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Künstliche Intelligenz als Treiber der Digitalisierung – Wo stehen deutsche Unternehmen?

Deutschland´s KI-Reifegrad erläutert von Dr.-Ing. Sebastian Werner, AI Evangelist bei der “Everyday AI” Plattform Dataiku.

Deutschland hat noch immer einen Ruf als KI-Schlusslicht. Dabei ist die Verwendung von Daten schon heute für viele Unternehmen essenziell und es gibt ein grundlegendes Bewusstsein für die Potenziale der Technologie. Eine neue Studie zeigt, wo Deutschland in seiner KI-Journey wirklich steht und wie sich die Akzeptanz innerhalb der kommenden fünf Jahre entwickeln könnte.

Deutschland möchte weltweit Vorreiter im Bereich Künstliche Intelligenz werden – international kämpft das Land dennoch weiterhin mit einem gewissen Ruf als Schlusslicht. Auch die Europäische Union wird im weltweiten Vergleich eher auf den hinteren Rängen eingestuft, wenn es um die “AI Maturity” geht. Die jüngsten Entwicklungen – beispielsweise die Pläne der EU, den Einsatz von KI zu regulieren – lassen ebenfalls vermuten, dass eine Vorreiterrolle in den kommenden Jahren nur schwer zu realisieren ist.

So dramatisch sich die Lage zunächst darstellen mag, so sehr ist auch ein differenziertes Bild der Sachlage notwendig. Wo stehen Deutschland und andere EU-Länder in Puncto KI-Reifegrad wirklich? Wie stark sind Daten und Machine Learning schon heute in den Unternehmen eingebunden und wie sieht die Vision für die kommenden fünf Jahre aus? Das hat die Everyday AI Plattform Dataiku in einer europaweiten Studie gemeinsam mit YouGov untersucht. Dazu wurden insgesamt 2587 CEOs, Manager und Angestellte in Frankreich, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, Deutschland sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten befragt – 506 Personen davon in Deutschland.

Datennutzung in deutschen Unternehmen steigt

Im Jahr 2022 spielt die Verwendung von Daten in der täglichen Arbeit deutscher Unternehmen bereits eine entscheidende Rolle. Immerhin halten mehr als 60 Prozent der Befragten die Nutzung von Daten in ihrer täglichen Arbeit für essentiell. In den anderen befragten Ländern – Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien – wird Daten dennoch ein noch größerer Wert beigemessen. Spitzenreiter sind die Niederlande, in denen ganze 71 Prozent ohne Daten in ihrer täglichen Arbeit nicht auskommen würden. Erfreulich ist, dass mehr als die Hälfte aller Befragten in deutschen Unternehmen angeben – im Vergleich zu vor fünf Jahren – mehr oder deutlich mehr Daten zu nutzen. Ein klares Zeichen, dass der Wert von Daten nicht nur erkannt, sondern auch bereits genutzt wird.

Auch Künstliche Intelligenz ist für deutsche Unternehmen im Jahr 2022 natürlich kein Fremdwort mehr. Die Technologie wird aktuell zwar eher im Rahmen einzelner Use Cases genutzt, als wirklicher ganzheitlicher Geschäftstreiber zu sein – dennoch erkennen immer mehr Verantwortliche das noch ungenutzte Potenzial. Entsprechend erwarten 64 Prozent, dass die Technologie ihr Unternehmen in den nächsten 5 Jahren beeinflussen wird – wobei die Stärke des Einflusses hier doch deutlich unterschiedlich wahrgenommen wird und nur ein Bruchteil von 13 Prozent an eine komplette Revolution ihres Unternehmens durch KI glauben. 


“Im Jahr 2022 spielt die Verwendung von Daten in der täglichen Arbeit deutscher Unternehmen bereits eine entscheidende Rolle. Immerhin halten mehr als 60 Prozent der Befragten die Nutzung von Daten in ihrer täglichen Arbeit für essentiell.”



