Request to Pay wird eine Erfolgsgeschichte

Autor: Marc Bröking*

Mit dem neuen Verfahren Request to Pay können Unternehmen Rechnungen an Kunden schicken und gleichzeitig Zahlungsvorgänge initiieren. Es wird damit zu einer erheblichen Prozessbeschleunigung beitragen. Die flächendeckende Nutzung des neuen Standards für die Zahlungsanfrage und -aufforderung ist deshalb nur eine Frage der Zeit.

Zahlungspflichtige erhalten Rechnungen in der Regel per Post oder E-Mail, die sie per Überweisung begleichen. Eine Alternative hierzu bietet der neue vom EPC (European Payment Council) konzipierte Standard RTP (Request to Pay), dessen Regelwerk am 15. Juni 2021 in Kraft getreten ist. Das Verfahren ermöglicht Zahlungsempfängern, aktiv eine elektronische Zahlungsanfrage an einen Zahlungspflichtigen auszulösen.

Die RTP-Konzeption und -Einführung steht im Kontext der zunehmenden Bedeutung des mobilen Bezahlens, das im Mittelpunkt des aktuellen Kauf- und Zahlungsverhaltens steht. Kartensysteme waren dabei der Anfang, kontobasierte Lösungen sind der nächste Schritt. Und mit Request to Pay wird eine neue Autorisierungsmöglichkeit in der Zahlungsinfrastruktur für Konto-zu-Konto-Transaktionen geschaffen.

Marc Bröking, Director Digital Payments, Business Consulting bei CGI

Ein Klick bis zur Überweisung

Der RTP-Prozess ist denkbar einfach: Der Zahlungsempfänger übermittelt an den Kunden eine elektronische Nachricht mit der Zahlungsaufforderung. Sobald der Zahlungspflichtige diese Nachricht erhält, kann er mit einem einzigen Klick auf dem Smartphone die Zahlungsanfrage akzeptieren – oder auch ablehnen. Anschließend muss er die Transaktion nur noch autorisieren, sodass seine Bank die Überweisung tätigen kann.

In einen typischen RTP-Prozess sind somit vier Akteure involviert: der Zahlungsempfänger und der Zahler sowie die Banken der beiden Parteien. Technisch betrachtet liegt die Herausforderung für die RTP-Umsetzung deshalb hauptsächlich in der Bereitstellung der nötigen Schnittstellen, um den Nachrichtenfluss unter den beteiligten vier Parteien sicherzustellen.

Sobald aber Banken und Zahlungsabwickler RTP als API (Application Programming Interface) anbieten, wird eine Infrastruktur vorhanden sein, die die Zahlungsabwicklung in Europa deutlich vereinfacht. Außerdem steht damit dann eine Alternative zu Kreditkarte, Lastschrift oder zu Bezahldiensten wie PayPal oder Apple Pay zur Verfügung.

Von der E-Rechnung bis zum mobilen Bezahlen

In der ersten Phase wird RTP vermutlich primär für das Auslösen von Überweisungen und bei E-Commerce-Transaktionen genutzt. Darüber hinaus bietet das Verfahren aber auch die Möglichkeit, den Zahlvorgang im stationären Handel um eine weitere Methode zu erweitern.

Große Versicherungen etwa versenden monatlich Tausende von Rechnungen per Post oder E-Mail. Werden die Rechnungen als RTP-Nachricht übermittelt, können Empfänger die Daten an ihrem Mobilgerät sofort prüfen und für die Zahlungsinitiierung übernehmen. Die Nutzer verwenden dabei ihr bekanntes Banken- Authentifizierungsverfahren. Analog kann eine Zahlungsabwicklung auch im E-Commerce erfolgen.

Auch im Retail bietet RTP eine bankgeprüfte Zahlungsalternative. Die RTP-Initiierung mit dem Mobilgerät eines Käufers kann über NFC oder einen QR-Code erfolgen. Die RTP-Nachricht wird mit digitalem Beleg von der Händlerbank dann an die Bank des Käufers weitergleitet, der den RTP genehmigt und die Überweisung einleitet.

Digitaler Bezahlkomfort

RTP bietet zahlreiche Vorteile. Das digitale Verfahren und Belegmanagement erfordern weniger Papier, verursachen geringere Kosten und reduzieren die Fehlerquote. RTP hilft sowohl Unternehmen als auch Kunden, Bezahlvorgänge schneller, komfortabler, übersichtlicher und sicherer abzuwickeln.

