Page 23 - TREND REPORT Juni 2021
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TREND REPORT Juni 2021 | Wachstum durch KI 23 ßen – zu identi zieren. Automatisierte, KI-gestützte Prüfprozesse spielen dabei eine wichtige Rolle. Würden sich Ban- ken dem  ema gemeinsam stellen, beispielsweise indem sie Transaktions- daten ihrer Kunden austauschen, könn- ten sie au ällige Muster früher und si- cherer erkennen. Aber: Wirtschaftliche Interessen und gesetzliche Rahmenbe- dingungen sprechen gegen diesen Aus- tausch. Beim Ansatz der föderierten KI  ießen keine Transaktionsdaten hin und her. Die Banken geben lediglich den Lernfortschritt ihrer lokalen Modelle an eine zentrale Instanz weiter. Diese be- rechnet ein neues, verbessertes Modell und spielt das zurück an alle Beteilig- ten. Diese Idee lässt sich auf viele Be- reiche übertragen, in denen der Daten- austausch zwischen Institutionen schwie- rig ist, aber sinnvoll wäre. „Aktuell arbeitet adesso in einem Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit, das Szenarien ausarbei- tet“, so Prof. Gruhn. KI im Weltraum An der Nutzung von KI bei der Erdbe- obachtung wird künftig allein schon deshalb kein Weg vorbeiführen, weil die Datenmengen immer umfangreicher werden, eine manuelle Auswertung wird damit unmöglich. Nur KI-Syste- me können aus vielen Rohdaten schnell wertvolle Erkenntnisse gewinnen. Und der KI-Einsatz wird dabei nicht auf Kontrollzentren auf der Erde beschränkt bleiben: KI wird auch verstärkt am Edge, das heißt direkt am Satelliten, eingesetzt werden. Der dezentrale IT- Ansatz Edge Computing hält somit auch in der Satellitentechnik Einzug. Die Datenverarbeitung erfolgt direkt an der Datenquelle, somit müssen auch weniger Daten an die Erde zur Analyse übertragen werden. Ein Beispiel für Edge Computing im Satellitenbereich liefert der Nanosatellit OPS-SAT der europäischen Weltraumagentur ESA, der als Testlabor für Experimente mit neuer Software fungiert, etwa in Berei- chen wie KI, Datenkompression oder weltraumgestützte Webservices. Ein Experiment dreht sich dabei um die KI-Nutzung bei der Wolkenerken- nung; diesen Teil verantwortet die ESA. „Für die Entwicklung einer KI- basierten Lösung für die Entschei- dung, welche Daten zur Erde übertra- gen werden, ist CGI zuständig. CGI und die ESA werden damit erstmals eine gänzlich neue Art der Verbindung von On-Board- und Bodenkontroll- system-Prozessen konzipieren“, erklär- te dazu Dr. Alen Berta, Executive Consultant bei CGI in Deutschland. Künstliche Intelligenz (KI) und ma- schinelles Lernen (ML) werden unser Leben in einem viel größeren Ausmaß verändern, als die meisten denken. Al- gorithmen, die beispielsweise radiolo- gische Bilder auswerten, sind nur der Anfang. Nicht viel anders sieht es bei Bewerbungen oder Kreditanträgen aus. Wenn allerdings KI-Systeme im- mer wichtigere Entscheidungen tref- fen, muss o engelegt werden, wie und warum ein Algorithmus dieses Ergeb- nis liefert. Ansonsten besteht die Ge- fahr, dass es zu Fehlern oder diskrimi- nierenden Entscheidungen kommt. Etwa wenn Kandidaten bei einer auto- matisierten Bewerberauswahl auf- grund einer geschlechtsspezi schen Voreingenommenheit aussortiert oder der Kreditantrag abgelehnt wird. Bei geschlossenen KI-Systemen, bei denen weder der Quellcode noch die Daten, mit denen das System trai- niert wurde, einsehbar sind, muss dem Anbieter blind vertraut werden. Ver- trauen ist gut, O enheit allerdings besser. Abschließend betonte Dr. Re- becca Whitworth, Associate Manager bei Red Hat, im Gespräch mit unserer Redaktion: „Deswegen sollten wir bei KI und ML möglichst nur auf Soft- ware vertrauen, die wir auch verste- hen. Bei Open-Source-Lösungen kann jeder, der Interesse hat, einsehen, wie das Programm Entscheidungen tri t, mögliche Schwachstellen durch stän- diges Testen aufzeigen und so zu ei- nem transparenten Diskurs beitragen. Damit ebnet Open Source den Weg für eine bessere KI.