Page 25 - TREND REPORT November 2019
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 TREND REPORT November 2019 | Risk & Compliance 25     Achtung, Disruption!  von Frank Romeike f.romeike@trendreport.de  2020 Risk & Compliance hancen und Risiken erkennen CA Co. authentifizieren muss und hierfür auf dem Smartphone eine Reihe von Apps installieren muss, bekommt den Beweis geliefert, dass der Treiber der digitalen Entwicklung in der Technik zu finden ist und nicht in der Kunden- zentrierung. Da wundert es einen nicht, dass es digitale Burn-out-Syn- drome und Angebote zum Digital De- tox gibt. Es stellt sich zunehmend auch die Frage, wie viel Digitalisierung ei- gentlich gut ist für uns, unser Gehirn und unsere Gesellschaft. Digitale Transformation und Disruption führt zu Verlierern So kommt das Science-to-Business Marketing Research Centre (S2BMRC) zu dem Schluss: „Viele Unternehmen stehen völlig neuen Wettbewerbern ge- genüber; meist Start-ups, die neue Technologien mit disruptiven Ge- schäftsmodellen verbinden und somit erfolgreich etablierte Geschäftsmodelle infrage stellen.“ Während manche Unternehmen und Branchen sich dieser veränderten Ge- schäftsbedingungen früh annahmen und die Weichen Richtung neuer Ideen und Geschäftsmodelle stellten (siehe IBM und viele mittelständische Unterneh- men), tun sich andere schwer. Ein gu- tes Beispiel ist das ehemalige Traditions- unternehmen Kodak. Einst ein Pionier und Marktführer der Fotobranche und ein Vorreiter der digitalen Revolution in der Foto- und Druckbranche, verschlief es die Führungsebene, den lahmenden (analogen) Gaul gegen ein (digitales) Rennpferd einzutauschen. Bereits im Jahr 1974 entwickelte der junge Kodak- Ingenieur Steve Sasson die erste digitale Kamera der Welt. Das Patent Nr. US4131919A lieferte die Grundlage für alle Digitalkameras von heute. Im Jahr 1987 fertigte Kodak die weltweit erste digitale Spiegelreflexkamera für den ja- panischen Hersteller Canon, die Ca- non New F-1 Electro-Optic Camera. Da Kodak zu lange auf die analoge Fo- tografie gesetzt hatte und die digitale Revolution unterschätzte, meldete das Unternehmen am 19. Januar 2012 In- solvenz an. Fazit: Kodak scheiterte nicht an einer fehlenden Innovations- fähigkeit oder am Aufkommen der neuen digitalen Fototechnik. Die Ur- sachen für den Niedergang lagen im Bereich der strategischen Ausrichtung, das heißt, einer fehlenden Antizipa- tionsfähigkeit zukünftiger Szenarien durch das Management. lles digital, oder was? Im ursprüngli- chen Sinn meint Digitalisierung die Umwandlung von analogen Werten in digitale Formate. Denn diese lassen sich mit modernen Informationstechnologien verarbeiten. Der digitale Wandel beschreibt die durch diese Digitalisierung ausgelösten Veränderungsprozesse in der Gesell- schaft, der Wirtschaft, der Kultur, der Bildung und der Politik. So sollen wir in einer Welt des „Inter- net of Things“ (IoT) in unseren „Smarthomes“ via App unsere Hei- zung, das Licht, den Kühlschrank oder unsere Kinder steuern. Doch die digi- tale Revolution ist nicht erst morgen. Digitalisierung ist bereits heute das vollwertige Navigationsgerät mit Echt- zeitstaumessung und die 3000 Bände umfassende deutsche Wikipedia-Enzy- klopädie in unserer Hosentasche. Doch nicht alles, was digital heißt, stellt die Bedürfnisse der Kunden in den Mittelpunkt der digitalen Entwick- lung. Wer bei mehreren Banken ein Konto unterhält und sich mit Photo- TAN, PushTAN, HBCI, ChipTAN &   


































































































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