Digitalisierung: Faktor Mensch

Dies ist ein Gastbeitrag von Florian Bäuml, Regional Vice President CE bei AppDynamics

Wenn wir über die digitale Transformation reden, dann sprechen wir in abstrakter Form über Plattformen, Architekturen und Infrastruktur und in konkreter Form über Schlüsseltechnologien wie Cloud, Künstliche Intelligenz oder Big Data. Zumeist wird dabei jedoch vergessen, dass die Digitalisierung auch eine menschliche Seite hat – verkörpert durch die Innovatoren in den Unternehmen, die die Einführung digitaler Technologien vorantreiben. Wir bezeichnen diese Personen als Agents of Transformation.

Der Harvard-Ökonom Joseph Schumpeter beschrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wie „heroische“ Unternehmer die wirtschaftliche Entwicklung vorantreiben, indem sie Innovationen in großem Maßstab durchsetzen. Ohne ihr mutiges Wirken, so seine Überzeugung, würde Stillstand herrschen. Vier entscheidende Stärken schrieb er seinen Unternehmern zu: Erstens das notwendigen Fähigkeiten zweitens ein Höchstmaß an Durchsetzungswille, drittens den Mut, neue Wege zu beschreiten, und viertens die Fähigkeit, das Zukunftspotenzial von Dingen zu erkennen. Ihre Motivation sah er nicht rein im Erwerb von Reichtum, sondern in der Lust am Gestalten und an persönlichen Erfolgen.

Schumpeters Theorie hat in den letzten Jahren wieder stark an Popularität gewonnen, so hat beispielsweise der britische „Economist“ seine regelmäßige Kolumne über Wirtschafts- und Innovationsthemen nach Schumpeter benannt, seine Bücher wurden neu aufgelegt. Diese Rückkehr ins Rampenlicht, so lässt sich spekulieren, liegt nicht zuletzt daran, dass wir selbst in Zeiten rasanten wirtschaftlichen Wandels leben. Wir sind tagtäglich Zeuge, wie digitale Innovationen ganze Branchen auf den Kopf stellen und Geschäftsmodelle revolutionieren. Selbst etablierte Anbieter, die die Märkte mitunter seit Jahrzehnten dominierten, geraten unter die Räder und verschwinden. An ihre Stelle treten Anbieter, die die Wettbewerbsvorteile der neuen Technologien besser zu nutzen verstehen. Schumpeter bezeichnete diesen Prozess als „kreative Zerstörung“.

Warum Unternehmen Agents of Transformation brauchen

Was müssen Unternehmen tun, um zum Gewinner dieses Wandels zu werden – nicht zum Verlierer? Letztlich geht es für sie darum, dem rasanten Innovationsdruck standzuhalten, die neuen Technologien im Kontext des eigenen Geschäftsmodells nutzbar zu machen und ansprechende digitale Kundenerlebnisse zu schaffen, die den wachsenden Bedürfnissen heutiger Verbraucher gerecht werden. Das funktioniert nur mit dem richtigen Personal. Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage hat AppDynamics untersucht, wie IT-Fachleute in Unternehmen ticken. Als zentrale Treiber des digitalen Wandels kristallisierten sich dabei die sogenannten Agents of Transformation heraus.

Wir definieren sie als IT-Fachleute, die über die notwendigen Fähigkeiten, ein Höchstmaß an Ambition und eine klare Vision verfügen, auf deren Basis sie Innovationen im Unternehmen verwirklichen können. Sie bringen also das nötige Rüstzeug und vor allem auch die nötige Motivation mit, um die Herkulesaufgaben der Digitalisierung zu stemmen. Dank ihrer technischen, betriebswirtschaftlichen und kommunikativen Skills sind in der Lage, sich auftuende Chancen zu erkennen, entsprechende Innovationsprojekte anzustoßen und ihre Kollegen dafür zu begeistern. Die von AppDynamics befragten Experten halten die Agents of Transformation für tragende Säulen jeder Digitalisierungsstrategie. 33 Prozent der IT-Fachleute in deutschen Unternehmen sind sogar überzeugt, dass sich ohne Agents of Transformation Innovations- und Digitalisierungsprojekte schlicht nicht verwirklichen lassen.

So ticken die Helden des digitalen Zeitalters

Zum Agent of Transformation kann prinzipiell jeder werden, der die oben genannten Voraussetzungen erfüllt. Spannend ist, was die Agenten zu ihrem Engagement motiviert: Einerseits geht es ihnen um persönliches Vorankommen. Sie haben verstanden, dass die Digitalisierung für Fachleute mit ihrer Qualifikation hervorragende Karrierechancen bereithält. Danach gefragt, wo sie sich in zehn Jahren sehen, geben 42 Prozent an, ein eigenes Unternehmen gründen zu wollen. 45 Prozent streben eine CIO- oder CTO-Position an. Andererseits sind die Agents of Transformation aber auch Weltverbesserer: Sie agieren mit dem Anspruch, ihre Umwelt mitzugestalten. 95 Prozent wollen durch ihre berufliche Tätigkeit ein positives und dauerhaftes Vermächtnis hinterlassen.