“ Quelle: Fraunhofer AISIS #KI #Automatisierung #künstliche Intelligenz „Schnelligkeit, Agilität und Weitsicht“ Ansgar Eickeler ist General Manager Central & Eastern Europe bei Board In- ternational. Im Interview erläutert er, wie Business Intelligence und Predic- tive Analytics das Management bei Entscheidungen wirkungsvoll unter- stützen und welche Rolle künstliche Intelligenz (KI) dabei spielt. Herr Eickeler, welche Vorteile bietet die Digitalisierung für die Führung eines Unternehmens? Die fortlaufende Digitalisierung bietet Managern die Möglichkeit, ihre Ent- scheidungen auf einer erweiterten Ba- sis zu treffen. Business-Intelligence- und Analytics-Werkzeuge sind seit Jahren im Einsatz. Doch erst durch die Einbe- ziehung zusätzlicher, unternehmens- interner und -externer Daten in eine einheitliche Sicht über möglichst alle Abteilungen eines Unternehmens hält die Digitalisierung wirklichen Einzug. Somit werden insbesondere der Fi- nanzbereich und das Controlling Ge- schä spartner des Managements. Mit der intelligenten Nutzung der Daten kann die Führungsmannscha  den steigenden Anforderungen an Schnel- ligkeit, Agilität und Weitsicht in den Bereichen Planung, Steuerung und Controlling gerecht werden. Warum ist das heutzutage so wichtig? Die Ereignisse im Jahr 2020 waren un- vorhersehbar. Die Unternehmen, die schneller reagieren konnten und dann flexibel genug waren, ihre Pläne an neue Entwicklungen und Herausforderungen anzupassen, sind im Branchenvergleich Ansgar Eickeler, Board Deutsch- land: „KI hil  uns, Optionen zu er- kennen, entscheiden muss aber immer der Mensch.“ stärker aus dieser Situation hervorge- gangen. Um effizient reagieren zu kön- nen und widerstandsfähiger gegen- über Disruptionen zu sein, muss sich die Herangehensweise ändern. Wir müs- sen wegkommen von manuellen, müh- samen Planungsprozessen hin zu digi- talen Plattformen. Plattformen zur Entscheidungsfindung bieten z. B. vor- ausschauende Modellierung und Was- wäre-wenn-Szenarien. Diese helfen da- bei, einen Einblick zu gewinnen, wie sich Marktveränderungen und angepasste Geschä sstrategien auf das Finanzer- gebnis auswirken. Welche Rolle spielt KI dabei? Künstliche Intelligenz (KI) wird heute als Teil einer Entscheidungsfindungs- plattform eingesetzt, um die datenge- steuerten Ergebnisse, Simulationen und prädiktiven Modellierungsfunk- tionen zu unterstützen. Dank KI kön- nen Unternehmen viele grundlegende Aufgaben automatisieren und un- glaubliche Datenmengen in viel kür- zerer Zeit als je zuvor verarbeiten. KI macht komplexe Daten leichter ver- ständlich und kann beliebig viele Sze- narien rechnen und uns dann die erfolgversprechendsten vorschlagen. Überlassen wir damit in Zukun  die Entscheidungen der KI? Nein, ganz und gar nicht. KI hil  uns, Optionen zu erkennen. Entscheiden muss aber immer der Mensch. Die KI kann für uns Routinearbeiten erledi- gen. Sie kann auf Basis der vorliegen- den Daten die Hauptwerttreiber er- mitteln. Es ist dann aber Aufgabe der Entscheidungsträger, die verschiede- nen Ergebnisse in Relation zu setzen und zu interpretieren. Diese menschli- che Komponente ist hier unersetzlich. www.board.com/de Wer sich für das Thema interessiert, kann sich auf dem virtuellen Board Day am 15. Juni 2021 informieren. Hier präsentieren hochkarätige Redner ihre Sicht auf verschie- dene Aspekte der datengetriebenen Unternehmenssteue- rung. http://bit.ly/BoardDayTRENDREPORT 


































































































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