Page 11 - TREND REPORT November 2019
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 TREND REPORT November 2019 | Smarter Standort Deutschland 11    werden? Kostensenkung ist im derzeiti- gen Wirtschaftsumfeld hoch aktuell. Dennoch verfehlen dabei laut der De- loitte-Studie zur strategischen Kosten- transformation viele deutsche Unter- nehmen ihre Zielvorgaben. Dr. Hend- rik Engelhardt, Director Strategic Cost Transformation bei Deloitte, berichtet dazu: „Nur inkrementelle Maßnahmen reichen hierzu nicht aus, weil insbeson- deredieEinführungneuerdigitalerTech- nologien signifikante finanzielle Res- sourcen benötigt – Ressourcen, die bei einem angespannten Marktumfeld bewusst und gezielt eingesetzt werden müssen. Hier geht es um grundlegende beziehungsweise disruptive Struktur- änderungen im jeweiligen Geschäfts- modell.“ Ihm zufolge sind die Kostenstruktu- ren strategisch weniger relevanter Ge- schäftsbereiche rigoros auf Effizienz zu trimmen. Somit wird zusätzlicher fi- nanzieller Spielraum für Investitionen in Innovation und Digitalisierung ge- schaffen. Innovative Einsparungen lassen sich laut Engelhardt durch RPA („Robotic Process Automation“) generieren: „Da- bei handelt es sich um einen neuen Software-gestützten Ansatz, der dort zum Einsatz kommt, wo Prozesse ei- nem festen Regelwerk folgen und im- mer wieder nach demselben Muster ablaufen, etwa in der Buchhaltung, bei der Mitarbeiterverwaltung oder im IT- Support.“ Laut Engelhardt ist das Effi- zienzpotenzial durch RPA enorm. In Zeiten von neuen Arbeitskonzepten und digitalen Tools, die global und de- mokratisch für alle bestehenden und neuen Marktteilnehmer verfügbar sind, muss Deutschland smarter werden, was den Einsatz der vorhandenen Mittel angeht. Dr. Hendrik Engelhardt ergänzt dazu: „Vermutlich wird die deutsche Wirtschaft nicht mehr automatisch an allen Tischen in der ersten Liga spielen können. Um im Bild zu bleiben: Man- ches Unternehmen sollte überlegen, sich neue Karten geben zu lassen.“ Start-up-Mentalität und das „Mi- nimum Viable Product“ (MVP) Das tradierte Geschäftsmodell zu ver- lassen, hört sich nach einer großen He- rausforderung oder besser nach einem Neustart an. Was macht dann eigent- lich die „alte Ziegelei in Nürnberg“     IoT, KI und der Arbeitsplatz Ob Einkauf, Personalabteilung oder Vertrieb – im Büro arbeiten Men- schen mit unterschiedlichen Aufga- ben. Wie gut sie diese erfüllen kön- nen, hängt maßgeblich von ihrer Ar- beitsumgebung ab. Funktioniert die Technik? Ist es sauber? Gibt es ein Angebot an Essen und Getränken? Diese und weitere Aufgaben sind Teil des Facility Managements. Wie sich hier IoT, Big Data und KI einsetzen lassen und wie das den Arbeitsplatz verändert, zeigt der Anbieter für Fa- cility Services ISS in seinem Düssel- dorfer Headoffice. „Die neuen Technologien sind für uns kein Selbstzweck“, sagt Tom Dreiner, Director Commercial bei ISS Deutsch- land. „Wir haben das Gesamtkonzept ‚New Ways of Working‘ entwickelt. Da- rin sind neben Digital Excellence zu- sätzlich auch die Faktoren Workplace Experience und Workplace Design enthalten. Das Konzept hat sich in der Praxis bereits bewährt: Unser Head- office, in dem mehrere Hundert Mit- arbeiterinnen und Mitarbeiter arbei- ten, wurde mit dem höchsten in Deutschland je vergebenen Wert des Leesman-Index für Arbeitsplatzeffek- tivität ausgezeichnet.