem einzigartigen Naturereignis. Als liefe die Zeit rückwärts wechselt der Tonle-Sap seine Fließrichtung. Anstatt sich in den Mekong zu entleeren, wird er in der Zeit des Monsuns von diesem gespeist und fließt zurück zu seiner Quelle, dem Tonle-Sap-See. Der größte See Südostasiens vergrößert in dieser Zeit sowohl seine Fläche als auch seine Tiefe um etwa das Fünffache und bedeckt knapp ein Drittel der gesamten Fläche Kambodschas. Das wichtigste Süßwasservorkommen Kambodschas wurde wegen seiner ökologischen Vielfalt von der Unesco zum Biosphären-Reservat ernannt. Nährstoffe aus dem Mekong schaffen ideale Lebensbedingungen und machen den See zu einem der fischreichsten Gewässer der Welt. Das Königreich der Khmer, dessen Zentrum Angkor nur wenige Kilometer entfernt lag, wäre ohne den Wasser- und den damit einhergehenden Nahrungsreichtum vermutlich nie entstanden. Der Tonle-Sap, der übersetzt so viel bedeutet wie „Großer Süßwasserfluss“, steht damit stellvertretend für die Bedeutung der Ressource, zeigt er doch auf, wie essenziell der Zugang zu sauberem Wasser für Überleben und Entwicklung ist.

Ein regelmäßiger Zugang zu sauberem Wasser bleibt weltweit jedoch 2,2 Milliarden Menschen verwehrt. Zwar sind mehr als zwei Drittel der Erde mit Wasser bedeckt, doch weniger als drei Prozent davon sind trinkbar. Rund 785 Millionen Menschen haben noch nicht einmal eine Grundversorgung mit Trinkwasser. Der Klimawandel verschärft die Situation noch. „Wenn wir nicht bald handeln“, prognostiziert Unicef, „wird bis 2040 fast jedes vierte Kind der Welt in einem Gebiet leben, welches von extremer Trockenheit betroffen ist.“

Dürre, ausgetrocknete Flüsse, Versorgungsengpässe – auch in Deutschland beschäftigt die zunehmende Wasserknappheit die Politik. Drei Dürresommer in Folge ließen Felder vertrocknen und vernichteten knapp 280 000 Hektar Wald. Der Schiffsgüterverkehr musste aufgrund des niedrigen Pegels selbst auf dem Rhein teilweise eingestellt werden. Der Niederschlag im Winter reichte nicht aus, die Dürre der Sommermonate aufzufangen. Im Juni stellte Umweltministerin Svenja Schulze daher ihre „Nationale Wasserstrategie“ vor. Ein Konzept, welches zumindest bis 2050 eine ausreichende Versorgung mit Trinkwasser in Deutschland sicherstellen soll. Besonders bedroht in Deutschland sind ohnehin niederschlagsarme Gegenden wie Brandenburg, aber auch Gebiete in der Nähe von Großstädten. Um Frankfurt herum sterben die Wälder, weil viel Grundwasser für die Versorgung der Stadt benötigt wird. „Obwohl viele denken, Deutschland sei ein eher nasses Land, in dem es oft regne, steuern wir auf einen Wassermangel zu.“ Um das zu verhindern, müssten alle Betroffenen zusammenarbeiten, warnt Prof. Martina Flörke vom Lehrstuhl für Ingenieurhydrologie und Wasserwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum.

„Ein wichtiger Punkt, um eine nachhaltige Entwicklung beim Wassermanagement weiter voranzutreiben, ist die Digitalisierung.“

Knapper werdende Ressourcen sind schon immer ein spannendes Thema für Börsianer. Schätzungen zufolge ist der globale Wassermarkt 375 Mrd. US-Dollar wert und wächst jährlich um vier bis fünf Prozent. Wer mit gutem Gewissen ein Investment ins „blaue Gold“ tätigen möchte, kann dies über einen ETF, der den Solactive-Clean-Water-Index nachbildet, machen. Ziel der Zusammenstellung ist die Abbildung der Wertentwicklung von Unternehmen, die sich durch technologische, digitale oder andere Dienstleistungen aktiv an der Wasseraufbereitung und -versorgung beteiligen. Allein im letzten Jahr verzeichnete der Index einen Wertzuwachs von 50,02 Prozent (Stand: 13.09.2021).


Monsunzeit am Mekong: Der frische Schwemmsand, der den Tonle-Sap-See mit Nährstoffen versorgt, ist immer häufiger verschmutzt.


Für ressourcenschonende und effiziente Anlagenlösungen zur Wasseraufbereitung setzt sich auch die EnviroChemie GmbH ein. „Beim nachhaltigen Wassermanagement betrachten wir den gesamten Lebenszyklus einer Anlage zur Wasseraufbereitung oder Abwasserbehandlung und deren komplette Umgebung“, erläutert ihr Geschäftsführer Dr. Jörg Krause. Dabei prüft das Unternehmen Recyclingmöglichkeiten für Wasser und Rohstoffe und die Verwertbarkeit von Reststoffen. Zusätzlich werden in einer der modernsten Regenerierstationen Europas Ionenaustauscherharze für die Wasservoll- und -teilentsalzung ressourcenschonend auf­bereitet. Der komplette Regenerationsprozess wird mit einem umfassenden Wasserrecyclingkonzept betrieben.

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Ein wichtiger Punkt, um eine nachhaltige Entwicklung beim Wassermanagement weiter voranzutreiben, ist die Digitalisierung. „Ziel ist es, die Effizienz und Effektivität bestehender Prozesse zu verbessern und neue Prozesse einzuleiten“, heißt es hierzu im Abschlussbericht zur Nationalen Wasserstrategie. „Digitale Tools und zunehmend KI“, konkretisiert Dr. Krause, „helfen, die Anlagen auch bei sich änderndem Wasserbedarf für die Produktion mit optimalen Einstellungen zu fahren. Das führt zu einer deutlichen Reduzierung des CO2- und Wasserfußabdrucks. Selbstlernende Systeme gewinnen zunehmend an Bedeutung, weil sie Störungen vorausschauend unterbinden, Reaktionszeiten verkürzen und Anlagenbediener noch stärker unterstützen können.“


Effiziente Lösungen zur Wasseraufbereitung wären auch für den Tonle-Sap-See wichtig. Der frische Schwemmsand aus dem Mekong ist heute immer häufiger verschmutzt. Vor allem Abwässer aus den Industrieanlagen in Thailand und der Volksrepublik China sind hierfür verantwortlich. Hinzu kommt, dass zum Fischen im Tonle-Sap-See Granaten, Batterien oder Gift eingesetzt wird. Auch Nylonnetze werden quer durch den Tonle-Sap gespannt. Hier wie überall wird es daher Zeit, dass sich etwas ändert.

von Andreas Fuhrich

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