Page 4 - TREND REPORT November 2019
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 4 New Work | November 2019 TREND REPORT    und Lernbots aktuell geplant. Drei von vier Unternehmen, die sich bereits mit KI auseinandergesetzt haben, schätzen den 365 / 24h-Ansatz und halten Chat- bots als FAQ- oder Auskunftssysteme für geeignet. 75,2% erwarten, dass diese auch als digitaler Assistent, der an Trainings erinnert oder bei Buchungen unterstützt, eingesetzt werden können. 68,4% der Befragten können sich zu- dem Chatbots als Unterstützung im Onboarding-Prozess vorstellen. Kommunikation ist Trumpf Während Interaktionen mit Chatbots nahezu überall stattfinden können, ge- stalten sich diese unter Kollegen zunehmend schwieriger. „New Work“ ermöglicht die Freiheit des orts- und zeitunabhängigen Arbeitens. Shared- Desk-Konzepte setzen sich durch, da es schlichtweg nicht länger rentabel ist für jeden Mitarbeiter einen voll ausge- statteten Arbeitsplatz vorzuhalten. Doch es gibt auch eine gegenteilige Be- wegung, die selbst frühe Pioniere von Homeoffice-Lösungen wie IBM verfol- gen. In großem Stil beordern sie Mitar- beiter zurück ins Büro und fordern Präsenzzeiten ein. Die Begründung: Frü- her sei es primär um Einzelarbeitspro- zesse gegangen, die durch die IT-Lö- sungen zu Hause ebenso gut – und oft störungsfreier – erledigt werden konn- ten. Heute stünden durch den dynami- schen Wandel der Märkte Innovation und Veränderung im Fokus. Und das erfordere Qualitäten der Kommunika- tion und Kooperation, wie sie nur beim Zusammentreffen im Büro gegeben sind. Branchenübergreifend steht des- halb die Förderung unterschiedlicher Formen der Zusammenarbeit im Zent- rum der Bürogestaltung. „Konferenzen, Jour fixe, Seminare und Workshops werden geplant, organisiert und sind in der Regel in entsprechend buchbaren Räumen verortet, deren Zahl analog ih- rer Bedeutung stark zugenommen hat“, berichtet Burkhard Remmers von Wilk- hahn. „Neben solchen formalisierten Kommunikationsformen aber wird vor allem die ungeplante, zufällige Begeg- nung immer wichtiger.“ Aus der Inno- vationsforschung wissen wir, dass über 80 Prozent aller Ideen in den persönli- chen Interaktionen zwischen Menschen entstehen. Die Nischen zwischen den Arbeitsplätzen, Projekt-, Schulungs- und Konferenzräumen werden so zu wich- tigen Innovationsstätten. In zeitgemäßen Büroraumkonzepten müssen daher sol- che Plätze über eine Aufenthaltsqualität verfügen, die dazu einlädt, einen Mo- ment zu verweilen und mit anderen ins Gespräch zu kommen. „Deshalb wer- den Eingangsbereiche und platzähnliche Aufweitungen mit Informationsange- boten und Sitzgelegenheiten, Teeküchen und Bistros, Leseecken, Lounge- und Spielbereiche oder auch das Betriebsre- staurant zu den wichtigsten Knoten- punkten im informellen Kommuni- kationsnetzwerk“, so Remmers. Um die Kommunikation im Unter- nehmen zu fördern, muss zwingend auch das Altersgefälle berücksichtigt werden. Obwohl die gerne zurate gezo- genen Generationenstempel oft zu pauschal und sicherlich nicht auf jeden Einzelfall übertragbar sind, so dürften die letzten Mitarbeiter der Wirtschafts- wundergeneration, die nächstes Jahr mit 65 in Rente gehen, en gros andere Kommunikationsmittel gewohnt sein und bevorzugen als die Berufseinstei- ger der Generation Z. Unified-Communication-Lösungen helfen, sowohl verschiedene Kommu- nikationsmethoden miteinander zu verknüpfen als auch Mitarbeiter, Ge- schäftspartner oder Kunden von ver- schiedenen Orten in die Kommunika- tion bzw. Präsentation einzubeziehen. „Dabei geht es schon heute bei Video- konferenz- und Collaborationslösun- gen um viel mehr als nur um die Ein- sparung von Reisekosten, die Reduktion des CO2-Ausstoßes und die Minimie-     „Wer das Mindset von Menschen weiterentwickeln möch- te, muss das Individuum in den Mittelpunkt stellen.