Nachhaltige Lieferketten rechnen sich

Manuela Marques, Leiterin Bereich Customer Solutions bei DEG, schildert, inwiefern Nachhaltigkeit in der Lieferkette gerade jetzt für mehr Stabilität bei Unternehmen sorgen kann.

Die Folgen der Coronapandemie, die Null-Covid-Politik Chinas und Russlands Krieg in der Ukraine schränken Handelswege ein und setzen die globalen Lieferketten unter Druck. Auf der Suche nach Perspektiven nehmen deutsche Unternehmen neue Wachstumsmärkte in den Fokus und diversifizieren ihre Lieferketten. Eine Option ist das „Nearshoring“, etwa in der MENA-Region oder in Afrika. Eine weitere Alternative ist der Aufbau regionaler Wertschöpfungsketten mit Investitionen in Produktionsstätten vor Ort und lokalem Sourcing. So lassen sich künftig Transporte rund um den Globus vermeiden, Risiken mindern und Abhängigkeiten reduzieren.

Nicht nur Schwierigkeiten bei der Beschaffung führen aktuell dazu, dass Unternehmen ihre internationalen Lieferketten neu bewerten. Auch das neue Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz ist dafür ein Treiber. Dadurch sollen menschenrechtliche Sorgfaltspflichten sowie Umwelt- und Sozialstandards in den globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten verankert werden und stärkeres Gewicht erhalten. Das Gesetz wird ab 2023 für deutsche Unternehmen mit mehr als 3000 Mitarbeitenden wirksam und ab 2024 für Unternehmen mit über 1000 Beschäftigten gelten. Konkret geht es dabei zum Beispiel um Ausschluss von Kinderarbeit, faire Löhne, Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz und das entsprechende Risiko­management.

Stabile Lieferketten für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg

Viele Unternehmen haben sich bereits im Vorfeld der gesetzlichen Regelung zur Einhaltung von Menschenrechten sowie Umwelt- und Sozialstandards in ihrer Lieferkette selbstverpflichtet. Denn die Neuausrichtung und Überprüfung verursacht zwar zunächst Kosten und bindet Ressourcen, hat langfristig gesehen aber auch handfeste wirtschaftliche Vorteile.

So können soziale und ökologische Standards helfen, die Produktqualität zu steigern. Ein funktionierender Arbeitsschutz, ein gutes Gesundheitsmanagement und die Einhaltung von Umweltschutzstandards verringern das Risiko von Produktionsausfällen. Der Nachweis der Einhaltung menschenrechtlicher und ökologischer Standards wirkt sich auch positiv auf die Reputation eines Unternehmens aus. Zudem spielen Aspekte der Nachhaltigkeit bei Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen eine immer gewichtigere Rolle. Nicht zuletzt kommen Unternehmen mit längerfristigen Beziehungen zu Lieferanten besser durch Krisen und können die Effizienz von Produktionsprozessen steigern.

Finanzierung und Beratung für nachhaltige innovative Geschäftsmodelle

Auf der Suche nach mehr Diversifizierung ihrer Lieferketten nehmen Unternehmen verstärkt andere Entwicklungs- und Schwellenländer in den Blick, die aufgrund von Wirtschaftswachstum zunehmend als Handelspartner infrage kommen. So wird laut Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IMF) das Bruttoinlandsprodukt der ASEAN-Region 2023 durchschnittlich um 4,9 Prozent wachsen und das BIP Subsahara-Afrikas um 3,7 Prozent.


Neben vielen weiteren Faktoren wie z.B. die Aspekte der Nachhaltigkeit bei Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen nennt Manuela Marques auch die Langfristigkeit in der Lieferantenbeziehung als Stabilitätsanker. Quelle: Rakoczy/KSTA.de

Oft fehlt Unternehmen, die nachhaltig und langfristig in Entwicklungs- und Schwellenländern investieren wollen, aber die passende Finanzierung und die notwendige Beratung und Unterstützung. Hier setzen die Finanzierungs- und Beratungsprogramme der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH an. Sie richten sich an deutsche und internationale Unternehmen, die etwa den Eintritt in neue Märkte planen oder neue Standorte eröffnen möchten. Entwicklungswirksame Investitionen von deutschen Unternehmen können über die DEG-Tochter DEG Impulse zusätzlich gefördert werden. So können im Rahmen von „Business Support Services“ etwa die Kosten für Maßnahmen zum Umwelt- und Sozialmanagement, Gesundheitsschutz oder für Weiterbildung kofinanziert werden. Solche Maßnahmen tragen auch zur Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtgesetzes bei. Auch über das von der DEG Impulse umgesetzte Programm develoPPP des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) können sich interessierte Unternehmen um die Förderung bestimmter Maßnahmen bewerben.

