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 TREND REPORT November 2019 | Immobilien mit Zukunft 19    Auch in Zeiten einer dro- henden Rezession gibt es noch Gewinner. Man muss nur vorsichtiger agieren und genauer hinschauen. von Andreas Fuhrich a.fuhrich@trendreport.de Immobilien mit Zukunft  Die horrende Sum- me von 280 Billio- nen US-Dollar ist weltweit in Immo- bilien angelegt. Dabei wechseln allein in Deutschland jährlich 70 Milliarden Euro in Form von Betongold den Besitzer. Ein Ge- schäft, an dem auch die klammen Lan- deskassen gerne partizipieren und sich durch Grunderwerbssteuererhöhungen ein immer größeres Stück vom Kuchen nehmen. Berlin machte 2007 den An- fang und außer Sachsen und Bayern folgte mittlerweile jedes Bundesland dem Hauptstadtbeispiel. Allein das Saarland erhöhte zwischen 2011 und 2015 den Steuersatz viermal auf mittlerweile 6,5 Prozent – Spitzenwert gemeinsam mit Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Zuletzt erhöhte am 1. Juli 2019 Meck- lenburg-Vorpommern den Grunder- werbssteuersatz auf sechs Prozent. Ralph Henger schockt nun Branche und Länder. In einem Papier des Insti- tuts der deutschen Wirtschaft (IW) prog- nostiziert er den „Anfang vom Ende des Immobilienbooms“. Grundlage seines Kurzberichts bildet die Herbst- befragung 2019 des IW Immobilien- Index. „Von den gut 100 antworten- den leitenden Angestellten der Branche erwarten damit mehr Immobilienun- ternehmen für die nächsten zwölf Mo- nate eine schlechtere als eine bessere Entwicklung“, steht dort geschrieben.  Damit ist das Immobilienklima nun dreimal in Folge gesunken. „Nach der Dreimal-Regel der Konjunkturfor- schung signalisiert dies einen Wende- punkt und eine Richtungsänderung in der wirtschaftlichen Entwicklung. Der Abschwung hat demnach begonnen.“ Doch auch in Zeiten einer Rezession gibt es Gewinner. Man muss nur vor- sichtiger agieren und genauer hin- schauen. Profiteure des E-Commerce Zum Beispiel in den bereits erwähnten IW-Kurzbericht. Wie sich zeigt, wer- den insbesondere für das Segment der Handelsimmobilien schwierigere Zei- ten erwartet. Zum einen reagiert dieses Segment besonders sensibel auf die Ge- samtkonjunktur, sodass die erwartete Rezession ohne Verzögerung den Markt trifft. Zum anderen und vor allem je- doch wächst der Online-Handel im- mer weiter. Die Schaufenster von einst weichen zusehends Computerbild- schirmen und Smartphone-Displays. Ein Trend, dem sich einzig Luxusge- schäfte und Fachmärkte noch widerset- zen können. Während 2009 noch vier Millionen Quadratmeter in Shopping- centren fertiggestellt wurden, sank die- ser Wert bis 2014 rapide und hat sich seither etwa bei der Hälfte stabilisiert. Der große Profiteur dieser Entwick- lung ist die Logistikbranche und damit das Segment der Logistikimmobilien, welches im IW-Bericht keine geson- derte Befragung erfährt. Verbunden mit Lieferversprechen wie Same-Day-Deli- very nimmt vor allem der stadtnahe Flächenbedarf in hohem Maße zu. Die sogenannte „letzte Meile“ zum End- kunden in die Stadt stellt dabei hohe Anforderungen an moderne Lagerstät- ten und deren Ausstattung. Rund 286 Millionen Online-Bestellungen werden jährlich weltweit an den Händler zu- rückgeschickt. Aneinandergereiht ent- sprechen diese Sendungen etwa 2,9 Erd- umrundungen. So wundert es nicht, dass durch den Erfolg des E-Commerce längst auch eigens eingerichtete Retou- renzentren zum festen Bestandteil der Citylogistik gehören. 2020 sollen über 100 Milliarden Pakete verschickt werden, dabei wurden schon 2018 al- lein in Deutschland sieben Milliarden Euro in Lagerhäuser investiert. Lukrativ knapper Wohnraum Neben der Rezessionsangst macht das Wort Blase – jener unheilvolle Vorbote erschütternder Wirtschaftslagen – macht ebenfalls die Runde. Für sieben Städte weltweit attestieren die Exper- ten hinter dem UBS Global Real Estate Bubble Index eine hohe Blasengefahr. Verfügbarer Wohnraum und Bevölke- rungswachstum – das eherne Marktge- setz von Angebot und Nachfrage – steht vielerorts in einem derartigen Missver- hältnis, dass die Mieten in den vergan- genen Jahren regelrecht explodiert sind. Dennoch scheint dem Wachstum der Städte kein Ende gesetzt zu sein.   Bildquelle / Lizenz: Duophenom , Pexels 


































































































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