Mit mehr Transparenz zu Glaubwürdigkeit

Dr. Alice Beining beschreibt, wie professionelle Investoren von der Corporate Sustainability Reporting Directive profitieren werden. Gerade institutionelle Investoren werden die Parameter in ihre Entscheidungen mit einfließen lassen.

Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ist am 28.11.2022 von Parlament und Ministerrat der EU verabschiedet worden und wird demnächst im Gesetzesblatt der Europäischen Union veröffentlicht. Fest steht, dass zukünftig deutlich mehr Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsinformationen offenlegen müssen.

Erfasst werden von der neuen Direktive, grob umrissen, ab 2024 große börsennotierte Unternehmen, ab 2025 alle großen Unternehmen ab 250 Mitarbeitenden und einer Bilanzsumme >20 Mio. EUR oder einem Umsatz von >40 Mio. EUR, sowie ab 2026 auch kapitalmarktorientierte kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU). Auch Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU sollen – unter bestimmten Bedingungen – berichtspflichtig werden.

Der vorgelegte Vorschlag der CSRD wird die Transparenz bezüglich nicht-finanzieller Leistungsindikatoren deutlich erhöhen. Von der erhöhten Transparenz profitieren vor allem professionelle Anlegende, Investoren und Versicherer sowie auch Endkunden, für deren Entscheidungen Nachhaltigkeitsinformationen immer wichtiger werden. Nachhaltigkeit ist also kein „Nice-to-have“ mehr, sondern ein „Must-have“!

Pflicht zur Veröffentlichung und unabhängiger Prüfung

Die Nachhaltigkeitsinformationen müssen veröffentlicht und von unabhängigen und akkreditierten Dritten (wie TÜV SÜD) geprüft werden, um sicherzustellen, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) entspricht. Diese werden aktuell erarbeitet und sollen bestehende Rahmenwerke wie GRI, ISSB, SASB und TCFD und auch Berichtsanforderungen wie die doppelte Wesentlichkeit aufgreifen. Unternehmen, die sich bisher nicht damit befasst haben, sollten bald loslegen, weil das Einziehen von internen Reporting-Linien und das Erheben der relevanten Daten durchaus aufwändig sein kann.  

„Die Anlehnung der Anforderungskriterien der CSRD an die Nachhaltigkeitsziele der EU ergibt in Kombination mit der Pflicht zur externen Überprüfung und den möglichen Sanktionen ein wirksames Instrument, um eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft auf breiter Ebene voranzutreiben“, beschreibt Dr. Alice Beining.

Externe Prüfung erhöht Glaubwürdigkeit

Wachsende und sich verändernde regulatorische Anforderungen kombiniert mit einer hohen Erwartungshaltung von Kunden und Lieferanten im Themenumfeld Nachhaltigkeit fordern Unternehmen. Unabhängige und vertrauensvolle Expertise hilft, um Maßnahmen effizient, zielgerichtet und wirksam umsetzen zu können. Erfahrene Prüfunternehmen mit langjähriger und breit aufgestellter Expertise helfen, die Übersicht zu behalten, den vorgeschriebenen Auditierungsprozess fristgerecht zu durchlaufen und so die von dem Gesetzgeber geforderten Nachweise zu erhalten.

Dabei profitieren Unternehmen von dem externen Blick doppelt: Er zeigt Optimierungspotentiale auf und erhöht die Glaubwürdigkeit bei den Stakeholdern.

Schon jetzt können CSR-Anstrengungen gemäß existierender Normen verifiziert und zertifiziert werden: wie eine mit den Anforderungen der Global Reporting Initiative (GRI) konformen Nachhaltigkeitsberichterstattung, die Einführung eines zertifizierten Umweltmanagementsystems gemäß ISO14000-1, die standardkonforme Erstellung eines Corporate und Product Carbon Footprints gemäß der ISO 1406x-Reihe oder auch die Zero Waste Zertifizierung nach DIN SPEC 91436.

Wirksames Instrument für Transformation

Die Anlehnung der Anforderungskriterien der CSRD an die Nachhaltigkeitsziele der EU ergibt in Kombination mit der Pflicht zur externen Überprüfung und den möglichen Sanktionen ein wirksames Instrument, um eine nachhaltige Transformation der Wirtschaft auf breiter Ebene voranzutreiben. Klar ist schon heute, dass eine Umsetzung in den Unternehmen – wenn noch nicht gestartet – bald anfangen muss, um fristgerecht die benötigten Daten berichten zu können. Schon heute ist klar, dass eine Verifizierung von Nachhaltigkeitsaktivitäten – welcher Art auch immer – die Einhaltung der Anforderungen sicherstellt und die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung deutlich erhöht.

Fazit

Mit den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und gesetzlichen Entwicklungen werden sich zukünftig alle Unternehmen mehr mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen müssen. Auch wenn 2025 für viele noch weit weg scheint: Fangen Sie jetzt an, sich damit zu beschäftigen. Für das Nachhaltigkeitsreporting werden vielfach Kennzahlen gebraucht, die in der bisherigen Finanzberichterstattung nicht erhoben werden. Diese Zahlen zu erheben und entsprechend belastbare Reporting-Strukturen im Unternehmen zu etablieren, braucht Zeit! Know-how ist teilweise jetzt schon knapp und wird zukünftig am Markt noch schwerer verfügbar sein. Fangen Sie also jetzt an, die eigenen Mitarbeitenden rund um das Thema fortzubilden.

Über die Autorin:

Die Ingenieurin Dr. Alice Beining ist seit 15 Jahren im Bereich Nachhaltigkeit unterwegs. Bei TÜV SÜD hat sie lange Jahre zu den Themen Klimabilanzierung und Klimaneutralität gearbeitet. Aktuell ist sie verantwortlich für den Auf- und Ausbau der TÜV SÜD Prüfdienstleistungen rund um Nachhaltigkeitsberichte.


Bildquelle / Lizenz Aufmacher:

Photo by Thomas Richter on Unsplash


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