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 12 Green Economy | April 2021 TREND REPORT  nen, einfach, kostengünstig und voll- ständig digital einen neuen Abnehmer zu finden“, erklärte uns Clemens Graf von Wedel, Geschäftsführer des Pio- niers für digitale Energiebeschaffung und cloudbasiertes Energiedatenmana- gement von Strom und Gas. Essen kann tödlich sein Da die Klimaschutzziele auf vielfälti- gen Wegen erreicht werden müssen, sind alle Bürger im Land aufgefordert, mitanzupacken und sich zu transfor- mieren. Aktuelle Trends und Bewegun- gen müssen adaptiert werden, um die nachhaltige Entwicklung voranzutrei- ben. Forscher der Oxford University kamen schon im Jahr 2016 mit einer interessanten Studie zu der Erkenntnis, dass unsere Ernährung sich direkt auf die Treibhausgasemissionen auswirkt. Mal angenommen, dass sich alle Men- schen fleischfrei ernähren würden, könnte das die globalen Treibhausgas- emissionen drastisch reduzieren und ebenso viele Menschenleben retten. Die Forscher berechneten, dass eine weltweite vegetarische Ernährung die Treibhausgasemissionen um 63 Pro- zent senken könnte, eine vegane sogar um 70 Prozent. „Wir merken generell ein großes In- teresse an einer bewussteren und nach- haltigeren Lebensweise. Da gehört die vegane und vegetarische oder die flexi- tarische Ernährung auch dazu. Die be- wusste Reduktion von Fleisch oder der Verzicht auf Produkte tierischer Her- kunft wird für viele unserer Kundin- nen und Kunden immer interessanter und auch immer normaler. So sind vie- le unserer Kunden Flexitarier, einige le- gen einen oder mehrere vegane Tage in der Woche ein“, bezeugen Erik Döbele von Aldi Süd und Tobias Heinbockel von Aldi Nord. Auch die aktuelle Pandemie-Situation trägt tragischerweise zur globalen nachhaltigen Entwicklung bei. Schlaue Viren haben unsere Schwachstellen entlarvt und sich nicht nur als Turbola- der für die digitale Transformation er- wiesen. Deshalb sollten wir auch die Krise als Chance für nachhaltiges Wirt- schaften verstehen. #GreenEconomy #CircularEconomy #Sustainability   Plastik für die Biotonne  Lebensmittelverpackungen sind nütz- lich, notwendig und vor allem dazu da, Inhalte zu schützen. Die Schatten- seite: Viele Kunststoffverpackungen sind, nach Gebrauch, nicht oder nur schwer recycelbar. Stefan Barot, CEO von Biotec, erklärt der TREND-REPORT- Redaktion, wie nachhaltige Biopoly- mere Verpackungen kompostierbar machen und der Umwelt helfen. Herr Barot, wo sehen sie das zentra- le Problem in puncto Verpackungen? Das zentrale Problem bei Lebensmit- telverpackungen ist die Entsorgung. Zur Nachhaltigkeit müssen wir zwei Fragen beantworten: 1. Wann ist eine Verpackung notwendig?, und 2. Wel- ches ist die nachhaltigste Verpackung? Was meinen Sie damit? Lebensmittelverpackungen sollten nur eingesetzt werden, wenn wir damit Treibhausgase reduzieren. 2016 war die globale Lebensmittelproduktion für 26 Prozent der Treibhausgasemissio- nen verantwortlich, weniger als 1 Pro- zent für deren Verpackungen. 