Handel mit Zukunft?

Wer jetzt seinen digitalen Reifegrad in den Griff bekommt, kann viel Umsatz generieren.

Der stationäre Handel erlebt momentan Veränderungen, die schnell den Untergang oder Rekordumsätze bescheren können. In beiden Fällen sind Probleme vorprogrammiert. Eventuell können Händler gerade jetzt mit frischen Ideen punkten. In diesem Kontext sind kreative Retailer gefragt wie nie. Neue Kundenbedürfnisse sollten identifiziert werden und die aktuellen Rahmenbedingungen müssen analysiert werden. Außerdem sollte sich ihr Geschäftsmodell an die momentanen Anforderungen schnell anpassen lassen.

Wer jetzt seinen digitalen Reifegrad in den Griff bekommt, kann viel Umsatz generieren. Vorausgesetzt, die Lager sind gefüllt und das Sortiment stimmt. Der stationäre Handel sollte sich in diesen Tagen schleunigst Plattformen suchen, um neue Absatzmärkte zu finden. Im Hinblick darauf stehen gute digitale Möglichkeiten zur Verfügung. Absatz und Umsatz sollte auf wichtigen Online-Marktplätzen wie Amazon, Ebay &  Co. anvisiert werden. Was schadet es auch, sich hier und da noch mit seinem Sortiment anzumelden. Dabei ist genügend Zeit einzuplanen, denn der digitale Aufwand ist nicht zu unterschätzen. In diesen Tagen erleben die sozialen Netzwerke ihre „Hausse“. Visualisiert kommen die richtigen Angebote zum rechten Zeitpunkt immer gut an. Über diverse Youtube-Kanäle wird Live-Stream-Shopping helfen, den momentan nötigen Umsatz zu generieren. Eine durchaus bewährte Strategie, die auch bei den aktuellen Ausgangsverboten in China geholfen hat. Immer vorausgesetzt, unsere Logistikdienst­leis­ter können die neuen Anforderungen im Kontext der aktuellen Herausforderungen noch stemmen.


„Die akustische Markenführung muss eben­so
umfassend gedacht werden und an jedem
Touchpoint erlebbar sein wie das visuelle Erscheinungsbild.“

Was für den Trapezkünstler das physische Netz,
ist beim Bezahlen im girocard-System
ein enges Geflecht aus sichernden Maßnahmen.
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Neue Absatzkanäle und Möglichkeiten finden Sie im Sinne der digitalen Transformation. So gewinnt das Thema „Voice Commerce“ immer mehr an Bedeutung. Sprachsteuerung ist eben en vogue. Das Medium Audio verändert sich damit grundlegend: Content wird interaktiv und wächst von einer One-Way-Communication zu einem Dialog-Umfeld. Sprachgesteuerte Smart Speaker werden neben der reinen Audio-Content-Nutzung zu hohen Anteilen zur Informationsbeschaffung genutzt. Eine weitere Möglichkeit für Handelsunternehmen, ihre Kunden zu adressieren. Die technologische Basis dieser Produkte ist wiederum die Fähigkeit von Software, menschliche Sprache immer besser zu verstehen. Darum wird es wichtig, an den Aufbau einer Audiomarke zu denken.

Laut einer Studie von Capgemini werden im Jahr 2021 bereits 40 Prozent der Verbraucher Sprachassistenten anstelle von Websites oder Apps nutzen. Markenverantwortliche stehen vor neuen Herausforderungen: „War es bisher relevant, bei Google unter die ersten drei Suchergebnisse zu kommen, wird es jetzt auch wichtig, über Voice Search auffindbar zu sein. War früher das bekannte Gesicht für die Marke wichtig, ist die passende Stimme in Zeiten von Siri, Alexa und Co. mindestens genauso wichtig“, erklärte Marianne Bullwinkel von RMS Radio Marketing Service unserer Redaktion. „Mit Voice-Enabled-Sampling z. B. nutzen Unternehmen einen Skill auf Smart Speakern namens „Schick mir eine Probe“, mit dem Kunden Produktproben nach Hause ordern können. Bacardi und Unilever haben das unlängst mit großem Erfolg getestet. Die Aktivierungsleistung, das innovative Image und die positive Resonanz der Kunden waren extrem hoch“, fügt Marianne Bullwinkel im Gespräch mit unserer Redaktion noch hinzu.

Aber auch die Verpackungsindustrie steht vor neuen Herausforderungen im Kontext der Digitalisierung und im Hinblick auf das IIoT (Industrie 4.0). Die Verpackung soll als Teil der Produktion auch bald als „Ding“ im IoT hängen. Die Zukunft liegt in smarten und intelligenten Verpackungen, voll automatisierten Verpackungslinien und digitalen Wertschöpfungsketten. Daran wird wohl kein Weg vorbeiführen. Doch nicht nur die Verpackungen selbst werden digitaler, auch der Herstellungsprozess und die gesamte Wertschöpfungskette entwickeln sich rasant weiter. Auch die Kommunikation der Verpackung mit dem Smartphone per NFC könnte Verpackungen noch mehr Bedeutung geben. Informationen des Produktes können heute schon per EAN- oder QR-Code von der Verpackung mit jedem Smartphone ausgelesen werden. Hologramm, QR-Code und App können Verpackungen sogar vor Produktfälschungen schützen. Ein wichtiger technologischer Impuls, wenn es um das Vertrauen in Marken und Produkte geht.


Wie kundenspezifische Verpackungsstrate­gien
zu Kosteneinsparungen und Wett­bewerbsvorteilen
im Handel führenerläutert Tobias Wenninger.

