Jede KI benötigt die passenden Daten

Der IT-Beratungs- und Serviceanbieter iSoftStone wurde 2005 gegründet und hat mittlerweile über 1.000 Kunden, darunter mehr als 200 aus der Forbes-Fortune-500-Liste. Mit seiner AI Data Service Unit will das Unternehmen nun verstärkt in Europa Fuß fassen. Was es damit auf sich hat, erläutert Kathrin Fuhrich, Business Development Managerin bei iSoftStone, im Interview.

Frau Fuhrich, welche Einsatzmöglichkeiten gibt es heutzutage für künstliche Intelligenz im Berufsalltag?

Unzählige: Denken Sie nur an die verschiedenen Konferenztools. AI kann hier Live-Untertitel und Übersetzungen für Schwerhörige und Nicht-Muttersprachler bereitstellen. Zudem können Geräusche, wie lautes Tippen oder Hundegebell, automatisiert unterdrückt werden. Andere Einsatzmöglichkeiten bestehen bei sich ständig wiederholenden Aufgaben, beispielsweise im Rechnungswesen. In vielen Unternehmen werden monatlich unzählige Rechnungen verarbeitet. Statt diese manuell in das System zu übertragen, helfen RPA-Lösungen dabei, diesen Prozess zu automatisieren.

Bei klassischen RPA-Systemen funktioniert dies allerdings nur streng regelbasiert, also wenn die Rechnungen alle exakt das gleiche Format vorweisen. Doch Kunden, Partnerunternehmen oder Freelancer halten sich nicht unbedingt an Formatvorlagen. Durch künstliche Intelligenz ist es möglich die unstrukturierten Daten der vielen unterschiedlichen Rechnungen, auch in verschiedenen Sprachen, entsprechend zu verarbeiten. Die höhere Produktivität gepaart mit der Genauigkeit des Prozesses ermöglichen hier bei entsprechender Unternehmensgröße eine jährliche Ersparnis in Millionenhöhe.

Wie können Sie Unternehmen helfen, solche Lösungen zum Einsatz zu bringen? Welche Dienstleistungen genau bieten Sie Ihren Kunden an?

Jede KI benötigt die passenden Daten. Wir sind Experten in den Bereichen Computer Vision, Speech Recognition, Natural Language Processing sowie Content und Search Relevance und bieten Datenerfassungs- und Annotationsdienste für das KI-Modelltraining an. Allein im letzten Jahr haben wir etwa 20 Millionen Bilder und Videos sowie etwa 5 Millionen Audiostunden annotiert. Zudem haben wir etwa 1 Milliarden Suchmaschinenanfragen und -resultate bearbeitet. Dabei wird das zu annotierende Material meist von unseren Kunden zur Verfügung gestellt, doch bei Bedarf können wir auch selbst mit der Materialsammlung beauftragt werden. In diesem Zusammenhang haben wir letztes Jahr etwa 2 Millionen Bilder und Videos sowie 50.000 Audiostunden aufgenommen.  


„Jede KI benötigt die passenden Daten“

Kathrin Fuhrich

Sie reden die ganze Zeit von „annotieren“, was kann man sich darunter vorstellen?

Das kommt ganz darauf an, was von der KI am Ende erwartet wird. Bei einem sehr einfachen Diktiergerät beispielsweise muss die KI lediglich das gesprochene Wort erkennen und als Text ausgeben. Das oben angesprochene Konferenztool muss auch störende Hintergrundgeräusche erkennen. Neben Hundegebell sollten idealerweise auch irrelevante Wörter, etwa durch zu laute Flurgespräche im Hintergrund, erkannt werden. Sonst werden diese noch mituntertitelt und würden so zusätzlich Verwirrung stiften. Mit unserem Sprach-/NLP-Annotationstool können wir Audiodaten segmentieren und den einzelnen Abschnitten entsprechende Tags je nach Anforderung – Störgeräusch, Musik, Flüstern, etc. – zuweisen. Zudem können wir Sprecher-IDs und Zeitstempel hinzufügen.