6 Prozent aller globalen Treibhausgasemissio- nen wurden durch nicht konsumierte Lebensmittel verursacht. Fazit: Immer, wenn eine Verpackung die Haltbarkeit der Lebensmittel verlängert, ist diese nachhaltig, egal ob sie aus Papier, Glas oder Plastik ist. Um die Frage der nachhaltigsten Verpackung zu beant- worten, müssen Funktionalität und Abfallentsorgung dieser Verpackung in Einklang gebracht werden. Exper- ten sind sich einig: Es sollte kein Abfall deponiert oder verbrannt werden, denn nachhaltig kann Abfall nur rezy- kliert oder kompostiert werden. Wann soll eine Verpackung rezyk- liert und wann kompostiert werden? Dies hängt maßgeblich vom Inhalt der Verpackung ab. Ein gutes Beispiel ist der kompostierbare Müllbeutel: 1kg Abfallbeutel ermöglicht die Umsetzung von 800 kg Küchenabfällen zu 300 kg nährstoffhaltigem Kompost. Im Aus- land sind auch Kaffeekapseln und Teebeutel aus kompostierbaren Werk- stoffen eingeführt. Die Fragen beim Rezyklieren der Verpackungen sind Qualitätsverlust und Energiever- brauch. Verpackungen aus Glas, Alu- minium und Stahl können oft rezyk- liert werden, aber Herstellung, Trans- port und Rezyklieren benötigen relativ viel Energie. Plastik und Papier kön- nen auch rezykliert werden, allerdings nicht beliebig oft, denn diese bauen sich während des Rezyklierens ab. Was könnte man in Deutschland verbessern? Schaut man auf den Hausmüll, müs- sen wir zunächst einmal die Biomasse entfernen. Dies funktioniert in Deutsch- land schon ganz gut. Allerdings wur- den 2019 immer noch fünf Mio. Tonnen Biomasse verbrannt, was eigentlich keinen Sinn macht, politisch aber ein Problem ist, denn wir importieren Ab- fall aus dem Ausland, um unsere Ver- brennungsanlagen auszulasten. Herr Barot, was erwarten Sie sich von der Politik in puncto Verpa- ckungen? Ein klares übergreifendes Konzept: So sieht das System in zehn Jahren aus! Schon bei der Konzeption eines Arti- kels muss dessen Entsorgung be- stimmt werden, Abfalldeponierung und Verbrennung werden damit redu- ziert. Die jeweilige Entsorgungslösung – also Rezyklieren oder Kompostieren – sollte für den Konsumenten auf je- dem Artikel klar kenntlich gemacht werden. Verbraucher werden so bei ihrer Kaufentscheidung in die Belange unserer Umwelt miteinbezogen. Was schlagen Sie konkret vor? Biomasse sollte, wo immer möglich, kompostiert werden. Dieses organi- sche Recycling hilft der Umwelt, die Böden zu stärken und organischen Kohlenstoff als eine Art Dünger zurück in die Natur zu bringen. Dies hilft auch dem Restabfall, weil dieser einfacher rezykliert werden kann. Was läuft beim organischen Recyc- ling ab und welche Rolle spielen Ihre Bioplast-Produkte dabei? Beim organischen Recycling, also Kompostieren, bauen sich Biopoly- mere, die ganz oder teilweise aus nachwachsenden Rohstoffen beste- hen, im industriellen oder im heimi- schen Kompost ab. Ein klassischer in- dustrieller Kompostierzyklus dauert etwa sechs bis zwölf Wochen. Unsere Biopolymer-Beutel integrieren sich vollständig in diesen Prozess und stel- len deshalb eine optimale Entsor- gungslösung für Biomüll dar. Sie er- möglichen, nicht nur Lebensmittelab- fälle, sondern auch mit Lebensmittel- abfällen verschmutzte Verpackungen der Kompostierung zuzuführen. Können Sie uns noch einige Fakten über Ihr Unternehmen verraten? Wohin geht der Weg? Biotec wurde 1992 gegründet und ist seitdem rasant gewachsen. Wir verfü- gen über ein einzigartiges Know-how bei der Zusammensetzung sowie dem Abbau von Biopolymeren. Zusammen mit unseren Kunden denken wir schon bei der Entwicklung eines Pro- dukts an dessen nachhaltige Entsor- gung. Wir fordern unsere Partner her- aus, um gemeinsam ehrgeizige Ziele der Kreislaufwirtschaft zu erreichen. www.biotec.de Stefan Barot: „Das zentrale Problem bei Lebensmittelverpackungen ist die Entsorgung.“       Lesen Sie hier auch die englische Version des Interviews.                  


































































































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