Page 5 - TREND REPORT Juni 2021
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TREND REPORT Juni 2021 | Finanzwelt im Wandel 5 sich per einfachem Klick oder Alexa- Sprachsteuerung auf anderen Händler- portalen zum Einkauf nutzen. Ein zu- sätzliches Log-in für andere Händler entfällt dadurch. Digitale Währung Facebook schließlich wollte mit Libra nichts Geringeres als eine digitale Weltwährung erscha en. Nachrichten, Fotos und Videos lassen sich kostenlos und in Sekundenbruchteilen verschi- cken. Überweisungen brauchen teils Tage und sind teuer, sobald Grenzen überschritten werden und unterschied- liche Währungen ins Spiel kommen. Das Konzeptpapier aus dem Sommer 2019 sah eine digitale Währung vor, die auf einem Korb an Fiatwährungen wie Euro und Dollar basieren sollte. Zur Entwicklung der Libra-Block- chain und Verwaltung der Libra-Reser- ve – reale Gegenwerte, die die Wäh- rung stützen und eine geringe Volatili- tät aufweisen sollten – wurde eigens dafür in Genf die Libra Association ge- gründet. Neben Facebook gehören zu den Gründungsmitgliedern des Kon- sortiums auch Unternehmen wie Spo- tify, Uber, Vodafone oder E-Bay. „Wir glauben, dass die Zusammenarbeit und Innovation mit dem Finanzsektor, ein- schließlich der Regulierungsbehörden, der einzige Weg ist, um sicherzustellen, dass ein nachhaltiges, sicheres und ver- trauenswürdiges Rahmenwerk diesem neuen System zugrunde liegt“, ließ die Organisation in einer ihrer ersten Pres- semeldungen verlauten. Doch die er- ho te Zusammenarbeit gestaltete sich schwieriger als gedacht. Vielmehr ha- gelte es Kritik und die Einführung ei- ner Parallelwährung mit dem Potenzi- al, das Finanzsystem zu destabilisieren, wurde befürchtet. Ganz zu schweigen von den Datenschutzbedenken, die eng mit dem sozialen Netzwerk ver- knüpft sind. Auch das Zuckerberg noch 2019 unter Eid versichern muss- te, dass er ohne die explizite Genehmi- gung der US-Regulierer keine Wäh- rung auf den Markt bringen würde, half dabei wenig. Seit dem ersten Dezember 2020 heißt Libra Diem, verbunden mit einer strategischen Neuausrichtung. Diem arbeitete ausschließlich mit der Schweizer Finanzaufsicht Finma zu- sammen. Die Ho nung: Wenn diese die Digitalwährung absegne, würden andere Länder sicher folgen. Doch auch dieses Vorhaben scheiterte un- längst. Der „intensive Lizenzierungs- prozess in der Schweiz und das kon- struktive Feedback der Finma und von mehr als zwei Dutzend anderen Regu- lierungsbehörden weltweit“ seien für das Projekt sehr hilfreich gewesen, ver- suchte Diem das erneute Scheitern po- sitiv auszudrücken. Seit dem 13. Mai steht nun fest, dass Diem seinen Hauptsitz in die USA ver- lagert. Von den Plänen einer Weltwäh- rung, die auf einem Korb an Fiatwäh- rungen beruht, ist nichts mehr übrig gewesen und Diem schrumpft zu einer nur an den Dollar-Kurs gekoppelten digitalen Währung. Ein sogenannter Stable Coin – einer von vielen. Ein Erbe der Libra-Diem-Debatte ist immerhin, dass das  ema Digitale Währung auf die Agenda der Zentral- banken gerutscht ist. Während die USA, Kanada und Europa solche Vor- haben bisher lediglich angekündigt ha- ben, scha t China Fakten. Seit 2020 existieren dort bereits Apps, die das Be- zahlen in E-Yuan bzw. Chinese Digital Currency Electronic Payment (DCEP), wie es o ziell heißt, ermöglichen. Auch erhalten Menschen dort einen Teil ihrer staatlichen