“ Drei Fragen stehen bei der Gestaltung eines zeitgemäßen Arbeitsplatzes ganz oben: Wie trägt er in Zeiten von Fachkräftemangel und „War for Ta- lents“ zur Arbeitsplatzattraktivität bei? Wie lassen sich Wissensaus- tausch und Teamarbeit fördern? Und wie lässt sich die vorhandene Fläche möglichst effizient nutzen? Aus allen drei Überlegungen ergab sich für ISS das Ziel, einen möglichst flexiblen, of- fenen und mobilen Arbeitsplatz zu schaffen. Dreiner berichtet: „Unser Workplace Design setzt auf Desk Sha- ring und klar definierte Arbeitszonen: offene Arbeitsbereiche für Einzel- und Teamarbeit, Meeting-Zonen für pro- jektbezogene Besprechungen, Ruhe- bereiche für konzentriertes Arbeiten sowie Kreativräume für Austausch in entspannter Atmosphäre. Wir haben eine Arbeitsplatzlandschaft geschaf- fen, in der Mitarbeiter sich von einer Zone zur anderen bewegen – je nach Bedarf.“ Smarte Technologien ergänzen Human Touch Es gibt verschiedene Facility Services, mit denen die Menschen innerhalb eines Büros in Berührung kommen: den Empfang, das Betriebsrestau- rant und vieles mehr. An diesen Be- rührungspunkten, den „Touchpoints“, zwischen den Gebäudenutzern und den Facility-Services-Mitarbeitern ent- scheidet sich, welche Erfahrungen der Nutzer mit dem Service macht. Ist er nur „zufrieden“ oder sogar „begeis- tert“? Wird seine Arbeit erleichtert? Fühlt er sich wohl? „Wir analysieren die Customer Journey, den Weg, den der Mitarbeiter im Laufe eines Tages im Gebäude zurücklegt – vom Betre- ten des Gebäudes bis zum Mittages- sen und zum Verlassen des Gebäu- des“, sagt Tom Dreiner. „Unsere Teams arbeiten kontinuierlich daran, die Services an allen Touchpoints zu optimieren. Dabei sehen wir neue Technologien als Ergänzung zum ‚Hu- man Touch‘ unserer Serviceteams. Damit lassen sich Servicelevel weiter- entwickeln und durch Überprüfung weiter verbessern.“ ISS versteht den Arbeitsplatz als Ser- vice für die eigenen Mitarbeiter. „Zu einer positiven Workplace Experience gehört aus unserer Sicht Digital Excel- lence. Arbeitsplätze, die dank Smart- phone, Laptop und Co. auf Mobilität ausgerichtet sind, ermöglichen das Arbeiten im Büro, zu Hause oder un- terwegs. Digital Excellence bedeutet für uns aber auch, dass der Arbeits- platz selbst digital und smart ist.“ Im ISS Headoffice sind Hunderte Senso- ren installiert. Diese messen etwa, wann und wo sich Menschen aufge- halten haben – natürlich anonym. Diese Big Data wird automatisch in einer Cloud gesammelt und zentral ausge- wertet. Das Ergebnis bietet einen Über- blick, welche Arbeitsbereiche stark und welche wenig genutzt werden. Mit KI erfährt ISS sogar noch mehr über den Arbeitsplatz: Auf Grundlage von Erfahrungswerten lassen sich Prognosen für die zukünftige Gebäu- denutzung abgeben. Mithilfe der ge- wonnenen Informationen optimiert ISS die Services am Arbeitsplatz. Die Serviceteams können gezielt dort technische Instandhaltungen durch- führen, wo Anomalien auftreten. Sie können dort reinigen, wo sich tags- über besonders viele Menschen auf- gehalten haben. Es gibt auch noch an- dere Anwendungsbereiche. „Für das Real Estate Management können wir KI-basierte Handlungsempfehlungen abgeben: Wo lassen sich Flächen ver- mieten oder verkaufen? Wo besteht Bedarf, neue Flächen anzumieten oder vorhandene effizienter zu gestal- ten?“ https://www.de.issworld.com/ Wie muss ein attraktiver Arbeitsplatz gestal- tet sein, um Wissensaustausch und Team- arbeit zu fördern und die vorhandene Flä- che möglichst effizient zu nutzen?       Bildquelle / Lizenz: ISS GmbH 


































































































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