„Natürliche Autorität plus Digitalkompetenz“

Die TREND-REPORT-Redaktion sprach mit Prof. Dr. Heiko Seif und Harald Ostermann von der Munich Business School zum neuen CDO-Programm. Hier können sich Führungskräfte aus den Unternehmen, die an den entscheidenden Stellen im Kontext der digitalen Transformation, sitzen, weiterbilden und genau die Expertise und Fachpraxis gewinnen, die sie brauchen, um Strategien im digitalen Wandel zu generieren und zu etablieren.

Welche Intention steht hier dem CDO-Programm Ihres Hauses?
Prof. Dr. Heiko Seif: Wir haben uns sehr intensiv mit den Gründen und Ansätzen für ein CDO Programm auseinandergesetzt – gerade, weil es bereits unterschiedlichste Angebote zum weiten Themenfeld der Digitalisierung gibt. Dazu haben wir uns als Munich Business School (MBS) gemeinsam mit Experten der Harvard University und der Innovationswerkstatt aus Amberg tiefergehend mit der Thematik beschäftigt, wie die Unternehmen die aktuell wohl größten Herausforderungen rund um die Digitalisierung meistern. Herr Ostermann, Geschäftsführer der Innovationswerkstatt, meint, dass die meisten Unternehmen die genaue Bedeutung der digitalen Transformation für Ihr eigenes Unternehmen nicht kennen. Seiner Meinung nach sprechen wir oft sehr allgemein über das Thema Digitalisierung, aber sehr selten von konkreten Maßnahmen für ein Unternehmen, das sich die Digitalisierung zu Nutze machen will. Ich, der als Forschungsdekan der MBS in enger Abstimmung mit der Harvard University stehe, denke sogar, dass das Thema viel zu abstrakt diskutiert wird. Meiner Meinung nach sollte man die Begrifflichkeit „Digitalisierung“ zunächst entmystifizieren. In den meisten Fällen zeigt sich, dass die Digitalisierung für Unternehmen gar nicht die dramatischen Konsequenzen hat, die laut Beraterstudien und berühmten digital-disruptiven Einzelfällen wie Uber oder Airbnb drohen. Das Kernprodukt eines Unternehmens bildet aus Sicht der Kunden in den meisten Fällen auch nach der Digitalisierung die Basis seines Geschäfts. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass es bei der Digitalisierung nicht in erster Linie um die Ausschöpfung von Möglichkeiten der Informationstechnologie geht – sondern darum, unter Anwendung digitaler Hilfsmittel auf die Veränderungen von Kundenbedürfnissen zu reagieren und Ihnen einen verbesserten Mehrwert zu bieten. Das bedeutet, dass zu Beginn von Digitalisierungsinitiativen zunächst die Marktentwicklung auf Basis von veränderten Kundenbedürfnissen verstanden werden muss. Mit diesem Aspekt hat man natürlich eine ganz andere Herangehensweise an das Thema Digitalisierung. Die meisten Unternehmen fokussieren sich zu früh darauf, welche Potenziale sich wohl durch die Digitalisierung in den Geschäftsprozessen oder im Geschäftsmodell ergeben könnten. Diese Prämisse ist an sich nicht falsch, führt aber häufig zu Frustration bei Mitarbeitern, da sie durch eine damit verbundene Umstrukturierung einen deutlichen Mehraufwand und neue Tätigkeitsfelder bekommen, ohne den tieferen Sinn dahinter zu verstehen. Damit verbunden ist der Umstand, dass die Mitarbeiter keinen inneren, eigenen Antrieb verspüren, mit Freude diese Herausforderungen anzugehen. Das CDO-Programm wurde so konzipiert, dass sowohl der Einstieg in die Digitalisierung auf Basis von Erkenntnissen über Kunden und Markt gelingt als auch die weiterführende digitale Transformation mit einem motivierenden digitalen Arbeitsumfeld. Wir finden das Prinzip von Antoine de Saint-Exupéry hierbei sehr treffend und erfolgsversprechend: Die Sehnsucht nach dem großen, weiten Meer und den aussichtsreichen Zielen motiviert die Leute einfach deutlich mehr, als eine Handlungsanleitung, wie man die schönsten Schiffe baut.

