Krisenfestigkeit und Resilienz durch Klimaschutz

Nachhaltigkeit und digitale Transformation können Unternehmen krisenfester machen. Zudem gilt: Wandel ist besser als Anpassung, wie Dieter Niewierra in seinem Gastbeitrag beschreibt.

Selten zuvor war der Ausblick auf das nächste Jahr so unklar wie aktuell. Der andauernde Krieg in der Ukraine und die Corona-Pandemie beeinträchtigen Lieferketten oder lassen sie komplett ausfallen. Auch Energieversorgungsprobleme, steigende Inflation und der zunehmende Mangel an Fachkräften machen sich verstärkt bemerkbar. Hinzu kommen gesetzliche und regulatorische Anforderungen, denen Unternehmen entsprechen müssen. Und schließlich bringt der immer sichtbarer werdende Klimawandel auch in Deutschland bislang ungekannte Herausforderungen. Klimarisiken wurden nicht nur auf der enttäuschenden Weltklimakonferenz COP27 als eines der Kernthemen verstanden, sondern sind Faktoren, die auch für Unternehmen eine bedeutende Rolle spielen. Wie sollten sie sich also aufstellen, um hier krisenfester zu sein? Wie sollen sie den erforderlichen Wandel am besten steuern, um einem Anpassungsdruck von außen zuvorzukommen?

Ein Allheilmittel für die globalen Problemlagen kann es nicht geben – dafür sind sie zu unterschiedlich. Es gibt jedoch Prozesse und Denkweisen, die Unternehmen berücksichtigen sollten, um grundsätzlich krisensicherer zu werden. Das Motto heißt “Resilienz durch digitale Nachhaltigkeitstransformation”.

Eine Ende Oktober veröffentlichte Studie von Capgemini zeigt, dass erst wenige Unternehmen die nachhaltige Transformation als Wertschöpfungsquelle für sich verstehen und stattdessen in ihr vor allem finanzielle Belastungen sehen. Dabei gibt es auf dem Weg in Richtung Nachhaltigkeit eindeutig mehr Chancen als Risiken.

Nachhaltig, digital, im Wandel?

Wenn es um Ziele der betrieblichen Entwicklung und Veränderung geht, stehen die Schlagwörter Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Transformation im Mittelpunkt. Eine nachhaltige Entwicklung hängt demnach auch davon ab, wie Digitalisierung gestaltet wird, so die Feststellung des Wuppertal Instituts.  Die konkrete Frage ist dabei: Wie lässt sich Digitalisierung nutzen, damit die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft im Rahmen der zur Verfügung stehenden Ressourcen ablaufen und die Transformation in Einklang mit Umwelt- und Klimaschutzgesichtspunkten stattfinden kann.

Das Bundesumweltministerium sieht die nachhaltige digitale Transformation als Zielsetzung, bei dem zukünftige IT-Strukturen an Nachhaltigkeitszielen ausgerichtet werden sollen. Klima- und Umweltschutz sowie Aspekte der Ressourceneffizienz werden dabei durch Informations- und Kommunikationstechnik umgesetzt. Die Erwartung dabei ist, dass die Digitalisierung den Expansionskurs der GreenTech-Branche und mit ihr einen weiteren Hebel für den Umwelt- und Klimaschutz beschleunigen wird. Umgekehrt werden Bereiche wie digitale Währungen, Online-Handel, Industrie 4.0, Smart City-Konzepte, eAgriculture, Blockchain oder Künstliche Intelligenz nachhaltige Aspekte und Zielsetzungen aufnehmen und somit ebenfalls dazu beitragen, den Klimaschutz voranzubringen.

Digitalisierung als Beschleuniger des Wandels

Wie immer, wenn es um Prozess- und Strukturveränderungen geht, gilt: Transformation ist umso erfolgreicher, wenn sie für alle Beteiligten gleichermaßen erkennbar und nachvollziehbar ist und sie darin unterstützt werden, die Veränderungen auch für sich selbst umzusetzen. Ein wesentlicher Faktor dabei ist die Gestaltung solcher Prozesse auf Basis digitaler Plattformen zur Zusammenarbeit, Informationsaustausch und -verarbeitung. Sie ermöglichen den Zugang zu Informationen, können unterschiedliche Gruppen gleichwertig einbeziehen und Einflüsse aus verschiedenen Orten zusammenbringen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die so umgesetzten Transformationsprozesse steuerbar und Erfolge sowie Probleme für alle Beteiligten zugänglich sind. So verhindert Digitalisierung, dass es standort- oder hierarchiebedingte Informationsunterschiede gibt und wirkt als Beschleuniger und Katalysator für den Wandel.

