Forecast 2023: Resilienz im Fokus (Teil 11)

Gerade viele Mittelständler stellen sich aktuell diese Frage: Wie werden sich multiple Krisen auf das Geschäft auswirken? Wie entwickeln sich Inflation, Fachkräftemangel und die anhaltende Lieferkrise im kommenden Jahr? Kurz: Wie plant man das Unplanbare? Wir haben Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen genau dazu gefragt und um kurze Statements gebeten, inwiefern Werkzeuge der digitalen Transformation dabei helfen können. Hier die 11. Folge.


Digital Robots erobern den Mittelstand

Jens Riegger ist Geschäftsführer (CEO) und Mitgründer von fruitcore robotics 

Auch in der Krise frieren Unternehmen ihre Investments nicht ein, um in neue Technologien zu investieren. Was ihnen lediglich fehlt, sind Zeit, Geduld und ein Budget für Experimente. Das gilt vor allem für den Mittelstand. Technische Lösungen müssen sofort einsatzbereit sein und zur Wertschöpfung beitragen. Auf Digital Robots trifft beides zu. Laut unserer Umfrage zeichnet sich für 2023 auf diesem Gebiet auch ein vielversprechender Trend ab: 14 Prozent der Mittelständler haben 2022 bereits Roboter im Einsatz, weitere 18 Prozent wollten sich in diesem Jahr noch welche anschaffen und zusätzliche 28 Prozent befinden sich zumindest schon in der Planungsphase. Die einzig potenziell größere Hürde ist die noch fehlende Akzeptanz im eigenen Unternehmen – die jedes Management jedoch in wenigen Schritten schnell und nachhaltig fördern und somit Sorgen und Ängste in der Zusammenarbeit mit Robotern aus dem Weg räumen kann. Umgesetzt werden kann dies beispielsweise durch Transparenz in der Unternehmenskommunikation, Einbezug der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Weiterbildung. 2023 muss daher im Zeichen der Mitarbeitervorbereitung stehen, um die Einführung von Robotern und damit auch den Digitalisierungsprozess künftig zum Erfolg führen zu können. 


Janina Bolling ist Photonics21-Vorstandsmitglied; Leiterin Analysen-, Bio- und Labortechnik, SPECTARIS 

2023 machen wir die Landwirtschaft krisenfest, mit Agri-Photonik

Wer im Supermarkt Lebensmittel einkauft, spürt preislich die Auswirkungen von Klimakrise und Krieg. Unsere Nahrungsketten sind nicht so sicher und das ausladende Angebot nicht so selbstverständlich, wie bisher angenommen. Doch es gibt gute Nachrichten: die Photonik kann dabei helfen, unsere Landwirtschaft resilienter, nachhaltiger und effizienter zu machen. Photonische Lösungen nutzen dabei Licht. Zu den relevanten Instrumenten gehören Laser und Lidar, hyperspektrale Bildgebung und viele andere Arten von Sensoren sowie energieeffiziente LEDs. Mit diesen Technologien lassen sich zum Beispiel in Echtzeit Bodengesundheit und Wasserhaushalt überwachen, der Proteingehalt in der Getreideernte vorhersagen, der richtige Zeitpunkt für die Obsternte bestimmen und Produkte auf Schadstoffe untersuchen. Weil optische Sensoren auch Unkraut, Krankheiten und Schädlinge entdecken, können Landwirte Pestizide sehr viel gezielter und sparsamer einsetzen. Der Einsatz von Lasern zu Unkrautbekämpfung könnte Pestizide sogar überflüssig machen. Mobile Sensoren erlauben es dem Konsumenten direkt beim Einkauf die Belastung von Obst und Gemüse zu überprüfen. Unter dem Begriff „Urban Farming“ können Salate und Kräuter mittels LED auf den Dächern von Supermärkten angebaut werden, das spart Transportwege und garantiert frische Produkte.  Bis 2030 müssen wir in der Lage sein, eine Weltbevölkerung von zehn Milliarden Menschen zu ernähren. Gleichzeitig darf der ökologische Fußabdruck von Landwirtschaft, Fischerei und Aquakultur nicht größer werden. Photonik-gestützte Landwirtschaft wird hier ein Lösungsweg sein. Europa ist weltweit gesehen die Nummer zwei auf dem Weltmarkt der Photonik-Technologien, wir haben also die besten Chancen eine Führungsrolle in der Landwirtschaft 4.0 einzunehmen. 2023 sollte das Jahr sein, in dem wir unsere Landwirtschaft mittels der Photonik sehr viel besser aufstellen. 


