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 4 Nachhaltige Geldanlagen | April 2021 TREND REPORT  Transparenz, Taxonomie und Pragmatismus Maren Schmitz, Partnerin bei KPMG und Leiterin des Asset-Management-Beratungsgeschäftes in Deutschland, schildert in ihrem Gastbeitrag, warum Offenlegungs- und Taxonomie-Verordnung nur ein erster Schritt zu einer nachhaltigen Transformation auf ökologischer und sozialer Ebene sind. Mehr Nachhaltigkeit im Finanzmarkt sollen die Offenlegungs- und die Ta- xonomie-Verordnung mit sich brin- gen, die die Europäische Kommission mit dem EU-Aktionsplan „Sustainab- le Finance“ auf den Weg bringt. Aller- dings gibt es noch viel zu tun: Die Re- gelungen sind nur ein erster Schritt zu einer nachhaltigen Transformation auf ökologischer und sozialer Ebene. Finanzmarktteilnehmer wie Asset Ma- nager geraten daher zunehmend unter Zugzwang. D„as Ziel der Offenlegungsverordnung (Verordnung (EU) Nr. 2019/2088) ist klar: Gerade im Asset Management soll die Verordnung sicherstellen, dass In- Asset Manager sollten sich schon jetzt intensiv mit ihrem Ambitionsniveau Auswirkungen auf das Kerngeschäft zu beschäftigen. Asset Manager sollten sich schon jetzt intensiv mit ihrem Ambiti- onsniveau auseinandersetzen und es ent- sprechend in ihre Strategie überführen. Diese muss dann im Zuge der Pro- duktentwicklung in Taxonomie-Ziele übersetzt und in die Steuerung des Fonds integriert werden. Dabei müssen Asset Manager beispielsweise zwischen Bio- Diversität, Kreislaufwirtschaft, Klima- Mitigation oder -Adaption wählen. Ba- sierend auf Datensätzen aus Taxono- mie-Datenund-Kennzahlenmüssensie Art und Umfang des Taxonomie-Ziels definieren, diese in den täglichen Allo- kationsprozess des Fonds integrieren, die Entwicklung kontrollieren und anschlie- ßendimReportingdarüberberichten. Reportings zur nachhaltigen Wir- kung Zentrales Element ist also eine umfas- sende und verlässliche Datenbasis. Für viele kleine Unternehmen, die echten Impact erzeugen, ist das aber schwierig: Denn sie haben keine Kapazitäten, um ihren Impact auch datenseitig sichtbar zu machen. Ein Beispiel: Bei Mikrofi- nanzierungen in Schwellenländern etwa zum Aufbau von Brunnen oder Schu- len werden klar soziale und ökologi- sche Aspekte erfüllt. Die Unternehmen verfügen also über einen klaren und zielgerichteten Impact und agieren de- finitiv nachhaltig. Asset Manager finden jedoch über diese Mikrofinanzierun- gen keine detaillierten Informationen: Sie fallen schlichtweg durchs Raster, da es den Unternehmen an strukturierten Reportings fehlt. Nun wäre es zwar aus nachhaltigen Gesichtspunkten gerade für Impact-Fonds sinnvoll, hier zu investie- ren – die neuen Offenlegungsverpflich- tungen nach RTS Level II erschweren dies aber. Asset Manager müssen künf- tig aufzeigen, welche konkrete Wir- kung ihr Fonds erzielt. Da hierfür oft- mals nicht ausreichend Daten vorlie- gen oder die notwendigen Daten nur über aufwendige, manuelle Analysen von Experten erhoben werden können, gehen solche besonders nachhaltigen Investitionen meist leer aus. Asset Manager sind deshalb darauf an- gewiesen, dass Corporates frühzeitig effiziente Reporting-Strukturen zur Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten auf- setzen und so „investierbar“ bleiben. Hier liefert die Taxonomie in Bezug auf ökologische – insbesondere klima- tische – Faktoren die entsprechende Vorgabe. Bei sozialen Kriterien etwa sind Unternehmen weiterhin auf sich gestellt. Dennoch stehen sie unter Zugzwang: Gerade bei den nachhalti- gen Impact-Fonds könnten Investitio- nen wirklich etwas bewegen, doch ohne Nachhaltigkeitskennzahlen ha- ben Asset Manager keine Möglichkeit mehr, in solche Investitionen zu gehen. Umfangreiche Datensets für nachhaltige Transformation Daten-Provider arbeiten an der Bereit- stellung entsprechender Pakete, da den Asset Managern gerade bei umfangrei- chen Portfolios die Kapazitäten fehlen, die Rohdaten sämtlicher Corporates eigenhändig einzuholen und aufzube- reiten. Doch eine solide Datenbasis ist teuer: Mit dem Einkauf von großen Datenmengen sowie dem Aufbau von entsprechenden Verarbeitungstools werden schnell siebenstellige Summen fällig. Dies können sich vor allem klei- nere Marktteilnehmer kaum leisten. Zudem braucht es pragmatische An- sätze für Impact-Investitionen: Zwar lenken die Verordnungen den Markt in eine nachhaltige Richtung, zugleich zwin- gen sie Asset Manager dazu, das Uni- versum der für sie investierbaren Titel zu beschränken, um datenbasierte Of- fenlegungsverpflichtungen zu erfüllen. Damit eine nachhaltige Transformati- on auf allen Ebenen sichergestellt wird, braucht es aber weitere und zugleich pragmatische Ansätze. Wirkungsbezo- gene Investments in kleine und spezia- lisierte Unternehmen stehen vor der Hürde „investierbar“ zu bleiben – und somit besteht die Gefahr, dass Gelder nicht mehr dort ankommen, wo sie wirklich etwas bewegen können. http://kpmg.de/sustainablefinance  auseinandersetzen. vestoren Transparenz im Umgang mit Nachhaltigkeit auf Produkt- sowie auf Unternehmensebene erfahren. Doch es herrschen immer noch viele Unsicher- heiten, da die Vorgaben aktuell (Level I der Verordnung) sehr vage sind und weiterhin viele Freiheiten in der Ausge- staltung erlauben. Es fehlen klare Stan- dards, ab wann ein Produkt als nach- haltig klassifiziert werden kann, sodass am Markt unterschiedliche Interpreta- tionen zu beobachten sind. Besonders bei Produkten, die als „nachhaltig“ ein- geordnet werden, gibt es keine einheit- liche und vergleichbare Basis: So bleibt viel Gestaltungsspielraum hinsichtlich der „nachhaltigen“ Investmentansätze und der Berücksichtigung von Nach- haltigkeitsrisiken. Taxonomie: ein nachhaltiges Ziel Diese Freiheiten werden sich ab 2022 verringern – weshalb die Branche schon jetzt gezwungen ist, ihr Handeln zu jus- - Maren Schmitz “ tieren. Dann treten die Level-2-Maß- nahmen (RTS Level II), die Taxono- mie-Verordnung (Verordnung (EU) 2020/852) sowie die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (Mar- kets in Financial Instruments Directive, MiFID II) in Kraft. Diese Regularien bestimmen genauer, was als nachhalti- ges Produkt gelten darf: Wird künftig beispielsweise ein Produkt mit einem ökologischen Merkmal beworben, muss laut RTS Level II und Taxono- mie-Verordnung auch ein entsprechen- des Ziel dafür definiert, gemessen und berichtet werden. Durch die Überar- beitung der MiFID II muss der Ver- trieb künftig abfragen, ob der Kunde nachhaltige Produkte erwerben möch- te, und darf dann nur noch Invest- ments anbieten, die etwa ein nachhalti- ges Ziel nach Taxonomie verfolgen. Daher ist es sinnvoll, sich frühzeitig mit den verschiedenen Regularien und den    


































































































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