Für die Stadt von morgen

Wohnen und Leben muss digitaler und nachhaltiger werden. Drei vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekte machen es vor.

Grün, kompakt, frei von Luftschadstoffen und Lärm – so soll im Idealfall die Stadt der Zukunft aussehen. Eine besondere Herausforderung auf dem Weg dorthin stellt der innerstädtische Verkehr dar. Denn wachsende Paketmengen, immer mehr Lieferfahrzeuge und kaum miteinander vernetzte Mobilitätsdienste sorgen für verstopfte Straßen. Dabei bergen moderne Technologien und smarte Daten viel Potenzial, um die Verkehrsströme in Zukunft neu zu ordnen. Im Technologieprogramm Smart Service Welten fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine Reihe von Projekten, die urbane Räume durch innovative Ansätze für Wohnviertel, Mobilität und Logistik lebenswerter machen.

Mehr Effizienz auf der „letzten Meile“

Daran, den innerstädtischen Lieferverkehr effizienter zu gestalten, arbeitet das Förderprojekt SMile. Erprobt wird, wie die Zustellung von Warensendungen auf der letzten Meile – also dem Weg zwischen dem letzten Paketverteilzentrum und dem Empfänger – serviceorientierter, reibungsloser und mit einheitlichen Standards erfolgen kann. Aktuell kommt es auf der letzten Meile durch zahlreiche Zustellversuche und ineffiziente Lieferrouten zu erheblichen Verzögerungen sowie Verkehrsbelastungen. Der Lösungsansatz von SMile ist eine digitale Plattform, die Verbrauchern eine effiziente, flexible und kollaborative Abwicklung der letzten Meile per App oder Webanwendung ermöglicht. Ein standardisiertes Transportetikett soll dabei die bisher geschlossenen, dienstleistereigenen Zustelllösungen aufbrechen und mehr Zusammenarbeit entlang des gesamten Lieferwegs ermöglichen.

Die digitale Lösung wird ergänzt durch eine neue Logistikinfrastruktur. Viele offene City-Hubs und Mikro-Depots – etwa bei lokalen Einzelhändlern angesiedelt – sollen die aktuell wenigen großen Verteilzentren entlasten. So entsteht ein dynamischerer und flexiblerer Lieferprozess mit erheblich verbesserter Zustellquote. Auch neuartige Liefermethoden sind Teil des Konzepts: Von der präzisen Zustellung zum Wunschtermin über die Lieferung per E-Lastenrad bis hin zur sicheren Ablage in den Kofferraum des Empfängers.

Alle Verkehrsmittel aus einer Hand

Mit der höheren Zustellquote sinken auch die CO2-Emissionen – ein Ziel, dem sich das Forschungsprojekt Smart MaaS ebenfalls verschrieben hat. Über einen offenen und modularen Service-Marktplatz bietet Smart MaaS allen Akteuren der Mobilität eine Plattform, um mit neuen Smart Services den CO2-Ausstoß leichter zu reduzieren und zum Erreichen der Klimaziele beizutragen.
So können Unternehmen den eigenen Mitarbeitern etwa datenbasierte und intelligente Mobilitätskonzepte anbieten. Dabei werden Fahrgemeinschaften über Unternehmen hinweg gebildet und der Parkplatz gleich mit organisiert. Die nötige App kann mit den Diensten auf dem Marktplatz entwickelt werden.

In Städten wie Aachen werden so bereits Busse, Bike-, Car- und Ridesharing für einen möglichst schnellen oder günstigen Weg individuell kombiniert. Das reduziert die Zahl der Fahrten und die Treibhausgasemissionen. Engagierte Kommunen können mit Smart MaaS sogar einen Schritt weiter gehen und ihren Bürgern neue Mobilitätsangebote auf Basis von Umweltdaten anbieten, etwa per Push-Benachrichtigung bei Vorliegen hoher Feinstaubbelastung. Das Projekt verbindet also erfolgreich Smart City sowie Smart Mobility und schafft die Grundlage für intelligente, umweltorientierte Lösungen und neue Geschäftsmodelle.

Rüsselsheim bereits smart

Ebenfalls ein Smart-City-Konzept verfolgt das Projekt Quartier der Zukunft – abgekürzt QuarZ – im Osten von Rüsselsheim, wo man bereits einen Vorgeschmack auf die Stadt von morgen erhält. Die im Projekt entstehende Plattform führt Daten wie die Parkraumbelegung oder Wetterinformationen zusammen, verknüpft sie und macht sie damit für zusätzliche Anwendungen nutzbar. Smart-City- werden mit Smarthome-Anwendungen kombiniert, um Anwohnern die schnelle Parkplatzsuche, die Reservierung eines E-Carsharingangebots oder eine intelligente Analyse der heimischen Stromrechnung zu ermöglichen. Durch die erstmalige Zusammenführung der verfügbaren Technologien und Daten im Quartier sollen Erkenntnisse gewonnen werden, auf deren Basis weitere Dienste entwickelt werden können.

Bewusst wurde dabei ein lokaler Ansatz gewählt, denn die Akzeptanz der Bewohner gilt als zentraler Erfolgsfaktor, um mit digitalen Lösungen das Leben vor Ort zu erleichtern. In Zukunft sollen die Smart Services, die in QuarZ entstehen, allerdings vielfältig einsetzbar sein – von 100 bis 100 000 Einwohnern, für Stadtviertel oder ganze Regionen. In Kombination veranschaulichen die verschiedenen Projekte der Smart Service Welten eindrucksvoll, wie die urbane Zukunft aussehen kann, wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.


SMile

SMile – Smarte Last-Mile-
Logistik in urbanen und ländlichen Räumen
Konsortialpartner: GoodsTag GmbH (Konsortialführer), GS1 Germany GmbH, Hasso-Plattner-Institut für Digital Engineering gGmbH, pickshare GmbH, Universität Leipzig

www.smile-project.de

Smart MaaS

Smart MaaS – Smart Mobility-Service-Plattform für Mobility as a Service
Konsortialpartner: Cleopa GmbH (Kon­sortialführer), Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, FIWARE Foundation e. V., Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, regio iT gesellschaft für informationstechnologie mbh

www.smart-maas.eu

QuarZ

QuarZ – Quartier der Zukunft
Konsortialpartner: Energieversorgung Rüsselsheim GmbH (Konsortialführer), Fraunhofer-Institute für offene Kommunikationssysteme FOKUS und Software-Systemtechnik ISST, Trianel GmbH, Urban Software Institute GmbH – Niederlassung Berlin

www.quartier-der-zukunft.de


www.smartservicewelten.de

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