Die digitale Abbildung von Rechnungs- und Bezahlvorgängen führt zu einer deutlichen Prozessoptimierung. Rechnungsteller können mit RTP zum Beispiel ihr Forderungsmanagement optimieren, da ein Zahlungsstatus immer transparent vorliegt. Für Zahlungspflichtige entfällt die zeitaufwändige und fehleranfällige Aufgabe, Rechnungen manuell in ein ERP-System oder eine Banking-Applikation einzugeben.

Im E-Commerce können durch RTP kostenintensive Scoring- und Adressverifizierungen reduziert werden, die bei Kreditkarten- oder Lastschriftzahlungen anfallen. Im POS-Handel ist mittels RTP und SEPA Instant Credit Transfer ein alternatives Zahlungsmittel via Smartphone realisierbar, das unabhängig von internationalen Systemen die europäische Infrastruktur der Banken nutzt. Die Übertragung eines RTP mittels NFC ermöglicht dem Händler, eine sofortige Zahlungszusage anzufragen, und Kunden, ohne den Einsatz einer Karte eine Zahlung vom Konto durchzuführen.

>>>


Ausführliche Informationen finden Sie im
Whitepaper

Request-to-Pay APIs: Arterien für die
„Retail Payments Strategy Agenda” in Europa


Banken als Nutznießer

Gerade Finanzinstitute können vom RTP-Standard erheblich profitieren. Er bietet die Möglichkeit, eine neue Infrastruktur für ein europäisches Zahlungsverkehrssystem zu schaffen. Auf dieser Basis können Banken Services für Unternehmen entwickeln, um deren Cash-Management-Prozesse weiter zu vereinfachen. Die Erweiterung des Serviceangebotes trägt zudem auch zur Stärkung der Kundenbindung bei. Nicht zuletzt ist denkbar, dass Finanzinstitute künftig neben den Kartensystemen zum Zahlungsabwickler am POS (Point of Sale) und im Internet werden, um eigene Angebote für den Handel und seine Payment Service Provider zu entwickeln.

Die Vorteile, die das Verfahren RTP bietet, wird dazu führen, dass es mittelfristig ein wichtiger zusätzlicher Service im Zahlungskontext sein wird. Vor allem Unternehmen mit einem hohen Rechnungs- und Lastschriftanteil, der E-Commerce, Banken und Zahlungssystemanbieter werden bereits in naher Zukunft das Thema aufgreifen. Wie schnell sich der neue Standard durchsetzt, wird auch davon abhängen, welche Preismodelle gewählt werden. Ein Erfolgsgarant wäre, wenn das Bestellerprinzip weiterhin gelten würde und die Händler von attraktiveren Systemkosten profitieren können. Schließlich sind sie schon heute mit Kosten im Zusammenhang mit Zahlungsvorgängen konfrontiert, seien es Kreditkarten, Sofortüberweisungen oder das Giropay-Bezahlverfahren.

Weiterführende Informationen

CGI unterstützt Banken und Unternehmen bei der zielorientierten und gewinnbringenden RTP-Umsetzung. Das CGI-Angebot umfasst dabei Beratung, Konzeption und fachliches Projektmanagement. Gemeinsam mit dem Fintech Ordo hat CGI bereits ein umfassendes RTP-Projekt in England u.a. für einen großen Energieversorger umgesetzt. Dabei hat CGI eine RTP-Service-Plattform gebaut, die eine intelligente, einfache, kostengünstige und risikolose Zahlungsanforderung unterstützt. CGI plant ein europaweites Ausrollen dieser Lösung.

Marc Bröking steuert als Director Digital Payments die strategische und operative Entwicklung von Digital-Payment-Lösungen im Bereich Business Consulting von CGI. Marktveränderungen, die sich durch die Europäische Payment-Initiative (EPI), Request to Pay (RTP) oder durch Instant Payment ergeben, spielen für sein Service Engineering bei Banken, Zahlungsinstituten und Prozessoren eine essenzielle Rolle.

Bröking vertritt CGI im Arbeitskreis Zahlungsverkehr des EHI Retail Institute und arbeitet in der Multi-Stakeholder-Gruppe des European Payment Council (EPC) an der Entwicklung von SEPA Request to Pay (SRTP) in Brüssel mit.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.