Marktplatz für Grünstromlieferungen

Wie regenerative Stromerzeuger nach Ablauf der EEG-Vergütung effizient und digital den besten Energiepreis erzielen können, berichtet Clemens Graf von Wedel, Ge­schäftsführer der enPortal GmbH, der TREND-REPORT-Redaktion.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wurde letztes Jahr 20 Jahre alt, weswegen für die ersten regenera­tiven Stromerzeugungsanlagen die feste, auf die­sen Zeitraum begrenzte Einspeisevergütung endete. Nun müssen die Anlagenbetreiber selbst dafür sorgen, ihre Grüns­trommengen optimal am Markt zu ver­kaufen, wodurch in den kommenden Jah­ren immer mehr EEG-freie Grünstrommengen einen neuen Ab­nehmer suchen werden. Bereits vor eineinhalb Jahren entschloss sich daher enPor­tal, den regenerativen Stromerzeu­gern, die keine EEG-Vergütung mehr erhalten, eine Möglichkeit zu geben, um einfach, kostengünstig und voll­ständig digital einen neuen Abnehmer zu finden.

Es entstand der erste digitale PPA-Marktplatz für Stromabnehmer und Betreiber von regenerativen Stromerzeugungsanlagen, der im Januar an den Start ging. Über diesen können Stromerzeuger ihre Strommengen an­bieten, während ein Energieversor­gungs­unternehmen (EVU) oder Groß­unter­nehmen seinen Bedarf an Grünstrom anfragt. Beide Prozessket­ten werden vollständig digital abgebil­det, sodass der gesamte Ausschrei­bungsprozess rund um die Grünstrom­lieferungen bzw. PPAs effizient und standardisiert über den cloudbasier­ten Marktplatz vollzogen werden kann.

Da enPortal bereits seit zwölf Jahren eng mit EVUs rund um den Strom- und Gaseinkauf zusammenarbeitet, konnte gleich von Beginn an ein großer Marktplatz präsentiert werden, den alle An­lagen­betreiber von Windkraft, Bio­masse, Wasserkraft und Photovoltaik für sich nutzen können, um ihre erzeugte Strommenge einer breiten Masse an Käufern anzubieten.

Eine Ausschreibung per Klick erreicht rund 650 Energieversorger und Groß­unternehmen, die bei Interesse einen Energiepreis anbieten. „Die Verkäufer von Grün­strom profitieren von einem großen Wettbewerb im Energiemarkt und können den besten Energiepreis für sich erzielen. Die Käufer er­halten gleichermaßen schnell und ein­fach den Kontakt zu Anlagenbetrei­bern und können sich bei Bedarf mit Grünstrom eindecken“, erläutert von Wedel. „Käufer und Verkäufer von Grünstrom profitieren gleichermaßen von der neuen digita­len Austauschplattform, da unser PPA-Marktplatz beide Parteien schnell, effi­zient und professionell zusammen­bringt.“

„Käufer und Verkäufer von Grünstrom profitieren gleichermaßen von der neuen digita­len Austauschplattform!“

Clemens Graf von Wedel.

In der Praxis hinterlegt der Stromerzeuger seine Anlagen detail­liert in der Cloud und stellt diese für eine elektronische Ausschreibung entsprechend zusammen. Über eine Anlagenbibliothek kann er bereits auf alle gängigen Windkraftanlagen zu­greifen. Sobald der Anlagenstandort eingegeben wird, ermittelt der Marktplatz das Einspeisenetz und die Regelzone automatisch. Detailverhandlungen finden ebenso digital statt wie der Vertragsabschluss. „Hierfür bieten wir die Nutzung eines digitalen PPA-Vertragsmusters an, mit dem die Parteien arbeiten können“, ergänzt von Wedel. „Der Prozess ist dabei so flexibel wie möglich gestaltet und un­ser hinterlegter Vertrag berücksichtigt eine Vielzahl der Fragen, die im Zuge eines PPA geregelt werden sollten.“

Unabhängig davon können über das integrierte Verhandlungstool weitere Positionen individuell wie in einem Chat ausgehandelt und dem Vertrag hinzugefügt werden. So besteht wei­terhin die Möglichkeit, individuelle Wünsche im Verhandlungsprozess ab­zubilden. „Selbst Detailfragen, zum Beispiel, wie Herkunftsnachweise übertragen werden oder wie das Ein­speise­management organisiert wird, können geklärt werden“, betont der Geschäftsführer des innovativen B2B-Onlineportals.

Ergänzend können die Parteien zudem eigene Vertragsmus­ter hochladen und auf dieser Basis die Lieferung digital abschließen. „Für die Preisfindung bieten wir als Standard den Festpreis und den Auf- oder Ab­schlag auf den Marktpreis an. Den Be­teiligten steht es aber offen, auch an­dere Preissysteme zu vereinbaren“, schließt von Wedel.


