Keine Angst vor Low-Code

Dies ist ein Gastbeitrag von Florian Weber, Principal Solutions Consultant bei Pegasystems

Low-Code-Plattformen helfen Unternehmen, neue Business-Anwendungen viel schneller und kostengünstiger umzusetzen als mit den klassischen Methoden und Werkzeugen der Software-Entwicklung. Ganz ohne Programmierkenntnisse können Mitarbeiter aus Fachbereichen mit visuellen Modellierungstools eigene Apps erstellen, die analoge Abläufe digitalisieren oder bestehende digitale Prozesse automatisieren. Doch laufen diese Citizen Developer nun Software-Entwicklern den Rang ab? Immerhin prognostizierte das Marktforschungsunternehmen Gartner bereits vor anderthalb Jahren, dass die Zahl der aktiven Citizen Developer in großen Unternehmen bis 2023 mindestens viermal so groß sein wird wie die Zahl der professionellen Entwickler – und durch die Corona-Pandemie und die daraus resultierende Zunahme von Remote-Work ist der Digitalisierungsbedarf in vielen Unternehmen sogar noch gestiegen und damit auch die Bereitschaft, Low-Code-Plattformen einzusetzen.

Florian Weber wirbt für eine gute „Freundschaft“ zwischen Low-Code-Werkzeugen und Softwareentwicklern.

Dass Software-Entwickler künftig nicht mehr gebraucht werden, steht indes nicht zu befürchten, denn komplett eigenständig können Citizen Developer auch mit Low-Code keine Anwendungen erstellen. Sie benötigen jemanden, der ihnen die Rahmenbedingungen dafür schafft, ihnen beratend und unterstützend zur Seite steht, Vorschläge unterbreitet, Alternativen aufzeigt: einen erfahrenen Entwickler. Dessen Rolle wandelt sich durch Low-Code vom Umsetzer der von Fachbereichen vorgegebenen Anforderungen zu einer Art Architekt, Projektmanager und Coach. Als solcher kann er die Einführung von innovativen Business-Anwendungen viel besser unterstützen und vorantreiben als nur als Anwendungsdesigner und Programmierer. Low-Code ist für Entwickler also eine Gelegenheit, ein intensiveres Verständnis von Geschäftsprozessen im Unternehmen zu erlangen und das eigene Profil um neue Fähigkeiten zu erweitern, sprich: eine Karrierechance. Um die zu nutzen, braucht es allerdings die Bereitschaft zur Veränderung.

Ihr Know-how und ihre Erfahrung aus der Software-Entwicklung benötigen Entwickler auch in der Low-Code-Welt – beides wird nicht plötzlich obsolet. Vielmehr können sie ihre Fähigkeiten zielgerichteter einsetzen, etwa für die Integration von Daten, Anwendungen und Frameworks oder die Schaffung neuer Funktionen, für die das firmeneigene Repository noch keine Software-Bausteine bereithält. Insgesamt wird die Arbeit für Entwickler deutlich vielfältiger – nicht nur durch die neuen und anspruchsvolleren Aufgaben, sondern auch weil weniger repetitive Arbeiten notwendig sind und so die typischen Entwicklertätigkeiten mehr Abwechslung bieten. So fällt beispielsweise die von vielen Entwicklern ungeliebte und gerne hintenangestellte Dokumentation weitgehend weg, weil Low-Code-Plattformen alle Änderungen automatisch erfassen und protokollieren. Zudem gelingt die Einarbeitung in bestehende Anwendungen viel schneller und leichter, sodass sich Anpassungen oder Erweiterungen zügig vornehmen lassen. In Low-Code erfahrene Entwickler verstehen die Funktionsweise von Anwendungen und ihre Entwicklungsartefakte in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand – und müssen dafür nicht tausende Code-Zeilen durchforsten.

Darüber hinaus profitieren Entwickler aber auch von Low-Code-Plattformen, weil sie es ihnen erleichtern, Anwendungen mit hoher Qualität zu liefern. Viele Test- und Prüfmechanismen für Performance, Stabilität und Benutzerfreundlichkeit stecken bereits ab Werk in den Plattformen, zudem berücksichtigen sie Best Practices und liefern Anwendungen mit einheitlichen Oberflächen, sodass sich die Nutzer schnell in ihnen zurechtfinden. Überhaupt sorgt die schnellere Umsetzung von Anwendungen mit Low-Code dafür, dass Unternehmen mehr neue Apps auf den Weg bringen können und Entwickler somit mehr Gelegenheiten haben, sich und ihre Erfahrung einzubringen.

Es gibt eigentlich keinen Grund, sich gegen die Einführung von Low-Code im Unternehmen zu wehren. Selbst Entwickler, die keine größeren Ambitionen als Architekt, Projektmanager oder Coach haben, erhalten mit den Plattformen ein hilfreiches Werkzeug, das sie produktiver macht, indem es die klassische Entwicklungsarbeit erleichtert und für abwechslungsreichere Projekte sorgt. Also: Keine Angst vor Low-Code, denn dieser macht Software-Entwickler nicht überflüssig, sondern steigert ihren Wert sogar, weil sie sich weniger mit einfachen oder repetitiven Aufgaben befassen müssen und sich stattdessen verstärkt anspruchsvolleren, höherwertigen Tätigkeiten widmen können.

Weitere Informationen unter:
www.pega.com/de

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