Digitale Prozesse reichen daher nicht nur in alle Unternehmensebenen hinein, sondern sind Faktoren bei vielen Aufgaben und Fragestellungen. Von den eigentlichen Maßnahmen zum Klimaschutz über die Erfüllung regulativer Anforderungen bis hin zur Qualifizierung und Weiterbildung aller Mitarbeitenden:

  • Klimaschutz: Eine Reise entlang der Schnittstellen

So lassen sich die Maßnahmen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit im Unternehmen inzwischen auf Basis digitaler Lösungsplattformen und Software-basiert umsetzen. Am besten ist es, wenn dies bereits bei der Bilanzierung der CO2-Emissionen geschieht. Läuft die Erfassung und Übermittlung der notwendigen Daten aus unterschiedlichsten Quellen in zentralen Schnittstellen zusammen, können sämtliche weitere Prozesse hierauf aufbauen. Die CO2-Bilanz ist der Ausgangspunkt für strategische und fundierte Zielsetzungen zum Umgang mit den Emissionen und zeigt Reduktions- und Vermeidungsmöglichkeiten. Aus ihr heraus startet auch der Prozess, der zum Ausgleich der Restemissionen mittels zertifizierter Klimaschutzprojekte führt. Hier zahlt es sich aus, wenn entsprechende Kennzeichnungen und Kommunikationsmittel, die das Ergebnis eines solchen Prozesses sichtbar machen und vermitteln sollen, aus diesem System heraus generiert werden und nachfolgende Änderungen oder Aktualisierungen kurzfristig umgesetzt werden können. Wertvolle Möglichkeiten sind hier beispielsweise Labels zum Klimaschutzengagement und Landingpages mit weiterführenden Informationen. 

  • Regulierung: Der Hunger nach Daten

Weitere Aspekte digitaler Nachhaltigkeitstransformation sind die unterschiedlichen regulativen Anforderungen, die demnächst in Kraft treten. Die Corporate Sustainability Reporting Directive, das Lieferkettensorgfaltspflichtgesetz und andere Entwicklungen verstärken den Bedarf an einheitlichen Berichterstattungsverfahren und somit auch an entsprechenden digitalen Prozessen.

Ähnliche Anforderungen stellen auch die von der Task Force for Climate-related Financial Disclosures (TCFD) formulierten TCFD-Empfehlungen. Sie bieten sowohl Struktur als auch Prozess zur Bewertung und Offenlegung klimabezogener Risiken und Chancen sowie deren finanziellen Auswirkungen. Viele solcher Regulierungsanforderungen tragen in ihrer digitalen Umsetzung grundsätzliche Nachhaltigkeitsvorteile in sich, da sie:

  • Alternativen und Weiterentwicklungen zu bisherigen Prozessen darstellen,
  • bestimmte Nachhaltigkeitszielsetzungen wie den Aufbau von Kreislaufwirtschaftssystemen nur mit ihnen verfolgt werden können und
  • sie genaue Erfolgsmessungen ermöglichen.

Hier wird sichtbar, wie wichtig die Verfügbarkeit von Berichtsdaten, Statusangaben, Prozessinformationen, Dokumentationsfähigkeit und Interoperabilität für eine nachhaltige Entwicklung sind.

