Forecast 2023: Resilienz im Fokus (Teil 14)

Gerade viele Mittelständler stellen sich aktuell diese Frage: Wie werden sich multiple Krisen auf das Geschäft auswirken? Wie entwickeln sich Inflation, Fachkräftemangel und die anhaltende Lieferkrise im kommenden Jahr? Kurz: Wie plant man das Unplanbare? Wir haben Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen genau dazu gefragt und um kurze Statements gebeten, inwiefern Werkzeuge der digitalen Transformation dabei helfen können. Hier Teil 14.


Wir brauchen schon jetzt das Quanten-Know-How, um mithalten zu können

Nir Minerbi ist Mitgründer und CEO von Classiq

Speziell im Bereich Quantencomputing wird es 2023 vermehrt zu Fusionen und Übernahmen kommen. Branchengiganten wie Amazon, IBM und Microsoft werden einige Quanten-Pioniere aufkaufen und so in naher Zukunft führende Rollen in Schlüsselkategorien, wie Quanten-Softwareentwicklung oder -informatik, einnehmen. Für Anbieter von Quantenlösungen macht es daher Sinn, jetzt starke Partnerschaften zu schließen, um ihre Position zu stärken. Denn die Zeit für Investitionen in Quanteninformatik ist gekommen. Zwar sind die aktuellen Preise von rund 15 Millionen US-Dollar pro Quantencomputer für viele Unternehmen noch deutlich zu teuer. Die meisten von ihnen sind aber bereits Teil einiger Hochschullehrpläne. Wir gehen davon aus, dass 2023 der Ruf nach einer “Quanten-Früherziehung” noch lauter wird. Denn um einen Quantenvorteil
zu gewinnen, brauchen Unternehmen die richtigen Leute dafür. Je früher man sich daher um Nachwuchstalente im Bereich Quantum kümmert, desto mehr haben diese Zeit, die neuen Technologien zu verstehen und Expertise aufzubauen. In der Schule lernt man Dinge wie Chemie und Mathe sukzessive, und der Unterricht wird von Jahr zu Jahr fortgeschrittener. Der gleiche Ansatz kann auch für die Ausbildung im Quantencomputing angewandt werden und Unternehmen damit einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen. Für 2023 ist damit zu rechnen, dass Quantencomputing im Rahmen des High Performance Computings mit großem Interesse erforscht werden wird. Die Verfügbarkeit von Quantencomputern – mit größerer Kapazität und besserer Fehlerkorrektur – sowie die Entwicklung von Quantensoftware werden uns vor Augen führen, wie diese hybride Computerwelt, die HPC und Quantentechnologie zusammenführt, aussehen wird. 


Jim Rose ist CEO von CircleCI

Stabilität wird in der Software-Entwicklung wichtiger als Sicherheit

Sicherheitslücken von Software rückten 2022 in den Fokus der Aufmerksamkeit. Und obwohl das Thema Sicherheit auch 2023 eine wichtige Rolle spielen wird, wird doch die Stabilität die oberste Priorität für Technologieunternehmen haben. Von den Entwickler:innen wird erwartet, dass sie Software unglaublich schnell bereitstellen. Gleichzeitig sollen sie sicherstellen, dass die Software nach einem Bug, einem Angriff oder einem Ausfall rasch wieder zur Verfügung steht. In 2023 werden Entwicklerteams mit immer mehr Abhängigkeiten und komplexen Infrastrukturen konfrontiert sein. Unternehmen, die diese Veränderungen bewältigen können, werden die Nase vorn haben. Wir sehen bereits jetzt, dass Wagniskapitalgeber und Technologieunternehmen große Investitionen in Tools tätigen, die Stabilität bieten – und wir werden auch in Zukunft überdurchschnittliche Investitionen sehen. Ein bewusster Umgang mit der Automatisierung von Prozessen wird der Schlüssel zur Widerstandsfähigkeit eines Unternehmens sein. Unternehmen müssen sich darauf fokussieren, was wichtig und wertschöpfend für ihre Kund:innen ist. Der Rest ist Nebensache. Der Druck auf die Teams war noch nie so hoch wie heute. Doch der Vorteil ist, dass die Teams stärker, effizienter und effektiver denn je sein werden. 


Vijay Tella ist Mitgründer und CEO von Workato 

Nichts ist so konstant wie der Wandel

In Zeiten einer lauernden Rezession, die auf einen Aufschwung der digitalen Transformation folgt, werden Unternehmen versuchen, mit weniger mehr zu erreichen – gleichzeitig werden viele ihre Prozesse neu überdenken. Denn aktuell geht es nicht nur um Kostensenkungen, sondern um ein ganzheitliches Umdenken und eine Neuausrichtung auf das, was wichtig ist und was nicht. Die Corona-Pandemie hat zahlreichen Unternehmen dabei bereits die Augen geöffnet und sie angestoßen, über die „neue“ Normalität nachzudenken und sich entsprechend darauf einzustellen. Geht man noch einen Schritt weiter, so werden Entscheider nun über grundlegende Bereiche ihres Unternehmens nachdenken. Schließlich wurden viele ausgebremst und die Arbeitsweise zahlreicher Menschen wurde schlagartig und im großen Stil verändert.

