Page 4 - TREND REPORT Juni 2018
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4 KI & Automatisierung | Juni 2018
TREND REPORT
nehmen stehen vor der essenziellen P icht, ihre Mitarbeiter dabei zu un- terstützen, die sich bietenden Chancen wahrzunehmen.
Dies betrifft beispielsweise
auch die HR-Abteilung eines Unter- nehmens. „Sowohl Arbeitsziele und -inhalte als auch die eingesetzten Werk- zeuge werden sich massiv verändern“, berichtet Wieland Volkert, Country Manager Deutschland von PeopleDoc. Die HR mutiert immer mehr zum strategischen Erfolgsfaktor innerhalb eines Unternehmens.
Im War of Talents müssen Strategien entwickelt werden, „um die Besten der Besten für das Unternehmen zu gewin- nen. Zudem müssen sie durch perfekte Services und gezielte Mitarbeiterförde- rung die Leistungsträger langfristig binden. Und schließlich ist die HR da- für verantwortlich, eine Infrastruktur aufzubauen, die in Personalfragen ma- ximale Flexibilität, Rechtssicherheit
und Wettbewerbsfähigkeit garantiert.“ „Robotic Process Automation“ (RPA) hilft, die HR von „zeitfressenden Rou- tinearbeiten zu befreien“ und Freiräu- me für strategische Aufgaben zu schaf- fen. Allein das Onboarding, ein Pro- zess, der bislang rund vier Wochen in Anspruch nahm, kann mittels RPA völlig automatisiert werden.
RPA löst das tschechische Lehnwort Roboter von seiner physischen Mani- festation. Der ursprünglich menschen- ähnliche Automat war verdammt, un- entwegt monotone körperliche „robo- ta“, also Zwangs- oder Fronarbeit, zu verrichten. „Jetzt ahmen Software-Ro- boter menschliches Verhalten nach“, berichtet Frank Termer, Bereichsleiter
Software beim Digitalverband Bitkom. „Wenn sie zum Beispiel Daten auto- matisiert in Formularfelder eingeben.“
Dass Mitarbeiter so mehr Zeit für an- dere Tätigkeiten erhalten, bestätigt auch Martin Wild, CEO von Sogedes, und hebt hervor: „Die Arbeit wird ein- fach e zienter und mit weniger Feh- lern erledigt. Sobald RPA im Einsatz ist, kann mit gleichem Ressourcenein- satz mehr getan werden, was natürlich Raum für neue Geschäfte entstehen lässt.“ Konkretes Neugeschäft sieht er beispielsweise im Kundenkontakt ent- stehen. „Hier können Cross- und Up- sell-Potenziale genutzt werden, schnel- lere Vorgangsbearbeitung kann zu höherem Datendurchsatz, geringere Feh- lerquoten bei komplexen Buchungs- prozessen können zu weniger Storni führen.“
Die Folge sind zufriedenere Kun- den, was auch Dirk Dose, Managing Consultant bei PPI, bestätigt. Das Un-
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„Wir bringen Deutschland ins KI-Zeitalter“
Dr. Andreas Liebl, Leiter der appliedAI- Initiative von UnternehmerTUM sprach mit der Redaktion über die Chancen von künstlicher Intelligenz für die In- dustrie und seine neue Datenbank, in der erstmals Deutschlands beste KI- Start-ups gelistet sind.
Herr Dr. Liebl, wofür steht Ihr Haus und wie unterstützen Sie die deut- sche Wirtschaft?
UnternehmerTUM steht seit 15 Jahren für die erfolgreiche Schulung, Finan- zierung, Förderung und Beratung von Studenten, Gründern und Unterneh- men im Bereich Entrepreneurship. Wir sind heute Europas führendes Zent- rum für Innovation und Gründung, mit einem jährlichen Durchlauf von durch- schnittlich 100 Start-ups, 1500 Work- shop-Teilnehmern und 100 Firmen. Bekannte Start-ups wie die KI-Senso- rik-Firma Konux sind mit unserer Hilfe am Markt durchgestartet. Daneben investieren wir mit unserem Fonds auch in Start-ups wie Flixbus.
Was ist das Ziel Ihrer appliedAI-Ini- tiative?
Wir wollen Deutschland ins KI-Zeital-
ter bringen, indem wir Anwendungen von künstlicher Intelligenz für die In- dustrie beschleunigen. Hier sehen wir leider immer noch große De zite. Mit der TU München haben wir vor etwa zwei Jahren eine Studie unter deut- schen Firmen zum Thema KI durchge- führt. Das Ergebnis war verheerend. Kaum einer nutzte KI und wenn, dann wenig e zient. Selbst große Konzer- ne experimentierten meist nur mit Pilotprojekten oder hatten maximal eine KI-Anwendung im Einsatz. Meist fehlten Fachkräfte.
Dr. Andreas Liebl hilft Unterneh- men, passende Partner zur KI- Implementierung zu finden.
Welche Erfolge können Sie schon durch appliedAI verbuchen?
Wir haben bereits 28 Partner aus Poli- tik, Wirtschaft und Forschung gewin- nen können. Mit dabei sind Google oder Nvidia, aber auch deutsche Un- ternehmen wie Linde, Allianz oder BayWa. Wir haben über 100 Personen in Workshops ausgebildet, über 20 000 Personen erreicht und erste Proto- typen gebaut. Der enorme Zulauf in so kurzer Zeit hat uns überwältigt und sehr gefreut – unsere Initiative gibt es ja erst seit fünf Monaten.
Wie können Unternehmen von ap- pliedAI pro tieren?
Als gemeinnützige Initiative ermögli- chen wir den o enen Austausch an ei- nem neutralen Ort zwischen For- schung, Wirtschaft und Gründern. Wir bringen etwa Firmen mit KI-Start-ups oder renommierten KI-Forschern zu- sammen, schulen Mitarbeiter und Ma- nager in unserem eigenen KI-Lab und beraten Unternehmen, welche KI-Soft- ware für sie Sinn macht und wie sie diese praktisch einsetzen können. Wir verringern auf diese Weise Eintritts- hürden und dienen als Wegweiser.
Welche Hilfe für die praktische An- wendung von KI bieten Sie noch?
Wir bauen gerade eine Datenbank auf, in der alle relevanten deutschen KI- Start-ups verzeichnet sind. Aus insge- samt 468 haben wir 237 als vielver- sprechend gelistet, 132 haben es in unsere Hauptliste gescha t, die wir als etabliert erachten. Damit sollen Firmen leichter passende Partner für die Imple- mentierung von KI  nden. Zusätzlich erstellen wir aktuell eine „Landkarte“ wichtiger KI-Tools. Hier existiert eine Menge sehr guter, aber kaum bekann- ter Werkzeuge.
Welchen Stellenwert hat KI für Deutschland?
Künstliche Intelligenz wird unser Leben beein ussen – ob wir das wollen oder nicht. Als eine der führenden Exportna- tionen sollten wir uns damit intensiv auseinandersetzen. Vor allem bei der Produktion und Entwicklung der Export- schlager wie Autos, Maschinenbau oder Medizintechnik müssen wir KI-Systeme mit unserem Expertenwissen anlernen, um langfristig marktfähig zu bleiben.
https://appliedai.de


































































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