Fragen und Antworten zur PPA-Plattform

Herr Graf von Wedel, enPORTAL hat einen neuen digitalen Marktplatz für PPAs eingerichtet. Wie kam es zu der Idee?

enPORTAL ist Spezialist für die Gewährleistung von standardisierten, digitalen Prozesse rund um Datenverwaltung, Ausschreibung und Vergabe bei der Energiebeschaffung. Mit dem Auslaufen der EEG-Vergütung zum Jahresende 2020 für Anlagen, die vor zwanzig Jahren in Betrieb gegangen sind, war uns klar, dass in den kommenden Jahren immer mehr EEG-freie Grünstrommengen einen neuen Abnehmer suchen werden. Daher war die Erweiterung unseres Portfolios nur ein logischer Schritt. Vor eineinhalb Jahren fiel die Entscheidung, den regenerativen Stromerzeugern, die keine EEG-Vergütung mehr erhalten, über enPORTAL den Weg zu öffnen, einfach, kostengünstig und vollständig digital einen neuen Abnehmer zu finden.

Der erste digitale PPA-Marktplatz für Grünstromlieferungen

Der PPA-Marktplatz ist im Januar 2021 an den Markt gegangen. Wie lief der Start und wie groß ist er bereits?

Den großen Vorteil, den wir als enPORTAL mitbringen: Auf dem enPORTAL Marktplatz sind von Anbeginn an über 650 Energieversorgungsunternehmen und zahlreiche Großunternehmen gelistet, die als potenzielle Abnehmer in Betracht kommen. Mit diesen EVUs arbeiten wir seit über 12 Jahren eng rund um den Strom- und Gaseinkauf zusammen und so kennen viele Key-Accounter von EVUs unsere digitalen Prozesse und das Onlineportal sehr gut. Nun können alle Anlagenbetreiber von Windkraft, Biomasse, Wasserkraft, Photovoltaik den Marktplatz für sich nutzen.

An wen richtet sich der PPA-Marktplatz genau?

Unser digitaler PPA-Marktplatz richtet sich an Käufer und Verkäufer von Grünstrom und bildet zwei Prozesse ab: Regenerative Stromerzeuger können ihre Strommengen über den enPORTAL PPA-Marktplatz anbieten. Für den Nachfrager nach Grünstrom bieten wir den umgedrehten Prozess ab, d.h. ein EVU oder Großunternehmen kann über den PPA-Marktplatz seinen Bedarf an Grünstrommengen anfragen. Beide Prozessketten sind vollständig digital abgebildet.

Wie funktioniert der Prozess der Ausschreibung genau?

Der regenerative Stromerzeuger kann seine Anlagen in der Cloud detailliert hinterlegen und für eine elektronische Ausschreibung entsprechend zusammenstellen. Über eine Anlagenbibliothek kann er bereits auf alle gängigen Windkraftanlagen zugreifen. Sobald der Standort der Anlage eingeben wurde, ermittelt der Marktplatz das Einspeisenetz und die Regelzone automatisch. Per Klick erreicht die Ausschreibung über den PPA-Marktplatz rund 650 Energieversorger und Großunternehmen, die bei Interesse einen Energiepreis anbieten. Verhandlungen zu Details können digital verhandelt werden. Anschließend wird der Vertrag digital geschlossen und die Belieferung ist fixiert.

Das hört sich leicht an, aber gibt es rund um PPAs nicht eine Menge vertraglicher Details zu verhandeln? Wie gewährleisten Sie, dass beide Parteien dies regeln können?

Ja, es gibt viele Detailfragen, die geklärt werden müssen, zum Beispiel, wie Herkunftsnachweise übertragen werden oder wie das Einspeisemanagement organisiert wird. Es ist uns gelungen, den PPA-Prozess so flexibel wie möglich und dabei trotzdem vollständig digital abzubilden. So besteht weiterhin die Möglichkeit, individuelle Wünsche im Verhandlungsprozess abzubilden. Für die Preisfindung bieten wir als Standard den Festpreis und den Auf- oder Abschlag auf den Marktpreis an (Marktpreis ist der Wert der Stundenkontrakte für die Preiszone für Deutschland am Spotmarkt der EEX in ct./kWh). Den Beteiligten steht es aber offen, auch andere Preissysteme zu vereinbaren.

Erläutern Sie den digitalen Vertragsschluss gerne näher – wie läuft das ab?

Für den Vertragsschluss bieten wir die Nutzung eines digitalen PPA-Vertragsmusters an, mit dem die Parteien (Verkäufer & Käufer) arbeiten können. Unser hinterlegter Vertrag berücksichtigt eine Vielzahl der Fragen, die im Zuge eines PPA geregelt werden sollten. Unabhängig davon können die Parteien über das integrierte Verhandlungstool weitere Positionen individuell wie in einem Chat aushandeln und dem Vertrag hinzufügen und somit direkt digital miteinander kommunizieren. Den Parteien steht aber auch die Möglichkeit zur Verfügung, eigene Vertragsmuster hochzuladen und auf dieser Basis die Lieferung digital abzuschließen.

Was kostet dieser Service und wie können sich Interessierte dafür anmelden?

Über https://www.enportal.de/ppa-gruenstromlieferung/
können sich Anlagenbetreiber kostenfrei anmelden und ihre Anlagen im Onlineportal hinterlegen.
Erst bei einer Ausschreibung fallen Kosten an, die sich an dem ausgeschriebenen oder dem nachgefragten Energievolumen orientieren.

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