KI steht auf der Agenda

Prof. Dr. Volker Gruhn, Vorsitzender des Aufsichtsrats der adesso SE, präsentiert der Redaktion Erkenntnisse der adesso-eigenen Studie „KI – eine Bestandsaufnahme“.

Herr Prof. Dr. Gruhn, was ist die Quintessenz Ihrer 2021er-KI-Umfrage?

KI ist in den Köpfen angekommen, aber noch nicht in der Praxis: Das ist eines der Ergebnisse unserer Umfrage. Wir befragten fast 2.000 Personen in der D-A-CH-Region – zur Hälfte Unternehmensverantwortliche, zur Hälfte Verbraucherinnen und Verbraucher – über ihre Einstellung und Erwartungen, über Projekte und Prognose. Der Blick auf die Verantwortlichen zeigt: Dass KI-Technologien das Potenzial haben, Märkte zu verändern und Wettbewerb neu zu definieren, davon ist die überwältigende Mehrheit – 81 Prozent – überzeugt. Allerdings sagen auch 74 Prozent, dass KI in ihren Unternehmen noch in den Anfängen steckt.

Welche Unterschiede zwischen Bran­chen im Umgang mit KI sind Ihnen aufgefallen?

Die Größe der Unterschiede lassen sich an einer Fragestellung festmachen. Die Aussage „Ich weiß nicht, wie wir KI für unser Unternehmen einsetzen können“ bejahten insgesamt 30 Prozent der Verantwortlichen. Die Auswertung auf Branchenebene zeigt: In Versicherungen wissen nur 14 Prozent nichts so recht mit KI anzufangen, im Handel oder Gesundheitswesen dagegen 40 Prozent. Viele Indikatoren der Umfrage – ob der Reifegrad von Prozessen oder die Unterstützung durch das Top-Management – zeigen: Weiter sind tendenziell Branchen wie Banking oder Versicherung, die von Natur aus digital aufgestellt sind.

„57 Prozent der Unternehmen, die Erfahrungen mit KI-Anwendungen ha­ben, setzen in diesem Umfeld auf Cloud-Lösungen.“

Prof. Dr. Volker Gruhn

Ein Themenschwerpunkt der Umfra­ge war die Nutzung von Cloud-Technologien im KI-Umfeld. Zu welchen Ergebnissen kommen Sie?

Für viele Unternehmen sind Cloud-Lösungen die Technologie hinter KI: 57 Prozent der Unternehmen, die Erfahrungen mit KI-Anwendungen haben, setzen in diesem Umfeld auf Cloud-Lösungen. Das sind im Vergleich zur 2020er Umfrage sechs Prozentpunkte mehr. Und der Boom geht weiter: Knapp 50 Prozent planen, (weitere) KI-Lösungen zu verlagern. Ein Problem haben viele Befragte aber mit den Datenschutzgarantien der Cloud-Anbieter: 62 Prozent sehen darin die größte Hürde im Cloud-Umfeld.


Studie „KI – eine Bestandsaufnahme“

Die vollständige Studie sowie viele weitere Informationen rund um das Thema finden Sie unter:
https://ki.adesso.de/ki-studie/


Sie befragten sowohl Verantwortliche als auch Endverbraucherinnen und -verbraucher. Wie blicken letztere auf das Thema KI?

Die Umfrage unter Verbraucherinnen und Verbraucher offenbart eine große Offenheit KI-Themen gegenüber: 64 Prozent sind davon überzeugt, dass die Technologien ihnen persönlich Vorteile bringen. Dass KI den eigenen Job ersetzen wird, glauben nur 12 Prozent. Dieser Optimismus zieht sich durch fast alle Themen unserer Umfrage. Von KI in der Pandemiebekämpfung bis zur Bereitschaft, mit Chatbots zu reden: kaum eine Spur der häufig beschworenen German Angst.

Zurück zu den Unternehmensverantwortlichen: Wie schätzen diese die Bedeutung von KI für den wirtschaftlichen Erfolg ein?

Wir baten die Befragten darum, die Entwicklung der kommenden 36 Monate vorherzusagen: Welche Themen haben sie für diesen Zeitraum auf der Agenda? Das klare Ergebnis: Der Einsatz neuer Technologien wie KI steht ganz oben auf der Liste. Noch vor Aspekten wie dem Gewinnen neuer Mitarbeitender oder Kostendruck. Dies macht deutlich, welchen Stellenwert KI in den Planungen hat. Das zeigt sich auch bei Detailfragen zu dem Thema: So sind 65 Prozent davon überzeugt, dass KI in den nächsten drei Jahren einen großen Einfluss auf das Geschäftsmodell haben wird. Auf der anderen Seite räumt unsere Umfrage auch mit einem Vorurteil auf, das rund um KI immer wieder zu hören ist: Das ist ein Hype, der geht wieder vorbei. 75 Prozent der Befragten widersprechen dieser Aussage. KI ist offensichtlich gekommen, um zu bleiben.

Warum sind Unternehmen beim Einsetzen von KI-Technologien noch nicht weiter?

Eine Frage, die wir uns auch stellen. Das Potenzial ist groß, warum sehen wir dann nicht mehr Anwendungen in den Unternehmen? Im Rahmen der Umfrage fragten wir auch Hindernisse rund um den KI-Einsatz ab. Ein Aspekt ist dabei auffällig: 38 Prozent geben an, dass es in ihren Unternehmen Widerstände gegen KI-Lösungen gibt. Das deckt sich ungefähr mit dem Anteil der Befragten, die glauben, dass KI-gestützte Anwendungen Jobs in ihrem Aufgabenbereich überflüssig machen. Es gibt bei einem guten Drittel offensichtlich Bedenken gegenüber der Technologie. Diese Bedenken erschweren das Durchstarten von KI. Hier ist die Kommunikation durch das Top-Management gefragt. Denn die Formel lautet nicht „Mensch oder KI“, sondern „Mensch mit KI“. Die Technologien verändern Aufgabengebiete, aber sie werden Mitarbeitende nicht im großen Maßstab ersetzen. Führungskräfte müssen diese Ängste der Mitarbeitenden ernst nehmen, wenn ihre Teams von den Möglichkeiten der Technologien profitieren wollen.

Was geben die Daten der Umfrage her: Wie wird sich das Thema in den kommenden Monaten weiterentwickeln?

Von Betrugserkennung bis zur Prognose von Kundenabwanderungen, von Spracherkennung bis zur automatisierten Kampagnenaussteuerung: Wir stellten den Befragten eine Reihe von Anwendungsfällen vor, in denen KI-Technologien ihre Stärke ausspielen. Quer durch alle Szenarien lag die Einsatzquote um die mageren 15 Prozent. Aber der Blick auf die Planungspipelines stimmt hoffnungsvoll: Je nach Use Case planen zwischen 25 und 30 Prozent der Unternehmen den KI-Einsatz. In den nächsten Monaten kommt mehr Schwung in die KI-Projektwelt. Der limitierende Faktor der Entwicklung wird immer mehr das Finden qualifizierter Mitarbeitender. Aber auch das Thema gehen die Unternehmen an: 28 Prozent geben an, bereits Fortbildungsprogramme aufgesetzt zu haben, weitere 32 Prozent planen das.

All diese Faktoren stimmen mich optimistisch: Quer durch alle Branchen und Aufgabenbereiche investieren Unternehmen in Organisation, Technologien, Prozesse und Fachwissen. Sie schaffen jetzt die Grundlagen, die den zukünftigen Erfolg sichern. Und bei diesem Erfolg spielt KI eine wichtige Rolle.


www.adesso.de

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