Währenddessen konnten sich aber einige Technologien bewähren und bestimmte Branchen boomten – das führt zu der Annahme, dass der Wandel per se der neue Weg für Unternehmen sein wird. Diese grundsätzlichen Veränderungen werden auch nach der Rezession von Dauer sein. Und genau in solchen Phasen sollten Personen auf C-Level in der Lage sein, Veränderung als einen Prozess anzunehmen, der für sie, insbesondere CEOs, zum neuen Standardmodus werden sollte. Geschäftsführer und Unternehmensinhaber sollten sich in erster Linie um die Vision des Unternehmens kümmern, besonders in Zeiten stetigen Wandels und bei aufkommenden Turbulenzen. Dabei ist es essenziell, dass die Vision des Unternehmens von jedem einzelnen Mitarbeiter in die Realität umgesetzt wird. Gleichzeitig wird der Anspruch gegenüber CIOs und CFOs stärker wachsen, indem CEOs sie immer öfter in Geschäftsentscheidungen einbinden werden – auch um die eigene C-Suite mit neuen Positionen zu erweitern (z.B. Chief Transformation Officer oder Chief Automation Officer).

Auch wenn Unternehmen mittlerweile an Turbulenzen wie die zur Zeit der Corona-Pandemie gewöhnt sind, die sich bereits heute abzeichnende und fortschreitende Rezession hat ebenfalls Signalwirkung. Die größte Herausforderung wird sein, dass Unternehmen noch in der gegenwärtigen, schwierigen Situation feststecken, während sie gleichzeitig aber schon die passende Vision für 2023 parat haben müssen. Das kommende Jahr wird demnach ein sehr forderndes Jahr, deshalb sollten sich Unternehmen noch stärker mit Eigenschaften wie Flexibilität, Anpassungsfähigkeit und Widerstandsfähigkeit wappnen – so können sowohl Belegschaft als auch Unternehmen selbst auf dem richtigen Weg gehalten werden. 


Dr. Brent Stucker ist Chief Technology Officer, Additive Manufacturing, bei 3D Systems 

Additive Fertigung reif für Produktion von Großserien

Ich erwarte, dass Designer 2023 die Vorteile der additiven Fertigung immer häufiger für Industrie- und Verbraucheranwendungen nutzen werden, die in viel größeren Mengen hergestellt werden, als es bisher der Fall war. Dazu braucht es 3D-Drucker, die für die echte Hochgeschwindigkeits-Massenproduktion kundenspezifischer Komponenten entwickelt wurden. Zusätzlich zu diesen hochproduktiven Geräten sind Werkstoffe erforderlich, die den strengen Anforderungen von massenproduzierten Komponenten standhalten können. Ich glaube, dass sich Geräte- und Werkstoffanbieter auch im kommenden Jahr auf produktivere Lösungen konzentrieren werden, die mit Werkstoffen mit hervorragenden Langzeiteigenschaften möglich sind.

Beim Blick auf die Additive-Fertigungs-Branche beobachte ich einen Wandel: Die additive Fertigung wurde zunächst überwiegend für die Produktion von Kleinserien verwendet. Jetzt beweist diese Technologie immer wieder, dass sie auch reif für die Produktion von Großserien ist. Das gilt nicht nur für den Gesundheitssektor, sondern auch für verbraucherorientierte Branchen wie die Spielzeugbranche oder Industrieanwendungen wie z.B. elektrische Steckverbinder. 


Lesen Sie hier mehr zum Thema

Forecast 2023: Resilienz im Fokus (Teil 20)

Gerade viele Mittelständler stellen sich aktuell diese Frage: Wie werden sich multiple Krisen auf das Geschäft auswirken? Wie entwickeln sich Inflation, Fachkräftemangel und die anhaltende Lieferkrise im kommenden Jahr? Kurz: Wie plant man das Unplanbare? Wir haben Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen genau dazu gefragt und um kurze Statements gebeten, inwiefern Werkzeuge der digitalen Transformation dabei helfen können. Hier der 20. Teil.

Forecast 2023: Resilienz im Fokus (Teil 19)

Gerade viele Mittelständler stellen sich aktuell diese Frage: Wie werden sich multiple Krisen auf das Geschäft auswirken? Wie entwickeln sich Inflation, Fachkräftemangel und die anhaltende Lieferkrise im kommenden Jahr? Kurz: Wie plant man das Unplanbare? Wir haben Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen genau dazu gefragt und um kurze Statements gebeten, inwiefern Werkzeuge der digitalen Transformation dabei helfen können. Hier der 19. Teil.

Inklusion und Sensibilität heißt die Devise

Thomas Schuller beschreibt, welche Softwaretrends dieses Jahr wichtig werden. Der Regional Director DACH bei Progress-Software sieht vor allem, dass Software-Produkte „mehr Menschen abholen sollen und Unternehmen feinfühliger bei der Personalisierung vorgehen werden.“

Bildquelle / Lizenz Aufmacher:

Photo by Denis Degioanni on Unsplash


Creative Commons Lizenz CC BY-ND 4.0

Sie dürfen:

Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.

Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten.


Unter folgenden Bedingungen:

Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.

Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen, dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten.