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 8 Green Economy | April 2021 TREND REPORT  tät etabliert. Inzwischen erwarten auch Politik und Kapitalgeber von Unter- nehmen eine klare grüne Linie und knüpfen zum Beispiel die Vergabe von Fördermitteln und Krediten an harte Bedingungen. Wer also in Zukunft „kapital-fit“ bleiben will, muss in 2021 nicht nur Bekenntnisse, sondern auch Ergebnisse vorweisen. Getrieben durch den Wertewandel stellen immer mehr Bewerber Fragen nach der Nachhaltig- keits-Performance von Unternehmen und entscheiden sich für verantwor- tungsvollere Start-ups, wenn ihnen die Antworten nicht gefallen. Ob Start-ups oder Konzerne, die nachhaltige Ent- wicklung steht überall ganz oben auf der Agenda. Dies zeigt sich zum Bei- spiel im Kontext des Themas Corpo- rate Digital Responsibility. Am 28. und 29. April 2021 findet der erste SAP Sustainability Summit statt. Gemein- sam mit Nachhaltigkeitsexperten und Technologievisionären wird die SAP in einem virtuellen Rahmen Lösungen für eine nachhaltige Zukunft vorstellen und diskutieren. „Als Marktführer für Unternehmens-Software sehen wir uns darüber hinaus in der Verantwortung, das auch anderen Unternehmen zu er- möglichen. Gemeinsam mit unseren Partnern und über 400000 Kunden auf der ganzen Welt können wir so das Bewusstsein für Nachhaltigkeit schär- fen, wirtschaftliche Anreize setzen und damit einen positiven Einfluss auf un- ser Handeln nehmen“, betonte SAP- Vorstand Thomas Saueressig. Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft Einer der Schlüssel und wichtigsten Trends für nachhaltiges Wirtschaften ist die Circular Economy. Sie gilt als Wirtschaftsmodell mit dem größten ökologischen und ökonomischen Po- tenzial. Für die Realisierung muss aller- dings ein Umdenken entlang der ge- samten Wertschöpfungskette stattfin- den. Momentan dominiert in der industriellen Produktion noch das li- neare, auch als „Wegwerfwirtschaft“ bekannte Modell, bei dem Produkte am Ende ihrer Nutzungsphase wegge- worfen, vergraben oder verbrannt wer- den. Das Ziel der Circular Economy ist es, die in Produkten eingesetzten Roh- stoffe über ihre primäre Lebensdauer hinaus möglichst lange in einem ge- schlossenen Kreislauf zu verwenden. „Ein erfolgreicher Übergang vom vor- herrschenden linearen zu einem ge-   Die Digital Circular Economy  iPoint-systems-CEO Jörg Walden be- richtet, wie Technologien wie die Block- chain Produkte, Prozesse und Dienst- leistungen transparenter machen. Herr Walden, welches wirtschaftli- che Potenzial steckt in der Circular Economy? Insgesamt wird geschätzt, dass der Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft für die Weltwirtschaft eine Chance von einer Billion US-Dollar darstellt. Dabei kann die Circular Economy in der EU bis 2030 zu einer Steigerung des Brut- toinlandsprodukts um fast 0,5 Prozent beitragen. Die Circular Economy bie- tet allerdings nicht nur ökonomische, sondern auch ökologische und soziale Vorteile und damit für alle drei Dimen- sionen der Nachhaltigkeit: Durch den Übergang zu einer stärker kreislauf- orientierten Wirtschaft können globale Treibhausgasemissionen um 39 Prozent reduziert werden. Und die Beschäfti- gung wird bis 2030 um fast 0,3 Prozent (700 000 Arbeitsplätze) zunehmen durch den zusätzlichen Bedarf an Arbeitskräf- ten in Recyclinganlagen, Reparatur- diensten und durch den Wiederanstieg der Verbrauchernachfrage aufgrund von Einsparungen, die durch kollabo- rative Maßnahmen erzielt werden. Welche Voraussetzungen müssen für ein geschlossenes Kreislaufwirt- schaftssystem erfüllt werden und wie helfen Sie dabei? Um von einem linearen zu einem zir- kulären Wirtschaftssystem zu gelan- gen, müssen alle Beteiligten vor allem eines haben: Informationen über die Zusammensetzung der Produkte so- wie den Ressourcenverbrauch entlang des gesamten Produktlebenszyklus und der Wertschöpfungskette – in Form von digitalen Daten. Wir sprechen hier auch von der „Digital Circular Economy“. iPoint bietet Software für jede Phase im Lebenszyklus eines Produkts – vom Design über die Produktion und Nut- zung bis hin zu Recycling und Wieder- verwendung. Nutzer unserer Software können zum Beispiel die Herkunft und Geschichte von Produkten, Kompo- nenten und Materialien verfolgen, den CO2-Fußabdruck ihrer Lieferkette mes- sen, Arbeitsbedingungen ihrer Liefe- ranten und Auslandsstandorte erfassen oder Recycling-Prozesse simulieren. Produkt- oder Materialpässe, aber auch sogenannte „Digitale Zwillinge“ spie- len hier eine immer wichtigere Rolle. Wie können wir uns Ihre Unterstüt- zung vorstellen? Können Sie uns ein konkretes Beispiel geben? Wir stellen hinsichtlich der Produkte und Lieferketten unserer Kunden Trans- parenz her, um ihr Management von Compliance-, Nachhaltigkeits- und Ri- sikoinformationen von Produkten zu vereinfachen. So unterstützen wir etwa den Schweizer Computerhersteller Logi- tech dabei, die CO2-Bilanz seiner Pro- dukte offenzulegen. Als erstes Unter- nehmen der Unterhaltungselektronik hat Logitech sich dazu verpflichtet, bis 2025 sämtliche Produkte mit einem Kohlenstoff-Fußabdruckzukennzeich- nen und die Auswirkungen auf den Kohlenstoff-Ausstoß transparent zu ma- chen, um Verbraucher in die Lage zu versetzen, informierte Entscheidungen zu treffen. iPoint unterstützt Logitech bei der Erarbeitung eines gültigen ISO- konformen Messprotokolls für die Le- benszyklusanalyse, die es ermöglicht, die CO2-Auswirkungen eines Produkts über den gesamten Lebenszyklus zu beziffern – von der Rohstoffbeschaf- fung über die Produktion, Distribution und Nutzung bis hin zum Ende des pri- mären Lebenszyklus. Wir sind stolz da- rauf, als einer der Partner von Logi- tech diese Vision der vollständigen CO2- Transparenz zu unterstützen. Wie helfen Ihre Softwarelösungen bei der Compliance und an welche Unternehmen richten sie sich? Unsere Software unterstützt produ- zierende Unternehmen dabei, Daten entlang ihrer Lieferkette hochgradig automatisiert zu sammeln, zu analy- sieren und offenzulegen, die sie bei der Produkt-Compliance, also der Einhal- tung von produktbezogenen Gesetzen, benötigen. Diese Gesetze regulieren z. B. die Erfüllung abfall- und recycling- bezogener Quoten oder die Verwen- dung gefährlicher Chemikalien, widmen sich der Bekämpfung von Menschen- rechtsverletzungen wie Kinder- und Zwangsarbeit oder fördern – wie bspw. das deutsche Sorgfaltspflichtengesetz (aka Lieferkettengesetz) – die ökolo- gische und soziale Verantwortung von Unternehmen. Unsere Software richtet sich insbesondere an Unternehmen mit komplexen Produkten und globalen, weitverzweigten Lieferketten – z. B. Automobil-, Elektronik- und Medizin- technikhersteller. Produkte dieser Un- ternehmenbestehenhäufigausTau- senden von Einzelteilen, die sie von Tausenden von Lieferanten beziehen. Es ist für diese Unternehmen in der heutigen digitalen Welt nicht leicht, mit der Geschwindigkeit der Verände- rungen und Innovationen mitzuhal- ten. Sie haben immer weniger Zeit, um komplexe, meist hochvernetzte Pro- dukte mit vielen Geschäftspartnern zu entwickeln. iPoint unterstützt diese Unternehmen dabei, das Produkt mög- lichst früh – also schon in der Design- phase – mit allen Partnern in allen Di- mensionen zu optimieren. Dazu müs- sen die digitalen Prozesse gut vernetzt sein, auch über sogenannte digitale Zwillinge der Produkte. Diese können die spezifische Zusammensetzung, Herkunft aller Materialien, Rohstoffe und Komponenten sowie den Ener- gieverbrauch und CO2-Ausstoß ein- deutig identifizierbar integrieren. www.ipoint-systems.com  Jörg Walden bietet Software für jede Phase im Lebenszyklus eines Produkts – vom Design über die Produktion und Nutzung bis hin zu Recycling und Wiederverwendung.      


































































































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