Digitale Transformation: 2019 wird das Jahr der Ergebnisorientierung

Dr. Willms Buhse, CEO der doubleYUU GmbH, sieht aus seiner Sicht für 2019 einen wichtigen Punkt: Projekte der Digitalen Transformation sollten aus der Perspektive der Ergebnisorientierung nun endlich zum Erfolg gebracht werden. Denn die kommenden Jahre könnten schwierig werden.

Die Frage nach den wichtigsten Trends und Entwicklungen der kommenden Monate ist viel zu oft ein kruder Mix aus Erwartungen, Einschätzung und mehr gefühlten, als echten Fakten. Also so manches Mal nur reines Wunschdenken. Dabei gibt es grundsätzlich schon einmal einen entscheidenden Faktor, der die Basis aller Trend-Überlegungen bilden sollte. Denn auch bei der Frage, was in 2019 wichtig wird, gilt der alte Leitsatz: „It’s the economy, stupid“.
Wir müssen also als Erstes auf die Wirtschaft schauen und da sehen wir: Das Klima wird rauer. Die Bundesbank beurteilt die Aussichten für die deutsche Wirtschaft mittlerweile deutlich negativer als noch im Juni. So sagte beispielsweise Bundesbank-Präsident Jens Weidmann Ende des Jahres, dass aus „heutiger Sicht“ die Gefahren für das Wirtschaftswachstum „überwiegen“ würden. Die Wirtschaft sei bereits stark ausgelastet und könne in den kommenden Jahren nur noch leicht zulegen. Viele weitere Ökonomen sehen das sogar noch negativer.

Trump, Brexit, Umsatzwarnungen und Restrukturierungsprogramme: Das wirtschaftliche Klima wird rauer

Aber, nehmen wir noch weitere konkrete Beispiele: So hat Apple gerade eine heftige Gewinnwarnung herausgegeben, wegen deutlich geringerer iPhone-Absätze und erste Unternehmen, wie beispielsweise aus der Automobilbranche, legen harte Restrukturierungsprogramme auf. So gab General Motors bereits Ende November bekannt, jede sechste Stelle streichen zu wollen. Als Hintergrund nannte das Unternehmen die stark sinkende Nachfrage nach Limousinen in den USA sowie steigende Kosten, etwa durch die von US-Präsident Donald Trump erlassenen höheren Importzölle auf Stahl.
Wir können für 2019 also klare Indikatoren für stürmische Monate sehen.
Auch die politische Großwetterlage sieht alles andere als freundlich aus, wie das Beispiel GM bereits andeutete: Wir sehen viel Volatilität und Unsicherheit; VUCA im wahrsten Sinne. Keiner weiß, wie sich der Brexit gestaltet, das von Trump verursachte Dauerchaos mit immer wieder neu angedrohten, ausgesetzten und kurzfristig eingeführten Strafzöllen, sorgt für weitere dunkle Wolken und stürmische Zeiten. Zusätzlichen Druck übt zudem ein immer stärker werdendes China aus.

Auch der deutsche Mittelstand gerät unter Druck: durch ausländische Investoren und die Digitalisierung

Wie sieht die Lage hierzulande aus? Da können wir beobachten, wie ausländische Investoren immer aggressiver auch den deutschen Mittelstand und den Binnenmarkt ins Visier nehmen. So sah Price Waterhouse Coopers die hiesigen Unternehmen als beliebtes Akquisitionsziel für internationale Investoren. Gleichzeitig tun sich viele Firmen schwer, in Sachen Digitalisierung wirklich nach vorne zu kommen. Oft werden eher geplante Roadmaps diskutiert als echte Ergebnisse.
Diese Rahmenbedingungen sorgen in den kommenden zwölf Monaten dafür, dass viele Unternehmer und Manager gezwungen sein werden, ihre Komfortzone zu verlassen.

Die Zeit der digitalen Leuchtturmprojekte ist vorbei

Für viele Konzerne, mittelständische Technologiemarktführer und Familienunternehmen bedeutet das, dass spätestens jetzt die Zeit der digitalen Leuchtturmprojekte vorbei ist. Es reicht nicht mehr, auf einzelne Abteilungen Etiketten wie „agile“ oder „digital“ zu kleben oder für einzelne Nischen-Tech-Projekte Unsummen auszugeben, deren Integration anschließend scheitert. In den vergangenen Jahren konnten wir immer mehr Digital-Labs beobachten, die fast schon ein unheimliches und vor allem völlig ineffektives Eigenleben entwickelten. Das konnten wir selbst bei großen, streng und kosteneffizient geführten Unternehmen sehen.
Damit ist Agilität heute schon ein erster Anwärter auf den Titel für das Unwort des vergangenen Jahres. Eine unkoordinierte Selbstorganisation schafft einfach kein Vertrauen, sondern braucht neben der Kunden- die Ergebnisorientierung.

2019 wird das Jahr, in dem geliefert werden muss. Aus Ideen und Konzepten müssen Produkte werden

Kein Mitarbeiter darf es sich heute leisten, sich einfach nur als Unternehmensbewohner zu sehen. Für Unternehmen bedeutet das, ihnen tatsächlich die Chance einzuräumen, an dem Erfolg und dem Ergebnis aktiv mitzuwirken und sich so selbst auch fit für die digitale Zukunft zu machen.
2019 wird das Jahr, in dem geliefert werden muss. Aus Ideen und Konzepten müssen Produkte werden. Egal ob Finanz- oder Automobilindustrie, ob Chemie, Maschinenbau oder Handel – die Einschläge treffen jetzt ins Mark der deutschen Vorzeigebranchen – wie selbst der kritische Comedian Dieter Nuhr auf den Punkt bringt. Die freie Spielzeit ist so gut wie überall vorbei, ab jetzt zählen Ergebnisse mehr denn je im Zeitalter der Digitalisierung.

Ja, Transformationen von Unternehmen funktionieren nicht über Nacht. Aber ohne Zwischenerfolge aus Transformationsprogrammen werden Unternehmen es schwer haben, in der Digitalen Transformation erfolgreich zu sein. Schon deshalb, weil eine Lücke zum Wettbewerb droht, die kaum noch aufgeholt werden kann. Und mehr als einmal hat die Vergangenheit gezeigt: „The winner takes it all“.

Über den Autor:

Dr. Willms Buhse, CEO, doubleYUU GmbH (Bildnachweis: doubleYUU)

Dr. Willms Buhse, CEO, doubleYUU GmbH (Bildnachweis: doubleYUU)

Dr. Willms Buhse ist Gründer und CEO der Hamburger Managementberatung doubleYUU sowie des innovativen Weiterbildungspartners d-cademy und bringt die Innovationen des Silicon Valleys in die deutschen Führungsetagen. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel und viele Top-Manager zählen zu seinen Kunden. Er hält Vorträge in Harvard, am MIT und an deutschen Elite-Universitäten und bloggt für die Wirtschaftswoche. Dr. Buhse ist in Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften diplomiert und promovierte über Wettbewerbsstrategien im digitalen Zeitalter. Er arbeitete für Reemtsma, Roland Berger, war Technologie-Scout im Silicon Valley, gründete für Bertelsmann ein Start-up in New York und gewann mit CoreMedia, einem Investment der Deutschen Telekom, den Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft.
Sein letzter Bestseller „Management by Internet – neue Führungsmodelle für Unternehmen in Zeiten der digitalen Transformation“ wurde vom Harvard Business Manager als Top 10 Managementbuch ausgezeichnet.

CC BY-SA 4.0 DE

 
 
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