Krisenfest durch digitale Resilienz

Die zahlreichen Krisen der jüngsten Vergangenheit haben eines klar gezeigt: Viele Unternehmen müssen ihre Widerstandsfähigkeit gegen alle Arten von Störungen und Gefahren deutlich stärken. Digitale Resilienz ist ein Gebot der Stunde. Auf dem Weg dahin ist eine digitale Transformation unverzichtbar. Kernelemente sind dabei eine offene Technologie und eine offene Kultur. Dinko Eror, Vice President DACH und Central Europe bei Red Hat, beschreibt in seinem Gastbeitrag, was digitale Transformation und Resilienz verbindet.

Resilienz in Unternehmen ist kein neues Thema. Seit der Finanzkrise von 2008 etwa verschärfen Regierungen und Regulierungsbehörden regelmäßig die Compliance-Vorgaben für Banken und Finanzsysteme. Mit der zunehmenden Digitalisierung in allen Branchen ist die Bewertung der eigenen organisatorischen Resilienz aber zu einer Hauptaufgabe vieler Unternehmen geworden. Außerdem haben zahlreiche – teilweise unvorhersehbare – Entwicklungen und Krisen die Bedeutung einer widerstandsfähigen Unternehmensstruktur deutlich aufgezeigt: von Covid über die Lieferkettenprobleme und den Fachkräftemangel bis hin zu den explodierenden Energiepreisen. Die Stärkung der digitalen operationellen Resilienz ist somit kein „Nice-to-have“, sondern eine absolute Notwendigkeit in einer von Unsicherheiten und vom rasanten Wandel geprägten Zeit.

Prinzipiell beschreibt Resilienz die Fähigkeit, Strukturen und Prozesse schnell und flexibel auf neue Gegebenheiten auszurichten. Für die Etablierung einer digitalen Resilienz ist die digitale Transformation eine Grundvoraussetzung. Sie beinhaltet Technologie und Kultur – und zwar im Einklang miteinander. Das Bindeglied dabei ist Open Source.

Open Source ist die Basis

Open Source ist für die digitale Transformation in Unternehmen unverzichtbar. Für nahezu alle Innovationen in Bereichen wie Cloud, Big Data, Künstliche Intelligenz oder Internet of Things sind Open-Source-Ökosysteme die Grundlage. Will ein Unternehmen die IT-Modernisierung vorantreiben, führt an der Nutzung neuer Betriebsmodelle und Technologien und somit auch an Open Source kein Weg vorbei.

Open Source bietet unter Resilienz-Gesichtspunkten vor allem zwei entscheidende Vorteile: Flexibilität und Unabhängigkeit. Open Source Software wird dezentral und kollaborativ entwickelt und basiert auf dem Engagement einer großen Community. Sie ist damit meistens flexibler, sicherer und langlebiger als eine proprietäre Lösung. Durch die Community-Unterstützung ist eine hohe Agilität gewährleistet, die eine schnelle Reaktion auf veränderte Anforderungen in Krisensituationen ermöglicht. Open Source bietet zudem Unabhängigkeit und Interoperabilität, das heißt, Open-Source-basierte Lösungen vermeiden konsequent einen Vendor-Lock-in. Unternehmen können so auch kurzfristig ihren Lösungspartner wechseln und damit ihre Widerstandsfähigkeit erhöhen.

Hybrid Cloud und Automatisierung als Resilienzfaktoren

Doch wie sieht eine zukunftsfähige IT-Umgebung nun konkret aus, die beim Resilienz-Aufbau unterstützt? Eine wachsende Zahl von Unternehmen verfolgt dabei eine integrierte Open-Source-basierte Hybrid-Cloud-Strategie mit einer Kombination von On-Premises- und Cloud-Infrastrukturen. Applikationen und Workloads können so in verschiedenen Umgebungen konsistent ausgeführt werden, wobei zugleich die Anwendungsportabilität gewährleistet bleibt. Dadurch behalten Unternehmen ihre Flexibilität bei der Wahl künftiger Cloud-Optionen und erhöhen ihre Resilienz.


Dinko Eror: „Wenn ein Unternehmen die Agilität von hybriden Infrastrukturen und Open Source Software nutzen möchte, muss es zwangsläufig eine offene Kultur etablieren. Schließlich erfordert die schnelle Behebung kurzfristig auftretender Probleme oder Störungen immer auch neue unternehmerische Prinzipien, Modelle und Dynamiken, mit einem Wort eine offene Kultur.“

Ein zentraler Eckpfeiler bei der Etablierung einer agilen und resilienten IT-Landschaft ist zudem die durchgängige Automatisierung, das heißt eine Automatisierung, die von der Bereitstellung über die Wartung bis zum Betrieb eines kompletten IT-Stacks reicht. Von besonderer Bedeutung ist hierbei das Framework Ansible, eines der aktuell wichtigsten Open-Source-Projekte. Ansible unterstützt die Automatisierung von Prozessen über Server, Storage-Geräte, Netzwerk-Devices, Services und Clouds hinweg. Eine solche Automatisierung mit der Beseitigung manueller Tätigkeiten bietet Unternehmen gerade in einer Zeit des zunehmenden Fachkräftemangels und des drohenden Wissensverlusts auf Mitarbeiterseite eine wichtige Entlastung – verbunden mit einer Stärkung der Resilienz.

Förderung von Resilienz durch Kulturwandel

Es steht außer Frage, dass Open-Source-Lösungen immer mehr zum Standard in den meisten Unternehmen werden. Sie müssen dabei aber beachten, dass die Open-Source-Nutzung keineswegs nur eine technologische Veränderung darstellt. Sie setzt auch einen Kulturwandel voraus. Wenn ein Unternehmen die Agilität von hybriden Infrastrukturen und Open Source Software nutzen möchte, muss es zwangsläufig eine offene Kultur etablieren. Schließlich erfordert die schnelle Behebung kurzfristig auftretender Probleme oder Störungen immer auch neue unternehmerische Prinzipien, Modelle und Dynamiken, mit einem Wort eine offene Kultur. Kernelemente einer solchen Kultur sind Transparenz, Anpassungsfähigkeit und Kollaboration, das heißt unter anderem eine transparente Kommunikation und Entscheidungsfindung, eine konstruktive Fehlerkultur und eine enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Parteien. Damit schafft ein Unternehmen die Basis für eine größere Agilität, eine gesteigerte Innovationsfähigkeit und ein verbessertes Mitarbeiterengagement.

Die zunehmende Digitalisierung der Unternehmenswelt ist unweigerlich mit steigenden Sicherheitsbedrohungen verbunden. Die digitale Resilienz ist somit im Hinblick auf die Reduzierung von IT-Risiken ein absolutes Muss – vor allem auch unter wirtschaftlichen Aspekten. Ohne eine umfassende digitale Transformation unter Nutzung von Open-Source-Lösungen und -Technologien wird eine solche Resilienz kaum realisierbar sein. Unternehmen sollten diesen Transformationsprozess deshalb besser heute als morgen in Angriff nehmen. Schließlich weiß niemand, welche Krisenszenarien künftig noch eintreten.


Bildquelle / Lizenz Aufmacher:

Foto von Nathan Watson auf Unsplash


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