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Der Verpackungsprozess und der damit verknüpfte Materialeinkauf wird zudem digitalisiert, Tobias Wenninger, Vorstand TransPak AG, erklärte der Redaktion dazu: „Große Firmen und Konzerne nutzen in der Regel heute individuelle Lieferantenportale für die systematisierte Abbildung eigener Prozesse. Darauf stellen wir uns als Servicepartner natürlich ein. Das Procedere ist komfortabel, weil wir in einem passenden Format den kompletten kundenspezifischen Katalog in dem Portal ablegen, zu dem der Kunde durch seine persönlichen Log-in-Daten individuell Zugriff hat. Bestellt wird direkt auf der Plattform, die Daten müssen nicht in das eigene ERP-System eingelesen werden. Noch einfacher gelingt der elektronische Datenaustausch mit Schnittstellen wie OCI für SAP. Sie stellen eine direkte Verbindung zwischen dem Warenwirtschaftssystem des Kunden und einer Bestellplattform oder dem TransPak-Webshop her.“

Die Verbraucher fordern neue Payment-Verfahren

Auch bei den Payment-Verfahren erlebt der stationäre Handel im Kontext der digitalen Transformation und des Online-Handels erhebliche Veränderungen. Unter „Seamless Payment“ versteht man das Verlassen einer Verkaufsfläche, ohne zuvor die Ware an der Kasse gescannt und bezahlt zu haben. Noch vor wenigen Jahren war die Abschaffung der Kasse kaum vorstellbar. Amazon ist gerade dabei, auch offline seine marktbeherrschende Stellung auszuspielen.
Schon Ende des Jahres 2018 gab Amazon-Chef Jeff Bezos bekannt, dass sein Konzern bis 2021 über 3 000 kassen­lose Filialen betreiben möchte. Aber auch Deutschland versucht in diesem Kontext am Ball zu bleiben. Der Elektronikkonzern MediaMarktSaturn bietet zum Beispiel seit 2019 in Hamburg kassenloses Einkaufen in einem seiner Märkte an. So wird es möglich, rund 100 000 Produkte direkt am Regal zu bezahlen. In den Filialen der Edeka Rhein-Ruhr ist das Bezahlen zum Beispiel per App möglich. Kunden können direkt beim Einkaufen Produkte mit dem Smartphone und der passenden App scannen und beim Verlassen des Ladens automatisch bezahlen. Anstehen und das Verpacken des Einkaufes an der Kasse gehört damit der Vergangenheit an.

Welcher Kanal bedient wird, ist zweitrangig, es geht um das Erlebnis, bei dem sich „online“ und „offline“ zu smarten Services ergänzen.

In diesem Kontext gewinnt auch das kontaktlose Bezahlen in Deutschland immer mehr Anhänger. „Stand heute können bereits rund drei von vier girocards zum kontaktlosen Bezahlen eingesetzt werden, also rund 75 Millionen der über 100 Millionen girocards. Ende 2020 soll sich diese Zahl auf mindestens 80 Millionen erhöhen. Auch bieten viele Banken und Sparkassen die digitale girocard zum kontaktlosen Bezahlen mit dem Smartphone an. Zudem bietet das kontaktlose Bezahlen, bei dem weder Bargeld noch die Karte von Hand zu Hand wandert, hygienische Vorteile für Kunden und Händler“, erklärte uns dazu Ingo Limburg von Euro Kartensysteme. Matt­hias Hönisch, Experte für Zahlungsverkehr beim Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken verriet uns dann noch die neusten Trends: „Mit der digitalen girocard für Smartphones sind wir den nächsten, logischen Schritt gegangen. Dank CDCVM („Consumer Device Cardholder Verification Method“) wird dabei das Authentifizieren von Zahlungen noch einfacher. Die Kunden können diese zum Beispiel mit Fingerabdruck verifizieren. Auch das Bezahlen mit Wearables ist keine Zukunftsmusik mehr, einige Banken bieten die girocard in Armbändern und Uhren an. Zudem hat die Deutsche Kreditwirtschaft mit dem TOPP (Terminal ohne PIN-Pad) die Möglichkeiten über den klassischen POS im stationären Handel hinaus erweitert: Das Terminal verzichtet auf Steckleser und PIN-Pad. Dadurch hält die Zahlung mit der girocard auch im unbedienten Bereich, beispielsweise an Automaten, Einzug.“

Auch aus Liechtenstein kommen Innovationen für den digitalen Zahlungsverkehr. Die Lösung scheint den Zeitgeist im Kontext der aktuellen Krise erfasst zu haben. Bei dem MTS Money Transfer System handelt es sich um ein innovatives Geschäftsmodell für eine Bezahlplattform, welche Transferleistungen als reine Lizenzdienstleistung anbietet. Zusätzlich besteht hierzu die Option auf Erwerb und Veräußerung der MTS eigenen physischen Währung World. Ein World entspricht einer Unze Feingold. Das vergangene Jahrzehnt hat ein ständiges Auf und Ab der Märkte gezeigt, MTS möchte daher mit Transparenz und einer unabhängigen, sicheren Währung eine Alternative zum etablierten Bankensystem bieten. „Der Nutzer des Money Transfer Systems bedient von seinem eigenen Gerät aus die Plattform und kann Transaktionen auslösen. Bargeld wird nicht benötigt, somit entfällt eines der derzeitigen Gesundheitsrisiken für eine Infizierung, und es findet kein physischer Kontakt mit anderen Personen statt“, betonte Melanie Henkel, CEO der Edmund Falkenhahn AG, im Gespräch mit der TREND-REPORT-Redaktion. Die Priorität des Familienunternehmens mit langjähriger Erfahrung im Finanzsektor liegt auf nachhaltigem Wachstum und Werterhaltung.


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von Bernhard Haselbauer

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