Leistungen auf diese Weise. In Europa wird man mindestens bis 2025, wenn nicht länger, auf die Ein- führung eines digitalen Zentralbank- gelds warten müssen. Mitte Januar gab EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu Protokoll, dass die 2020 zu diesem Zweck eingesetzte Taskforce allein so lange benötige, um die „institutionel- len, rechtlichen und praktischen As- pekte zur Scha ung eines digitalen Eu- ros zu klären“. Einer der größten Vor- teile digitaler Währungen wären sekundenschnelle und dennoch kos- tengünstige Überweisungen über Lan- desgrenzen und Kontinente hinweg. Gerade wer viel im Ausland oder für ausländische Firmen arbeitet, müsste so nicht länger wochenlang auf seine Bezahlung warten. Hierzu zählen auch die sogenannten digitalen Nomaden, die globetrottend mit ihrem Laptop umherziehen und dabei an unter- schiedlichsten Projekten auf selbststän- diger Basis arbeiten. Anders als bisherige Kryptowährun- gen böte das digitale Geld der Zentral- banken vor allem Sicherheit und Stabi- lität. „Der E-Euro ist sehr viel weniger von Kursschwankungen bedroht. Zah- lungsvorgänge werden einwandfrei aus- geführt, Zahlungsströme erfolgen rechts- konform“, erläutert Prof. Dr. Horst Gi- scher. Mit Blick auf Diem ergänzt der Finanzwissenschaftler der Otto-von- Guericke-Universität in Magdeburg: „Die EZB hat kein Interesse an der Vermarktung der Nutzerdaten oder der Verwertung anderer Informationen über die Menschen, etwa für Werbung.“ Nachhaltigkeit Zudem ist die Scha ung eines E-Euros anders als bspw. der Bitcoin nicht an eine Unmenge an Energie zur Ver- schlüsselung gebunden. „Wir sind be- sorgt über die rasch zunehmende Ver- wendung fossiler Brennsto e für das Bitcoin-Mining“, begründete Elon Musk Mitte Mai per Tweet, warum Tes- la diesen als Zahlungsmittel nicht mehr akzeptiere, und sorgte so für ei- TRENDBUCH Handbuch Nachhaltigkeit Im Herbst/Winter 2021 veröffentlicht die TREND-REPORT-Redaktion mit dem „Handbuch Nachhaltigkeit“ das achte Buch ihrer Open-Content-Reihe. Mit dem „Hand- buch Nachhal- tigkeit“ schär  die Redaktion das Bewusstsein für ein werteori- entiertes Unter- nehmertum. Anhand von Fachbeiträgen und Fallbeispielen prä- sentiert das Fachbuch Lösungs- und Denkansätze, sowie neue Technologi- en für eine bessere Welt. Schreiben Sie mit? https://handbuch-nachhaltigkeit.de Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum, IOTA, Litecoin, Ripp- le, Dash, Tether, Cardano, Monero, Do- gecoin: Kryptowährungen können weit mehr, als nur als Zahlungsmittel zu fun- gieren. Welche Funktionen und Organi- sationen sich hinter den bekanntesten Token verbergen und warum das Proof-of-Stake-Verfahren eine echte Al- ternative zum energieverzehrenden Proof-of-Work ist, welches dem Bitcoin zugrunde liegt, erfahren Sie auf: http:// trendreport.de/digitales-geld/ Nachhaltige Investmentfonds & Mandate Mandate Investmenfonds Die Entwicklung nach- haltiger Investment- fonds und Mandate verzeichnet seit 2018 eine stark ansteigende Zuwachsrate. 2014 2015 2016 2017 2018 2019 15,5 20,6 37,2 48,4 23,0 30,1 44,7 55,8 62,0 63,2 120,3 Quelle: Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. Marktbericht 2021 88,8 Bildquelle Lizenz vector created by freepik 


































































































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