Welche Themenfelder decken Sie mit dem Studiengang konkret ab?
Harald Ostermann: Mit unseren Erfahrungen der letzten zwei bis drei Jahre aus unseren Projekten zum Forschungstransfer der Digitalisierung in die Industrie in Zusammenarbeit mit der Innovationswerkstatt haben wir erkannt, dass der entscheidende Aspekt die Identifikation von unbefriedigten Bedürfnissen bei den Kunden darstellt. Das Verhalten unserer Kunden, die Werte und die Erfahrungen haben sich in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die Nutzung digitaler Medien stark verändert. Dabei stellt sich die Frage, welche Wünsche und Probleme die Kunden bei der Ausübung Ihrer veränderten Tätigkeiten haben. Wie können wir aufgrund der neuen digitalen Möglichkeiten jenen Kunden helfen, diese Herausforderungen besser zu meistern als bisher? Es müssen nicht unbedingt die immer wieder proklamierten gravierenden Veränderungen sein, um auf diese Frage eine gute Antwort zu finden. Erste Erfahrungen im Rahmen von erfolgreichen digitalen Transformationen haben gezeigt, dass sich der Kern des originären Produkts oder der Service kaum verändert, vielmehr wird jedoch häufig der Nutzen oder die Leistungsfähigkeit eines bestehenden Angebotes durch digitale Möglichkeiten deutlich erweitert.
Prof. Dr. Heiko Seif: Natürlich müssen interne Strukturen eines Unternehmens neu ausgerichtet werden, damit die neuen Values den Kunden gewinnbringend angeboten werden können. Des Weiteren geht es darum, die Teams in Unternehmen mit attraktiven Zielen für die digitale Mission zu gewinnen, anstatt sie mit zusätzlichen Projekten zu belasten. Dabei geht es darum, dass sie die Notwendigkeit zu Veränderungen von sich aus erkennen und die Implementierung auch realisieren wollen, anstatt dazu „gezwungen“ zu werden. Einen solchen Strategy-Culture-Fit sehen wir als Leiter des Programms als die größte Herausforderung an. Dafür setzen wir frisch bewährte methodische und didaktische Lösungsansätze ein, um eine Anschlussfähigkeit der Digitalisierung an das jeweilige Unternehmen herzustellen und einen intrinsisch motivierten Zug entstehen zu lassen, damit die Digitalisierung bei den Unternehmen in der Breite gelingt. Ein entscheidender Erfolgsfaktor im CDO-Programm ist zum einen, dass die Ausbildung projektbasiert an einem internen, realen Entscheidungspapier des eigenen Unternehmens geschieht und zum anderen greifbare nachvollziehbare Maßnahmen erarbeitet werden, die eine maßgeschneiderte digitale Transformation ermöglicht. Dabei empfehlen wir, an überschaubaren Keimzellen im Unternehmen zu arbeiten und sukzessiv weiterzuentwickeln und nicht die komplette Organisationsstruktur mit fundamentalen Veränderungen zu überlasten.