  • Qualifizierung der Mitarbeitenden: Transformation von Innen

Befasst sich ein Unternehmen im Rahmen seiner Klimaschutzstrategie mit seinen CO2-Emissionen und ergreift aktiv Maßnahmen, sollte das nicht nur nach Außen kommuniziert, sondern auch nach Innen vermittelt werden. Dies ist unabdingbar, damit die Strategie verstanden, gelebt und somit dauerhaft und wirksam umgesetzt werden kann. Auch dies sollte idealerweise digital stattfinden – Plattformen wie die vom Klimaschutzexperten ClimatePartner und der Weiterbildungsplattform XU gegründete School of Sustainability bieten Nachhaltigkeits- und Klimaschutzwissen zum Selbststudium, zur Weiterbildung und zur konkreten Qualifizierung an. Ihre Module mit vielfältigen Multimedia-Inhalten sind nach den personenspezifischen Wissensanforderungen und Aufgabenbereichen aufbereitet. Somit steht Klimaschutzwissen allen Mitarbeitenden zur Verfügung und nimmt sie mit auf den vom Unternehmen eingeschlagenen Weg.

Diese Form der Demokratisierung von Information und Befähigung könnte es ohne die Umsetzung auf Plattformbasis gar nicht geben. Dank Responsive Design können nicht nur Beschäftigte an PC-Arbeitsplätzen auf Informationen zugreifen, sondern auch diejenigen ohne festen PC – z.B. im Lager, in Produktionsstätten oder in der Logistik. Sie können ihre Kursinhalte auf ihrem Smartphone wahrnehmen. Die individuelle Einteilung der Lernabschnitte erlaubt es zudem, Maßnahmen zur Qualifizierung im jeweils geeigneten Tempo durchzuführen. Das Ziel dabei ist klar: es geht um die Befähigung und die Aktivierung aller Mitarbeitenden. Daher ist es wichtig, den Zugang und die Nutzung von Informationen nach den Bedürfnissen aller Beteiligten auszurichten.

Chancen der Transformation

Ein deutlicher Vorteil nachhaltig aufgestellter Digitalisierung ist, dass sie direkten Einfluss auf Aspekte wie Ressourcenverbrauch, Energiebedarf und Umweltbelastungen hat. Nutzungsmodelle wie Leasing und Device-as-a-Service haben oft einen deutlich geringeren CO2-Fußabdruck als konventionelle Lösungen, wie es auch eine aktuelle Studie von CHG-MERIDIAN und dem VITO-Institut belegt.

Neben strategischen gibt es auch ganz konkrete Vorteile digitaler Transformation. Offensichtlich wird dies beim Wechsel von Geschäftsreisen zur verstärkten Nutzung von Videomeetings. Mobilitäts-bedingte Emissionen fallen weg, während die Flexibilität bei der Wahrnehmung von Terminen wächst. Digitale Kommunikation und Interaktion kann auch bei Remote Work oder Home Office ihre Vorteile zum Tragen bringen. Auch hier erhöht sich die Flexibilität. Zudem können Unternehmen Fachkräfte einbinden, die sonst nicht erreichbar wären.

Wie auch immer die zukünftig eintretenden Veränderungen aussehen werden: Die Transformation hin zu einer emissionsarmen, nachhaltigen Wirtschaft ist ohne Alternative. Unternehmen, die nachhaltige Produkte und Dienstleistungen unterstützen, sind dabei klar im Vorteil und können die darin liegenden Innovationskräfte für sich nutzen. Wer sich darauf einlässt und mit erfahrenen Partnern den Weg in Richtung Nachhaltigkeitstransformation gehen will, sollte hierzu auf die Einbeziehung digitaler, skalierbarer Lösungen achten. Die so erreichte Wandlungsfähigkeit macht Unternehmen flexibler und somit insgesamt krisenfester.


Autoreninfo:

Dieter Niewierra, geb. 1972, hat an den Universitäten Regensburg und Tempe/Arizona studiert und die ersten Jahre seines Arbeitslebens in Redaktionen und PR-Agenturen verbracht. Seit 2019 verantwortet er den Bereich Corporate Communications bei ClimatePartner und betreut hier die externe Kommunikation des Unternehmens. Er blickt auf langjährige Erfahrung in der Nachhaltigkeits- und Klimaschutzkommunikation zurück, mit Stationen im Bereich Nachhaltigkeits-/ESG-Rating sowie der Mitwirkung an mehreren Publikationen zum Thema.


Bildquelle / Lizenz Aufmacher:

Photo by Ella Ivanescu on Unsplash


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