“ Mindset Changing als Erfolgsfaktor Annette Kinne und Jan-Hendrik Brune von Detego sprachen mit der TREND- REPORT-Redaktion über Transforma- tionsprozesse im Unternehmen. Herr Brune, wie können Unterneh- men zukunftsfähig bleiben? Menschen müssen verstehen, warum die bisher bewährten Vorgehenswei- sen plötzlich nicht mehr erfolgreich sein sollen. Für viele Unternehmen ist das eine Chance. Sie können ihre Ex- pertise nutzen, um neben der Optimie- rung bestehender Dienstleistungen und Produkte auch ihre Geschäftsmodel- le weiter- bzw. neu zu entwickeln. Vo- raussetzung ist allerdings, sich von der weit verbreiteten Methodengläu- bigkeit zu verabschieden. Gute Metho- den sind kein Erfolgsgarant. Allein da- durch, dass ich Scrum gelernt habe, hat sich noch nichts an meiner inneren Hal- tung und meinem Denken verändert. Frau Kinne, wie stoßen Sie diese Entwicklung mit den Menschen und in den Menschen an? Wer das Mindset von Menschen wei- terentwickeln oder einen Mindshift – also die grundlegende Veränderung der Denk- und Handlungsweisen – er- zeugen will, muss das Individuum ins Zentrum rücken. Zunächst gilt es, das „Warum“ zu klären: Warum will ich bzw. wollen wir überhaupt eine Ent- wicklung? Außerdem ist es wichtig, Erfahrungsräume zu schaffen, das heißt, Situationen herbeizuführen, in denen ich begreifen kann, wie sich ein neues Denkmuster anfühlt und auswirkt. Veränderungen finden nur über Erfahrung, Erleben und eigene Erkenntnisse statt. Ganz wichtig sind dabei sogenannte Zukunftsgestalter. Das sind Menschen, die wirklich et- was ändern wollen und andere mit ihrer Dynamik mitnehmen. Herr Brune, welche Rolle spielen Unternehmenswerte bei der er- folgreichen Transformation? Seit einigen Jahren versuchen Unter- nehmen, möglichst langlebige Werte zu definieren. Doch was sind die Wer- te der Zukunft? Das ist genauso schwie- rig zu beantworten wie die Frage, was jeder Einzelne unter Werten versteht. Die Auseinandersetzung mit Werten kostet gerade in Veränderungspro- zessen sehr viel Zeit – oft so viel, dass der angestrebten Transformation die Luft ausgeht. Eine klare Orientierung in Form eines „Purpose“ oder „Why“ und eine neue innere Einstellung ge- genüber Veränderungen sind deswe- gen viel zielführender als langwieri- ge Werte-Diskussionen. Frau Kinne, welche Rolle spielt Agi- lität für Ihre Arbeit? Agilität ist für viele ein Zauberwort, aber Agilität ist kein Selbstzweck. In unseren Transformationsprojekten geht es darum, Menschen zu einer ganz- heitlichen Agilität zu befähigen. Das heißt: Denk- und Handlungsweisen verändern, Potenziale entfalten, den Menschen in seiner Entwicklung se- hen und ihn in die Lage versetzen, fle- xibel auf Herausforderungen zu re- agieren. Dabei machen wir Verände- rungen greifbar, die Werkzeuge dafür werden jeweils individuell bestimmt. Bewährt haben sich Mindset-Sessi- ons. Dabei wird jeder in einer über- schaubaren Zeit an Themen aus den Bereichen persönliche Entwicklung und zukunftsfähige Zusammenarbeit herangeführt. Für kleinere Teams nutzen wir Mindshift-Gruppen, in de- nen sich Menschen in mehreren Mo- dulen auf eine persönliche Entwick- lungsreise begeben. www.detego.eu     Klimaschutzpaket für Mitarbeiter Ab 2021 wird die soge- nannte Pendlerpauschale erhöht. Zusätzlich wird auch für Geringverdie- ner, die Wegstrecken über 21 km zur Arbeit zurücklegen müssen, die Möglichkeit geschaffen, eine Mobilitätsprämie zu wählen. Pri- vatfahrzeuge, die keine CO2-Emis- sionen erzeugen, etwa Elektrofahr- zeuge, sollen ab 2020 auf ein Viertel der Bemessungsgrundlage gesenkt werden. http://trendreport.de/pendler    Bildquelle / Lizenz: Detego 


































































































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