Wirtschaften nach Environmental Social Governance Kriterien (ESG) muss kein Hemmnis für Unternehmen sein, sondern fördert die langfristige ökonomische Entwicklung, die zum Beispiel die Risiken in Folge des Klimawandels minimiert.

Manuela Marques

Bereits seit 2017 berät die DEG über das Helpdesk Wirtschaft & Menschenrechte Unternehmen dazu, wie sie noch mehr Verantwortung übernehmen und menschenrechtliche Sorgfaltsprozesse im Kerngeschäft verankern können. Dabei geht es zunächst um eine Risikoanalyse, wo entlang der Liefer- und Wertschöpfungskette Risiken bestehen, wie diese zu bewerten sind und mit welcher Priorität an einer Verringerung gearbeitet werden sollte. Der Helpdesk berät auch zu Fragen zur Bedeutung aktueller rechtlicher Entwicklungen wie etwa dem schon genannten Lieferkettengesetz. Und auch zu den Entwicklungen auf europäischer Ebene beim Thema menschenrechtliche Sorgfalt informiert der Helpdesk.

Lokale Wertschöpfung für mehr Resilienz

Mit ihren kombinierten Finanzierungs- und Beratungsleistungen unterstützt die DEG Unternehmen gezielt beim Aufbau nachhaltiger lokaler Lieferketten, um ihre Resilienz zu stärken. Ein Beispiel ist LIMBUA, ein deutsch-kenianisches Unternehmen, das am Mount Kenya seit 2006 Macadamianüsse, Öle, Trockenfrüchte und Setzlinge in Bio-Qualität produziert und vertreibt. Die gesamte Wertschöpfungskette vom Anbau bis zur Verarbeitung erfolgt in der Region. LIMBUA bezieht Rohstoffe von über 7.000 Kleinbauern zu fairen Preisen. Alle Produkte werden in biozertifizierten Mischfarmen zusammen angebaut.

Nachhaltiges Wirtschaften bringt Wettbewerbsvorteile

Wirtschaften nach Environmental Social Governance Kriterien (ESG) muss kein Hemmnis für Unternehmen sein, sondern fördert die langfristige ökonomische Entwicklung, die zum Beispiel die Risiken in Folge des Klimawandels minimiert.

Schon jetzt gibt es etliche Unternehmen, die sich in Interessensverbänden für Menschenrechte und Sozialstandards in den Lieferketten einsetzen So arbeiten etwa „FairTrade“ oder „Rainforest Alliance“ daran, die Produktionsbedingungen im Kakao- und Kaffeesektor zu verbessern oder der „Grüne Knopf“ diejenigen im Textilsektor. Bei allen Herausforderungen gehen sie davon aus, dass sich der Einsatz dafür auch wirtschaftlich rechnen wird. Denn faire Produkte werden zunehmend von Verbrauchern geschätzt und nachgefragt und nachhaltig produzierende Unternehmen gewinnen an Attraktivität für Investoren und Anleger.


Über die Autorin:

Nach ihrem Eintritt in die DEG im Jahre 2001 war sie Senior Investmentmanagerin in den Bereichen Afrika und Lateinamerika. In 2004 wurde sie zur Leiterin der Abteilung Portfolio Management Afrika ernannt. Außerdem wurde sie mit der Wahrnehmung von Boardsitzen in verschiedenen afrikanischen Unternehmen betraut. In 2010 übernahm sie zusätzlich die Leitung für das Portfolio Management Lateinamerika. Seit Juli 2011 ist Manuela Marques Bereichsleiterin bei der DEG tätig und aktuell verantwortlich für den Bereich Customer Solutions.


Bildquelle / Lizenz:

Photo by Rodrigo Flores on Unsplash


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