Forecast 2023: Wohin mit dem Geld?

Die Wirtschaft insgesamt schaut auf Energie und Rezession. Doch wohin schauen speziell die Anleger und Fondsprofis? Letztere haben wir um Statements gebeten, die aufzeigen, welche wichtigen Themen in dort in den kommenden Monaten im Fokus stehen.


Investment-Grade-Securities bieten sich als Alternative an

François Rimeu ist Senior Strategist bei La Française AM


Angesichts der geldpolitischen Straffung befürchten wir, dass sich das Wachstum 2023 stark abschwächen wird. Betrachtet man einige historisch verlässliche Frühindikatoren, z.B. den ZEW-Indikator für die Konjunkturerwartungen, könnten die Abwärtskorrekturen sogar als optimistisch bezeichnet werden.
Die Inflation ist im derzeitigen Umfeld schwer abzuschätzen. Unseren Erwartungen nach wird sie in den kommenden Monaten in den USA vermutlich deutlich zurückgehen. Ähnliches vermuten wir in der Eurozone, jedoch mit größerer Ungewissheit bezüglich der Gaspreisentwicklung. Unseres Erachtens bleibt die Inflation zu hoch, als dass die Zentralbanken ihre Straffungspolitik einstellen könnten, zumindest in den USA.
Wir glauben, dass sowohl die Realzinsen als auch die Nominalzinsen in den USA im Jahr 2023 sinken könnten und bevorzugen bei unserer Allokation für 2023 festverzinsliche Wertpapiere, insbesondere weniger risikoreiche Anlagen. Außerdem gehen wir davon aus, dass Investment-Grade-Securities im Jahr 2023 relativ attraktive Renditen bieten könnten. Bei Aktien sind wir weniger optimistisch, da ein geringeres Wachstum und eine negative Lohninflation die Gewinne beeinträchtigen könnten.


Paul O’Connor arbeitet als Head of Multi-Asset bei Janus Henderson Investors

Die Zinskurve könnte vor dem Höhepunkt stehen

Der Weltwirtschaft steht 2023 ein schwieriges Jahr bevor, da steigende Zinsen und Lebenshaltungskosten eine Reihe bedeutender Länder in die Rezession stürzen. Die Konsensusprognosen für das reale BIP-Wachstum im neuen Jahr liegen bei 0,4 % für die USA, -0,1 % für die Eurozone und -0,5 % für Großbritannien. Ökonomen haben diese Prognosen in letzter Zeit ständig nach unten korrigiert, da sie mit den sich verstärkenden Folgen der steigenden Zinsen auf die Verbraucher- und Unternehmensentwicklung im nächsten Jahr nicht Schritt halten konnten.
Eine gute Nachricht ist, dass die Inflation in den meisten Volkswirtschaften kurz vor dem Höhepunkt steht. Wenn das stimmt, dann ist der Spielraum für die Zinsentwicklung wahrscheinlich ziemlich begrenzt, da die Prognosen für die Höchstzinssätze jetzt auf einem Niveau liegen, das die Volkswirtschaften wahrscheinlich nicht sehr lange verkraften können. Die Zentralbanken werden nur ungern signalisieren, dass die Zinssätze ihren Höhepunkt erreicht haben, solange die Kerninflation nicht eindeutig nach unten tendiert. Jedoch dürften die Märkte dem zuvorkommen, sollte das Wachstum in den kommenden Monaten an Schwung verlieren.
China bleibt 2023 ein großer Unsicherheitsfaktor für die Weltwirtschaft. Ökonomen gehen von einer deutlichen Erholung des chinesischen Wachstums aus, da die Regierung ihre Null-Covid-Politik letztlich aufgeben dürfte. Doch die wirtschaftlichen und finanziellen Risiken durch die sich abzeichnende Immobilienmarktkorrektur bleiben eine wesentliche Ursache für Abwärtsrisiken. Die politischen Entscheidungen der Regierung in beiderlei Hinsicht könnten erhebliche Folgen für die Wachstumsaussichten im nächsten Jahr in China und anderen Ländern haben.


Michael Klimek ist Fondsmanager bei Vermögensmanagement Euroswitch

Anleihen und Aktienmärkte als Liquiditätsdiener

Als Reaktion auf Passivierung und Kommoditisierung von Wertpapierfonds, aber auch angesichts krisenbedingter Volatilität in öffentlichen Kapitalmärkten wenden sich Asset Manager zunehmend den Privatmärkten zu. Hier überwiegen aktive, diskretionäre Investmentprozesse, so dass höhere Erträge als mit Wertpapierfonds erzielbar sind.
Das neue Paradigma eines impact-bewussten Investierens fokussiert den Anleger 2023 auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Privat- und Primärmärkte. Nur hier wird tatsächlich Eigen- und Fremdkapital investiert, während Sekundärmärkte (Anleihen-, Aktienmärkte) der Liquiditätsdiener sind.
Private und öffentliche Märkte dienen der Vermögensbildung mittlerweile aller Anlegergruppen. Die Politik unterstützt die „Demokratisierung“ der Privatmärkte. Dies fördert die Diversifikation in der Vermögensbildung.
Getragen von intakten säkularen Trends bleibt Asset Management auch 2023 eine ertragsstarke und profitable Wachstumsbranche.


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Creative Commons Lizenz CC BY-ND 4.0

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