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 22 Immobilien mit Zukunft | November 2019 TREND REPORT  diesem Zusammenhang aus. Auch den Begriff der Nachhaltigkeit in der Im- mobilienbewirtschaftung ergänzt der CEO des unabhängigen Full-Service- Dienstleisters für gewerbliche Immo- bilien um eine weitere Dimension: „Immobilien mit Zukunft sind in ers- ter Linie ganz allgemein betrachtet flexible Immobilien. Das umfasst die Möglichkeit verschiedener paralleler oder aufeinanderfolgender Nutzun- gen, ohne dass bei einer Veränderung der Nutzungsart beziehungsweise des Nutzungskonzeptes allzu große Kosten entstehen.“ Damit reagieren solche Immobilien auf den weiter anhaltenden Trend der Mie- terhaushalte in den großen Städten. Zunehmend flexible Lebensläufe bin- den Menschen immer seltener an ei- nen festen Ort. Wohnungen und Häu- ser werden zu Lebensabschnittsimmo- bilien, die sich schnell an sich ändernde Bedürfnisse anpassen müssen. New Work fordert flexible Immobilien Flexibilität wird auch für Büroimmo- bilien immer entscheidender. In einer Stadt wie Berlin stehen nicht einmal mehr zwei Prozent aller Büros leer und viele der projektierten Bürogebäude sind bereits vor der Fertigstellung ver- mietet. Dass im Büromarkt kaum mehr spekulativ gebaut wird, bestätigt auch IW-Ökonom Henger. „Die Feh- ler der Vergangenheit, die zu Leerstän- den weit über zehn Prozent in Büro- zentren wie Düsseldorf und Frankfurt geführt haben, scheinen sich nicht zu wiederholen.“ Insbesondere in den be- gehrten Innenstadtlagen verschärft sich daher der Kampf um Büroflächen. Co-Working wird hier zum Zauber- wort optimierter Büroraumnutzung. Freiberufler und kleinere Start-ups tei- len sich eine Bürofläche und greifen auf eine gemeinsame Infrastruktur – Netzwerk, Drucker, Scanner, Fax, Tele- fon, Beamer, Besprechungsräume etc. – zu. Weltweit teilten sich etwa 1,7 Millionen Menschen knapp 19000 dieser flexiblen Büros. Eine Zahl, die sich allein seit 2015 – als es noch knapp 9 000 solcher Büros gab – mehr als verdoppelt hat. Die äquivalente Entwicklung inner- halb größerer Unternehmen nennt sich Shared-Desk-Konzept. Da durch das Aufkommen von New Work die Arbeit UBS Global Real Estate Bubble Index Menschen mit unterschiedlichen Pfle- gebedürfnissen mit jüngeren Generati- onen zusammenkommen und erhalten in verschiedenen Pflegekonzepten in- dividuelle Leistungen.“ Eine logische Entwicklung, schließlich wünschen sich ältere Menschen einerseits, mög- lichst lange im eigenen Zuhause blei- ben zu können, auch wenn sie auf Hil- fe angewiesen sind; andererseits droht die steigende Zahl der Pflegebedürfti- gen die Kapazitäten der Sozialversiche- rungssysteme zu sprengen. Schon jetzt sind 3,5 Prozent der Bevölkerung pfle- gebedürftig, was seit 2009 einem Zu- wachs von 22,3 Prozent entspricht. Al- lein in Deutschland fehlen in den nächsten 20 Jahren mehr als drei Milli- onen barrierefreie Wohnungen oder geeignete Pflegeheimplätze. „Das benötigte Investitionsvolumen kann die Europäische Union ohne pri- vate Investoren nicht aufbringen“, ist sich der Spezialfondsmanager sicher. Kein Wunder also, dass das Investiti- onsvolumen in Seniorenimmobilien, die zugleich Geldanlage und Altersvor- sorge sein können, weiter steigt. Mut zur Rendite Wer genau hinschaut, findet Sie also, die lukrativen und verhältnismäßig si- cheren Anlagemöglichkeiten im Im- mobiliensektor. Dabei ist Betongold als Sachwert schlechthin vor der Infla- tion geschützt, vor allem bei langfristi- ger Betrachtung relativ wertstabil und vergleichsweise unabhängig von den Schwankungen des Kapitalmarkts. Die durchschnittliche jährliche Rendite zwischen den Jahren 1870 und 2015 lag bei 7,1 Prozent, das sind sogar 0,2 Prozentpunkte mehr als bei Aktien. Dennoch und trotz anhaltender Null- zinspolitik und steigender Inflationsra- te scheuen die Deutschen die Anlage- form. 40 Prozent des deutschen Ver- mögens schmelzen in Form von Bargeld oder – kaum besser – Einlagen auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten dahin. Mit Bezug zur Immobilien- branche bedeutet das: 2,5 Billionen Euro suchen ein neues Zuhause. Und mit Bezug zum Fiskus: Ihr Land wird es Ihnen danken. #Immobilien #Nachhaltigkeit    Für sieben Städte weltweit (rot) attestiert der vom UBS Global Wealth Manage- ment erstellte Bericht eine hohe Blasengefahr. Quelle: UBS Switzerland AG  nicht länger zwangsläufig im Büro ver- richtet wird, ist es schlichtweg wirt- schaftlicher, wenn es weniger feste Ar- beitsplätze als Mitarbeiter gibt. Senso- rik und das Internet of Things sind auch hier essenzielle Bestandteile smar- ter Büroimmobilien. „Sie weisen Büro- mitarbeitern freie Arbeitsplätze zu, passen das Licht an und regeln die Temperatur“, berichtet CBRE-CEO von Erdely. „Auf diese Weise erhalten wir auch wertvolle Informationen be- Prof. Dr. Alexander von Erdely will den Immobilienmarkt durch Analy- sen und Studien transparenter ma- chen. züglich des tatsächlichen Nutzerverhal- tens in einer Immobilie.“ Quartiersgedanken Dass der Sharing-Ansatz nicht nur Büroraumkonzepte transformiert, wird gerade im Westen der bayrischen Lan- deshauptstadt deutlich. „Mit ‚kupa – Quartier Kuvertfabrik Pasing‘, unserer ersten eigenen Entwicklung in Mün- chen, bauen wir den gesellschaftlichen Megatrend Sharing weiter aus“, berich- tet Jürgen Schorn, geschäftsführender Gesellschafter von Bauwerk Capital. Neben Dachterrassen und einer Fahr- radwerkstatt, die es für alle geben wird, kann die „kupa kitchen“ für größere Feierlichkeiten angemietet werden. „Zudem bieten wir E-Bikes, Lasten- fahrräder, Autos und E-Scooter im Sharing-System an“, ergänzt Schorn. In Zeiten, in denen das Bauland der Metropolen knapper und Preise größer werden, macht das Konzept aus der Not eine Tugend. „Ohne die Sharing- Angebote in einem solchen Objekt mit rund 175 Wohnungen könnten sich die wenigsten all diese Flächen und Services leisten.“ Solche Quartiersentwicklungen för- dern den Zusammenhalt in der Gesell- schaft, ein gerade mit Blick auf den de- mografischen Wandel nicht zu ver- nachlässigender Aspekt. „Vor allem Pflegeeinrichtungen, die dem Quar- tiersgedanken folgen, werden immer beliebter“, berichtet entsprechend Ma- thias Giebken, Vorstandsvorsitzender der AviaRent Invest AG. „Dort können            Bildquelle / Lizenz: CBRE 


































































































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