Geschäftsanwendungen werden als neue datengetriebene Versionen wiedergeboren

Christian Kleinerman ist Senior Vice President of Product bei Snowflake 

Wir stehen am Anfang der Renaissance in der Softwareentwicklung: Anstatt wie bisher Daten in Anwendungen zu kopieren, werden Entwickler:innen ihre Anwendungen direkt mit zentralen, kombinierten Datenquellen verknüpfen. Jede einzelne Anwendungskategorie, ob horizontal und generisch für eine große Anwendergruppe oder branchenspezifisch, wird als datengetriebene Anwendung neu erfunden werden. So können mithilfe riesiger Datenmengen Produkte personalisiert und Dienstleistungen optimiert werden.
Entwickler:innen jeglicher Fachrichtungen bietet der Anstieg datengetriebener Anwendungen enorme Chancen – ganz gleich, ob sie an einer brandneuen Idee für eine Anwendung und ein darauf basierendes Geschäftsmodell arbeiten oder ob sie nach Möglichkeiten suchen, ihren bestehenden Softwarebetrieb zu erweitern.
Die Plattformanbieter werden einen Großteil der Verantwortung für Sicherheit, Governance, Datenschutz, Vertrieb und Monetarisierung übernehmen, sodass sich Entwickler:innen und Unternehmer:innen auf Innovationen konzentrieren können, die ihnen am Markt die entscheidenden Alleinstellungsmerkmale verschaffen. 


Data Analytics gehört zur Unternehmenskultur

Alan Jacobson ist Chief Data & Analytics Officer bei Alteryx

Mit einer Glaskugel und Bauchgefühl allein kann man weder das Unbekannte planen noch sich gegen unternehmensweite Risiken schützen. Seit einiger Zeit verfolgen Unternehmen das Ziel, eine Datenstrategie zu entwickeln, mit der sich ein einziges, richtiges Ergebnis ermitteln lässt. Das klingt zwar in der Theorie gut, ist aber in der Praxis nicht so einfach. Oft gibt es mehrere richtige Antworten auf eine Frage – je nachdem, mit welchen Parametern sie definiert wird. Eine erfolgreiche Planung und ein gutes Risikomanagement erfordern Daten als Kurskorrektor (und damit auch das Wissen und die Fähigkeit, sie zu nutzen), um verschiedene Szenarien zu modellieren, die sich während einer möglichen Krise abspielen könnten – und gleichzeitig die Entscheidungsgrundlagen für die Navigation zu liefern, die für die Vorhersage, Anpassung und Durchführung einer Wiederherstellung erforderlich sind. Im Jahr 2023 und darüber hinaus werden mehr Unternehmen danach streben, analytisch reifer zu werden, indem sie bessere Fragen stellen, Nuancen bei der Suche nach Antworten erkennen und ihre eigenen Erkenntnisse gewinnen, anstatt sich auf eine einzige Version der Wahrheit zu verlassen. Letztendlich werden sie eine Analytik-Kultur fördern. Eine Kultur, die sicherstellt, dass jeder Mitarbeitende im gesamten Unternehmen, das nutzen kann, was die Daten offenlegen. Nur so können Unternehmen über den Tellerrand hinausblicken und sich mit der Intelligenz, Flexibilität und Schnelligkeit auf kommende Herausforderungen vorbereiten, die in einer sich ständig verändernden Welt erforderlich sind.


Lesen Sie hier mehr zum Thema

Forecast 2023: Resilienz im Fokus (Teil 20)

Gerade viele Mittelständler stellen sich aktuell diese Frage: Wie werden sich multiple Krisen auf das Geschäft auswirken? Wie entwickeln sich Inflation, Fachkräftemangel und die anhaltende Lieferkrise im kommenden Jahr? Kurz: Wie plant man das Unplanbare? Wir haben Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen genau dazu gefragt und um kurze Statements gebeten, inwiefern Werkzeuge der digitalen Transformation dabei helfen können. Hier der 20. Teil.

Forecast 2023: Resilienz im Fokus (Teil 19)

Gerade viele Mittelständler stellen sich aktuell diese Frage: Wie werden sich multiple Krisen auf das Geschäft auswirken? Wie entwickeln sich Inflation, Fachkräftemangel und die anhaltende Lieferkrise im kommenden Jahr? Kurz: Wie plant man das Unplanbare? Wir haben Expert:innen unterschiedlichster Disziplinen genau dazu gefragt und um kurze Statements gebeten, inwiefern Werkzeuge der digitalen Transformation dabei helfen können. Hier der 19. Teil.

Inklusion und Sensibilität heißt die Devise

Thomas Schuller beschreibt, welche Softwaretrends dieses Jahr wichtig werden. Der Regional Director DACH bei Progress-Software sieht vor allem, dass Software-Produkte „mehr Menschen abholen sollen und Unternehmen feinfühliger bei der Personalisierung vorgehen werden.“

Bildquelle / Lizenz Aufmacher:

Photo by Denis Degioanni on Unsplash


Creative Commons Lizenz CC BY-ND 4.0

Sie dürfen:

Teilen — das Material in jedwedem Format oder Medium vervielfältigen und weiterverbreiten und zwar für beliebige Zwecke, sogar kommerziell.

Der Lizenzgeber kann diese Freiheiten nicht widerrufen solange Sie sich an die Lizenzbedingungen halten.


Unter folgenden Bedingungen:

Namensnennung — Sie müssen angemessene Urheber- und Rechteangaben machen, einen Link zur Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Diese Angaben dürfen in jeder angemessenen Art und Weise gemacht werden, allerdings nicht so, dass der Eindruck entsteht, der Lizenzgeber unterstütze gerade Sie oder Ihre Nutzung besonders.

Keine Bearbeitungen — Wenn Sie das Material remixen, verändern oder darauf anderweitig direkt aufbauen, dürfen Sie die bearbeitete Fassung des Materials nicht verbreiten.