„Digitale Transformation und moderne Netzwerke gehen Hand in Hand“

Nur zu häufig wird das Netzwerk vergessen, wenn es um digitale Transformation geht. Dazu sprachen wir mit Dirk Schuma, Sales Manager Europe bei Opengear.

Das Netzwerk als solches wird häufig bei der Digitalen Transformation des Unternehmens vergessen. Was genau versteht man unter Netzwerkmodernisierung und warum ist diese ein so wichtiger Baustein bei der Digitalen Transformation?
Viele Netzwerke sind heute noch nicht auf Automatisierung und Resilienz ausgerichtet. Infolgedessen müssen deren Administratoren notwendige Konfigurationen und Aktualisierungen nach wie vor manuell vornehmen. Das ist nicht nur langsam, sondern auch fehleranfällig und kostspielig. Zudem sind veraltete Netzwerkstrukturen selten geeignet, um neue geschäftliche Anforderungen abzubilden. Ein modernes Netzwerk ist für die Digitale Transformation daher unumgänglich, beides geht Hand in Hand.

Was sind die größten Risiken bei einer unterlassenen Netzwerkmodernisierung?
Läuft das Netzwerk nicht stabil, weil Unternehmen dringende Modernisierungsmaßnahmen vernachlässigen, kommen auch sämtliche Digitalisierungsprojekte zum Stillstand. Das größte Risiko ist also, dass die Digitale Transformation komplett zum Erliegen kommt. Ausfälle sind in traditionellen Netzwerkumgebungen zudem ein hoher Kostenfaktor, insbesondere wenn Administratoren zum Beheben eines Problems vor Ort Hand anlegen und dafür erst einmal anreisen müssen. Auch Ausfallzeiten verlängern sich dadurch extrem. Für Unternehmen, die Netzwerk-Resilienz von Anfang an bei ihrer Strategie berücksichtigen, verlieren Ausfälle hingegen ihren Schrecken – sie lassen sich so zwar nicht gänzlich verhindern, aber deren Dauer und Auswirkungen deutlich einschränken.

Um von der Theorie in die Praxis zu kommen: Haben Sie konkrete Beispiele wie Unternehmen beim Thema Netzwerk aufgestellt sind? Falls ja, wo sehen Sie ungenutztes Potential?
Tatsächlich haben wir dieses Jahr 500 Netzwerktechniker und 500 CIOs in einer Studie unabhängig voneinander zu verschiedenen Themen rund um die Digitale Transformation befragt. Wir fanden heraus, dass die Zusammenarbeit zwischen ihnen noch lange nicht in dem Maß stattfindet, um die Digitalisierung gewinnbringend in Angriff zu nehmen. Gerade bei der so wichtigen strategischen Ausrichtung sind lediglich zwölf Prozent der Netzwerkingenieure beteiligt. Viel zu wenig! Dabei wissen vier Fünftel der CIOs laut eigener Angabe, wie wichtig die Fähigkeiten ihrer IT- und insbesondere der Netzwerkteams sind.

Was sind die ersten konkreten Schritte, die mein Unternehmen gehen muss für eine bessere Netzwerk-Resilienz?
Eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Netzwerktechnologie ist der erste Schritt, dicht gefolgt von einer Einschätzung, wie sich der Bedarf seit dem initialen Design der Netzwerkstruktur verändert hat. Anschließend folgt eine Evaluation, welcher Bedarf vorhanden ist und welche Netzwerkkapazitäten in Zukunft gebraucht werden. Sind diese theoretischen Schritte abgeschlossen, steht der praktischen Modernisierung des Netzes nichts mehr im Wege.

Die Gefahr von Cyberangriffen beschäftigt Unternehmen tagein und tagaus – ist ein resilientes Netzwerk hier der Superheld, der die Bösewichte bekämpft?
Beim Thema Netzwerk-Resilienz spielen natürlich auch die Sicherheitsmaßnahmen eine gewichtige Rolle, Stichwort Firewall. Grundsätzlich gilt für die Netzwerkinfrastruktur, was für alle IT-Infrastrukturen im Hinblick auf die Sicherheit gilt: Updates, Patches, Bugfixes. Ich kann Unternehmen nur vehement ans Herz legen, ihre Hard-, Soft- und Middleware auf dem neuesten Stand zu halten und regelmäßig zu aktualisieren.

Wenn wir über Netzwerkmodernisierung und resiliente Netzwerke sprechen, müssen wir auch über Netzwerkausfälle sprechen. Sie sind der Alptraum jedes Unternehmens. Wie ist die Lage – nehmen sie im Zuge der Digitalen Transformation in Unternehmen eher zu oder eher ab? 
Unsere Studie zeigt, dass Häufigkeit, Schwere und Kosten von Ausfällen aktuell eher zu- statt abnehmen, was ziemlich besorgniserregend ist. Unternehmen brauchen zudem deutlich länger als früher, um sich von ihnen zu erholen. Die Digitale Transformation kann vielerorts – wenn sie mit einer Netzwerkmodernisierung einhergeht – für eine Besserung sorgen.

Was sind aus Ihrer Erfahrung die besten Erste-Hilfe-Tipps bei einem Netzwerkausfall? Welche Maßnahmen können Unternehmen präventiv ergreifen?
Die oberste Prämisse ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Allgemeingültige Erste-Hilfe-Tipps sind schwer zu erteilen, da es immer individuell auf die Netzwerkinfrastruktur und natürlich die Art und Weise des Ausfalls ankommt: Wird bei Bauarbeiten das Netzwerkkabel durchtrennt, bringt die beste Analyse-Software nichts. Eine Out-of-Band-Lösung, über die Administratoren während eines Ausfalls via Mobilfunk Zugriff auf sämtliche Netzwerkgeräte haben, ist aber in jedem Fall eine hilfreiche Präventivmaßnahme.

Wir haben gelernt, dass die Digitale Transformation ein modernes Netzwerk braucht. Mal von einer anderen Perspektive gefragt – welche Vorteile genießen Unternehmen, die sich verantwortungsbewusst um ihr Netzwerk kümmern?
Die höhere Resilienz des Netzwerks, was die direkte Folge des verantwortungsbewussten Handelns ist, sorgt ultimativ für geringere Kosten durch kürzere Ausfälle und geringeren Personalaufwand. Aber auch Rufschädigungen, die mit Netzwerkausfällen immer einhergehen, können Unternehmen mit resilienten Netzen verhindern. Ein proaktiverer Vorteil ist das Innovationspotenzial, welches sich ohne stabile Netzwerke nicht vollständig entfaltet.


Über den Interviewpartner

Dirk Schuma ist Sales Manager Europe bei Opengear. In dieser Position ist er seit 2017 tätig und aktuell für die DACH-Region, die Niederlande, Osteuropa, Russland sowie die Türkei verantwortlich. Nach seinem Studium an der Technischen Fachhochschule Köln und der Rheinischen Akademie sammelte er über 25 Jahre Erfahrung als Sales-Experte bei verschiedenen Unternehmen der IT-Branche. Privat ist Schuma passionierter Motorsport-Fan, reist gerne und findet Ausgleich beim Gärtnern.


Creative Commons Lizenz CC BY-ND 4.0

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