Welchen Nutzen ziehen Unternehmen konkret aus dem Programm?
Harald Ostermann: Zunächst wird im Rahmen des CDO-Programms aufgeräumt mit dem Mythos „Digitalisierung“ und konkrete Ansatzpunkte zur wirksamen digitalen Transformation werden aufgezeigt. Das beinhaltet eine schnelle Bestandsaufnahme zum aktuellen Status quo der Digitalisierung im jeweiligen Unternehmen auf Basis eines vertraulichen, persönlichen Austauschs zwischen den Teilnehmern und den Dozenten sowie die Identifizierung der ersten Keimzellen der Digitalisierung. Über ein schlüssiges Methodenset wird der Weg aufgezeigt, wie ausgewählte Keimzellen im Unternehmen zu schnellen, agilen Organisationseinheiten werden, die dann von der Digitalisierung profitieren.
Prof. Dr. Heiko Seif: Im Rahmen der Ausbildung wird an realen Fällen der jeweiligen Unternehmen gearbeitet, insbesondere die Identifizierung von neuartigen Geschäftsmöglichkeiten durch digitale Hilfsmittel steht dabei im Vordergrund. Dazu wird ein konkretes, überschaubares Projekt aufgesetzt, das aufzeigt, wie das Thema Digitalisierung im Unternehmen realisiert werden kann. Das Thema Digitalisierung wird dadurch greifbar und verständlich gemacht. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass man sich um die entscheidenden Basics kümmern wird, anstatt in einen unkoordinierten Aktionismus mit vielen Strohfeuern zu verfallen.
Harald Ostermann: Das Unternehmen erhält nach dem CDO Programm eine fundiert ausgebildete Führungskraft, die aus dem eigenen Unternehmen kommt, für das Neue brennt und somit als Brückenbauer hin zum digitalen Zeitalter bei der Geschäftsführung Akzeptanz findet. Mit der Kenntnis der grundlegenden Prinzipien der Digitalisierung bringt der CDO den Zeitgeist ins Unternehmen und entwickelt die bestehende Firmenkultur weiter. Anstatt Experten von außen, die sich zunächst in die Organisation einfügen müssen kommen hier Experten zurück ins Unternehmen, die bereits eine natürliche Autorität in den Strukturen besitzen – und somit leichter ihre neu erworbenen Digitalkompetenzen in die Umsetzung bringen können.
Als ein wesentliches Ergebnis entsteht am Ende des Programms ein 100-Tage-Plan zur digitalen Transformation mit konkreten Schritten, um den Fortschritt des Unternehmens in das digitale Zeitalter zu forcieren.

Das Programm ist auf 12 Wochen angesetzt. Muss der Arbeitgeber für drei Monate auf seinen CDO verzichten?
Prof. Dr. Heiko Seif: Natürlich nicht, schließlich ist uns sehr bewusst, dass es den Teilnehmern nicht an internen Aufgabenstellungen mangelt. Wir haben das Programm in zwei Phasen unterteilt: Die Teilnehmer entwickeln im Rahmen des CDO Programms die Fähigkeiten, Projekte mit Neuigkeitsgrad im Unternehmen erfolgreich zu implementieren und am Beispiel der Digitalisierung im eigenen Unternehmen umzusetzen, gerne auch an bereits schon laufenden Digitalisierungsinitiativen. Das umfasst den Aufbau von Methodenkompetenzen und das Befassen mit erfolgreichen Beispielen der Digitalisierung, zum Beispiel in Form von intensiven Diskussionen mit Digital Champions im kleineren Kreis. Zur vertiefenden Anwendung des Erlernten werden Challenges dieser Digital Champions als Aufgabenstellung gegeben, um im Nachgang einen erfolgreichen Transfer von digitalen Mustern ins eigene Unternehmen herbeiführen zu können. Das Programm besteht aus sechs intensiven zweitägigen Stages an sechs internationalen Locations mit engem Bezug zum Thema Digitalisierung. Durch die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Teilnehmern aus anderen Unternehmen entsteht ein stabiles, belastbares Netzwerk in Form eines CDO Circles. Zusätzlich bekommen die Teilnehmer Zugang zu exklusiven Netzwerkveranstaltungen und der Community unseres Kooperationspartners Next Industry, die sich branchenübergreifend mit den Anforderungen an C-Levels und Unternehmensorganisation beschäftigt, die sich aus dem technologischen Wandel ergeben.
Harald Ostermann: Um den Spirit erfahren zu können, der bei einer digitalen Transformation entstehen sollte, Besuchern wir die Digital Champions an der Havard University und im Silicon Valley. Insbesondere die Generationen übergreifende Zusammenarbeit von Youngstern mit erfahrenen Managern digitaler Unicorns macht die Magie aus, die vielen Unternehmen zu einem erfolgreichen Durchbruch geführt hat.
Prof. Dr. Heiko Seif: Am Ende des Programms haben sich die Teilnehmer für den Posten des CDO in ihrem Unternehmen qualifiziert und können diese Rolle mit Hilfe der erworbenen Methoden und Prinzipien der Digitalisierung souverän ausüben. Ein Zertifikat der Munich Business School mit einem Gegenwert von 15 ECTS Punkten bestätigt die Qualifikation für diesen zukunftsfähigen Job.

Weitere Informationen unter:
www.munich-business-school.de

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