Was können Unternehmen tun?

AppDynamics hat sich auf die Suche nach Agents of Transformation gemacht, die in deutschen Unternehmen bereits aktiv sind. Einer von ihnen ist Augusto Dé Abreu, Solution Architect IoT (M2M) bei der Deutschen Telekom IT GmbH. Er erklärt, was Unternehmen tun müssen, um die Agents of Transformation in ihren eigenen Reihen bestmöglich zu unterstützen:

„Wer die Agents of Transformation in den eigenen Reihen fördern will, muss ihnen Verantwortung übertragen und ihnen den Spielraum eröffnen, eigene Entscheidungen zu treffen. Manager sollten verstehen, dass sie in diesem Kontext eine Unterstützerrolle ausfüllen und ihr Team dazu befähigen müssen, Veränderungen zu bewirken und Probleme zu identifizieren und zu lösen. Die Mitarbeiter selbst dürfen gleichzeitig nicht nur ausführende Kräfte sein, die die Ideen anderer umsetzen. Natürlich bedarf es dabei einer Kultur, in der Fehler als wichtiger Teil des Lernprozesses und der persönlichen Entwicklung begriffen werden. Darüber hinaus halte ich es für wichtig, den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, an Projekten teilzunehmen, die für sie selbst spannend sind. Wenn Mitarbeiter mit Projekten betraut werden, die ihren persönlichen Vorlieben und Interessen entsprechen, sind sie motivierter und legen bereitwillig eine Schippe drauf.“

Digitale Innovatoren sind datenversessen

Einen entscheidenden strategischen Vorteil verschaffen sich die Agents of Transformation durch Daten. Wann immer sie eine Entscheidung treffen, konsultieren sie vorher das passende Dashboard. Die gewonnenen Einsichten eröffnen eine strategische Sichtweise auf Probleme. An die Stelle kurzfristiger Ursachenbekämpfung tritt eine proaktive Beseitigung möglicher Risiken und Bruchstellen. Gleichzeitig helfen die Daten, die große Dichotomie moderner Technik zu bewältigen: Während deren Bedienung für den Endnutzer immer einfacher und angenehmer wird, erreichen die im Hintergrund laufenden Systeme ein bislang ungekanntes Maß an Komplexität. Technologien wie Multicloud, Serverless oder Edge Computing machen die IT-Landschaften vollends unübersichtlich, jede Geschäftstransaktion basiert auf einer enormen Zahl an Abhängigkeiten.

Um die Kontrolle zu wahren, bedarf es innovativer, daten- und KI-getriebener Ansätze. Diese bergen noch einen weiteren Vorteil: Sie ermöglichen es, Routineaufgaben zu automatisieren – so bleibt den Mitarbeitern mehr Zeit für Innovationsprojekte. Allerdings beklagen aktuell 32 Prozent der Agents of Transformation, dass sie keinen Zugriff auf Software und Tools haben, die sie benötigen, um Daten in Echtzeit in kontextspezifische Erkenntnisse umzuwandeln. 22 Prozent fehlt insgesamt der Zugang zu Daten, die zum Erreichen von Innovationszielen unverzichtbar sind. Hier besteht dringender Nachholbedarf.

Raum für mutige Ideen

Die Parallelen zwischen Joseph Schumpeters heroischen Unternehmern und den Agents of Transformation liegen auf der Hand. Als Schumpeter seine Abhandlung schrieb, hatte er die großen Fabrikherren und Industriekapitäne seiner Zeit vor Augen. Im digitalen Zeitalter sitzen die wichtigsten Innovationstreiber nicht mehr ausschließlich in der Chefetage, sondern in der IT-Abteilung. Sie sind die Helden der digitalen Transformation, die maßgeblich mitgestalten, wie unsere Welt morgen aussehen wird.

Das Problem: Lediglich vier Prozent der deutschen IT-Fachleute erfüllen die Kriterien, weltweit sind es durchschnittlich neun Prozent. Wenn wir uns fragen, weshalb Deutschland bei der digitalen Transformation hinterherhinkt, dann dürfen wir diesen „Faktor Mensch“ nicht außer Acht lassen. Drei Aspekte sind von Bedeutung, um Abhilfe zu schaffen: Erstens müssen Unternehmen verstärkt in das eigene Personal investieren, zum Beispiel in Form von Weiterbildungen. Lediglich 26 Prozent der befragten IT-Fachleute sind der Meinung, dass ihr persönliches Potenzial gegenwärtig voll ausgeschöpft wird. Zweitens muss die notwendige Infrastruktur für datengestützte Entscheidungen geschaffen werden. Und drittens müssen Unternehmen damit anfangen, visionäres Denken stärker zu fördern. Die Agents of Transformation haben jede Menge mutige Ideen mit enormem Zukunftspotenzial – es liegt nun an den Unternehmen, Raum für deren Umsetzung zu schaffen.

Weitere Informationen unter:
https://www.appdynamics.com

Bildquelle / Lizenz: Photo by ROBIN WORRALL on Unsplash

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