Ebenso vielfältig sind die möglichen Anforderungen im Bereich Computer Vision. Ein autonomes Fahrzeug muss im Straßenverkehr andere Dinge erkennen können als in einer vollautomatisierten Smart Factory. Weitere Einsatzmöglichkeiten sind Smart Devices, welche per Gesten gesteuert werden oder Anwendungen, die bestimmte Gegenstände exakt bestimmen sollen. Mit unseren Diensten im Bereich Computer Vision helfen wir Modellen, die reale Welt zu verstehen, und zwar sowohl für 2D- als auch für 3D-Bilder. Unsere Bildannotationstools umfassen Polygone, Punkte, Linien, Rechtecke sowie eine semantische Segmentierung auf Pixelebene. Damit können wir verschiedene reale Szenarien für jedes Objekt abdecken, das in Bildern oder Videos vorkommt.

Wie können Kunden Ihren Service nutzen?

Ganz flexibel: Über unser Crowd-Modell sind wir in der Lage binnen drei Tagen etwa 1.000 Mitarbeiter zu aktivieren. Bei Bedarf auch weltweit, wodurch wir selbst ungewöhnliche Anfragen, etwa für Annotationsdienste auf Gälisch oder Schwyzerdütsch erfüllen können. Projekte mit einer hohen Geheimhaltungsstufe können wir komplett in gesicherten Büros durchführen – inklusive Videoüberwachung, Zutrittsbeschränkung, und Kamera- bzw. Handyverbot etc. Wenn gewünscht können wir auch ein Produktionsteam am lokalen Standort des Kunden einsetzen.

Mit unserer Crowd, unseren mehr als 90.000 Angestellten, unserem Netzwerk aus mehr als 200 Businesspartners und unser 15-jährigen Erfahrung in den Bereichen KI und Projektmanagement sind wir garantiert in der Lage ein Team aufzubauen, welches exakt die Anforderungen unserer Kunden erfüllt.

Wenn so viele Leute gleichzeitig, insbesondere auch aus der Crowd, an einem Projekt arbeiten, wie schaffen Sie es dann, die gewünschte Qualität zu gewährleisten?

Wir haben extrem hohe Qualitätsstandards und sind nach ISO 9001 und ISO 20000 zertifiziert. Unser Management, das aus Fachleuten besteht, bewertet kontinuierlich die Pools qualifizierter Ressourcen, um sicherzustellen, dass diese ein gleichbleibendes Leistungsniveau aufweisen. Hierzu wird auch ein Monitoring Tool genutzt, welches ungewöhnliche Muster erkennt und unser Quality Control Team darauf aufmerksam macht. Zudem arbeiten wir eng mit unseren Kunden zusammen und nutzen deren Feedback. Dabei sind wir es gewohnt auch agile Projekte zu managen und unsere Prozesse an sich ändernde Anforderungen anzupassen.

Sie arbeiten mit unzähligen und teilweise sicherlich auch sensiblen Daten, da drängt sich die Frage nach dem Datenschutz auf. Wie garantieren Sie diesen?

Viele unserer Kunden arbeiten seit Jahren mit uns zusammen, weil wir einen großen Wert auf Sicherheit legen und uns als verlässlicher Partner erwiesen haben. Im Hinblick auf den Datenschutz gehört hierzu beispielsweise die vollständige Löschung der Daten innerhalb von einer Woche nach Projektabschluss. Natürlich sind die Daten auch während des Projekts hochgradig gesichert z.B. durch dedizierte Dateiserver, Festplattenverschlüsselung oder Echtzeit-Virenschutz und Sicherheitsupdates. Wir sind ISO 27001 zertifiziert und erfüllen die Anforderungen der DSGVO.


Unsere Interviewpartnerin:

Kathrin Fuhrich ist seit 2013 in verschiedenen Rollen bei iSoftStone beschäftigt. Seit Dezember 2022 arbeitet Sie dort als Business Development Managerin und ist als solche verantwortlich für den Aufbau neuer Geschäftsbeziehungen in Europa.

E-Mail: kathrinfuhrich@isoftstone.com
Linkedin: https://www.linkedin.com/in/kathrin-fuhrich-a7a8a9239/

Weitere Informationen unter: https://www.isoftstoneinc.com/