Über den Autor:

Dr.-Ing. Sebastian Werner ist AI Evangelist bei der “Everyday AI” Plattform Dataiku. Basierend auf seiner umfangreichen Erfahrung als CTO sowie im Bereich Modellierung und Data Science unterstützt er Kunden bei der Strategieentwicklung rund um Künstliche Intelligenz. Er ist Vorstand im Arbeitskreis Big Data und Advanced Analytics des Bitkom e.V. und Mitglied der German Data Science Society e.V.

Entscheidungsträger glauben am wenigsten an Künstliche Intelligenz

Besonders spannend gestaltet sich der Blick auf die verschiedenen Management-Ebenen in deutschen Unternehmen. Gerade unter den CEOs und dem Top-Management – also den zentralen Entscheidungsträgern – glauben nur 57 Prozent daran, dass KI und Machine Learning in den kommenden fünf Jahren einen Impact auf ihr Unternehmen haben. Die größten Befürworter der These finden sich dafür auf der mittleren Management-Ebene, wo 73 Prozent einen Einfluss erwarten. Mit dem Ziel einer erfolgreichen Digitalen Transformation im Blick ist das eine wichtige Erkenntnis. Denn obwohl das Bewusstsein für die Mehrwerte dieser neuen Technologie vorhanden ist, kann gerade die Führungsebene noch weiter dafür sensibilisiert werden.

Dennoch zeigt die Studie auch, dass Führungskräfte und Angestellte in deutschen Unternehmen vor allem eine wichtigen Erfolgsfaktor bereits verinnerlicht haben: Sie sind die Treiber der digitalen Transformation – Veränderung kommt von innen, und nicht ohne eigenes zutun. Soweit neue Technologien ihre Branche und ihr Unternehmen beeinflussen werden, so sehr wird auch ihre eigene Rolle und tägliche Arbeit beeinflusst. Das sieht bei einigen europäischen Nachbarn noch anders aus: Hier sind sich zwar viele Arbeitnehmer der Auswirkungen von KI auf ihr Unternehmen bewusst, nicht aber auf ihren eigenen Job und den Unterschied, den sie machen.

Die Zukunft von KI in Deutschland: Drei zentrale Faktoren

Eine erfolgreiche Digitale Transformation und die Weiterentwicklung des KI-Reifegrades gehen in Deutschland und ganz Europa Hand in Hand. Um diese Ziele zu realisieren, sind einige zentrale Erkenntnisse von Bedeutung:

  1. Neue Bestrebungen wie die Regulierung von KI Projekten durch die EU sind keine entwicklungshemmenden Faktoren, sondern eine echte Chance auf bessere Prozesse, klarere Governance- und Compliance Strukturen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz.
  2. Die Demokratisierung von KI-Projekten ist nicht nur Katalysator,sondern ein zentrales Erfordernis für skalierbare und erfolgreiche digitale Transformation. Erst wenn Unternehmen sämtliche Mitarbeiter – auch jene abseits der klassischen IT-Berufe – in ihre KI-Prozesse einbinden, wird eine volle Entfaltung der Potenziale möglich.
  3. Weltweit entwickelt sich Künstliche Intelligenz bereits weiter: Der Einsatz in jeweils nur spezifischen Use Cases entwickelt sich immer mehr in Richtung “Everyday AI” – also die vollkommene Einbindung Künstlicher Intelligenz in sämtliche Geschäftsprozesse.

Deutschland ist bereits auf dem richtigen Weg und hat die vergangenen Jahre genutzt, um Weichen für einen nutzbringenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu stellen. Erste Erfolge unterstreichen das Potenzial der Technologie; andererseits sind noch nicht alle Vorbehalte aus dem Weg geräumt. Es ist allerdings genau diese Entwicklung, die den Weg zu einer digitalen Zukunft ebnet, die gleichzeitig von wirtschaftlichem Mehrwert und einem verantwortungsvollen Umgang geprägt ist.

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